Bad Dürkheim / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Sowas konn mer net bezahle“: Edsel Merz über seine Rückkehr auf die Bühne

„Sowas konn mer net bezahle“, sagt Merz über seine Erlebnisse beim Auftritt bei der Lebenshilfe Bad Dürkheim am Samstag.
»Sowas konn mer net bezahle«, sagt Merz über seine Erlebnisse beim Auftritt bei der Lebenshilfe Bad Dürkheim am Samstag.

Eine Stunde pro Auftritt wollte er machen, der Thomas „Edsel“ Merz bei der musikalischen Wiedereingliederungsmaßnahme mit seiner Kult-Combo „Anonyme Giddarischde“. Nach längerer Krankheit stand Merz am Wochenende unter anderem beim Parkfest der Lebenshilfe in Bad Dürkheim auf der Bühne. Doch hat der gute Vorsatz auch gehalten?

Nach vier Monaten ist „Edsel“ zunächst am Freitag beim Pfalzfest in Ludwigshafen sowie einen Tag später beim Parkfest der Lebenshilfe in Bad Dürkheim erstmals wieder aufgetreten. Jeweils eine Stunde, mehr sei nicht drin, hatte er im Vorfeld betont – wegen Kurzatmigkeit und überhaupt, das müsse man schon langsam angehen lassen. Hat fast geklappt: aus der geplanten Stunde wurden in Ludwigshafen knapp drei, wenn auch unterbrochen durch eine Zwangspause wegen eines medizinischen Notfalls.

Bei der Lebenshilfe waren es dann sogar vier Stunden, wobei ein Stromausfall und eine Pause zwischen den Sets den Auftritt in die Länge zogen. Dass „Edsel“ länger machte, wunderte aber eigentlich (fast) niemanden – am wenigsten wohl seine Band. „Naja, die haben schon zwischendurch geschmunzelt, weil ich nicht runter bin. Dass meine Ansagen nicht kürzer werden, war sowieso allen klar und ansonsten sind sie ja schon ziemlich flexibel, was mich angeht“, gibt er dann auch nonchalant zu.

Einen Halbton tiefer gespielt

Um gleich einzuschränken: die gesamten Lieder seien ja auch einen Halbton tiefer als normal gespielt worden (wegen eingangs erwähnter Kurzatmigkeit), also sei das Ganze jetzt auch nicht „soo fordernd“ gewesen wie sonst und „de Kaule (Joachim Kaul, d. Red.) und ich sind ja sehr geübt im zweistimmigen Harmoniegesang, da haben wir das locker aufteilen können. Un weil’s hald geloffe is’, bin isch ewe gebliewwe“.

Einen Tag nach dem Konzertmarathon habe er sich „pumperlwohl gefühlt, klar ein bisschen länger geschlafen“, aber dann sei er gleich auf sein Motorrad gestiegen und habe eine Tour durch die Pfalz gemacht. Und im Gepäck die Erinnerung an zwei „berauschend schöne“ Nächte. „Ludwigshafen war schon großartig, vor allem weil die Leute dort so zugewandt waren. Du gehst durchs Publikum und erfährst so viel Anteilnahme und Freude dass du wieder dabei bist, wann isch e Katz wär, dät isch dauerschnorre…“

Lebenshilfe ein besonderer Rahmen

Und die Lebenshilfe ist für die Anonyme und ihren Frontmann nach wie vor ein ganz besonderer Rahmen: „Die Menschen, die man dort trifft, sind so einnehmend, auch die Atmosphäre, die dort herrscht. Und immer wieder passiert dort was, was einem auf ewig im Gedächtnis bleibt.“ Am Samstag sei beispielsweise ein Mädchen mit Down-Syndrom zu ihm auf die Bühne gekommen, „die hot misch ganz arg gedrickt“ und sei dann das komplette Lied bei ihm in seinem Arm auf der Bühne geblieben, ein Junge habe sich „neben Steppes an ein Schlagzeug gesetzt und mitgespielt. Sowas konn mer net bezahle“.

Und überhaupt was „es Drigge“ angeht. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns als Band so oft auf der Bühne umarmt haben, wie bei den Auftritten am letzten Wochenende“. Könnte daran liegen, dass jeder froh war, dass der „Pälzer Caruso“ wieder so gut bei Stimme war.

„Trääm ruhisch weida“

Jetzt bleibt abzuwarten, wenn man in zwei Wochen beim Rheinuferfest in Ludwigshafen die Songs in Original-Tonhöhe präsentieren wird. „Ein Halbton tiefer ist halt schon mal eine Erleichterung für die Stimme“, gibt Edsel zu. Wenn er merkt, dass es eng wird, könne er ja seine Ansagen vielleicht ein wenig kürzer…? „Do regt misch jo die Frooch schun uff. Nochemol:Trääm ruhisch weida“!

x