Blickpunkt Wirtschaft
Software-Anbieter HTK: Nun mit Vater und Sohn an der Spitze
Vom benachbarten Winzerbetrieb, der seinen Verkauf ankurbeln möchte, bis zum Tabakwarenhändler: HTK vertreibt bundesweit vor allem auf die jeweiligen Bedürfnisse der über 1500 Kunden abgestimmte kaufmännische Softwarelösungen. Mitunter entwickelt die Ellerstadter Firma auch selbst Software, zum Beispiel für den Online-Handel (E-Commerce). „Dieser Bereich boomt momentan“, berichtet Maximilian Postel, der mit seinem Vater – und Firmengründer – Stephan Postel das Unternehmen führt.
Beim Start 1990 verkaufte HTK – die Abkürzung steht für Hightech-Kommunikationssysteme – zunächst auch Computer-Hardware, hat sich davon aber längst verabschiedet. „Damals waren wir so etwas wie ein EDV-Gemischtwarenladen“, erzählt der Senior. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg sei die Spezialisierung auf Software-Lösungen gewesen. Die Expertise der Ellerstadter besteht hauptsächlich darin, als Partner der weltweit tätigen Sage Group deren für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelte Software an die individuellen Anforderungen der eigenen Kunden anzupassen – und gegebenenfalls zusätzliche Lösungen zu entwickeln. Die Sage-Software ist ein sogenanntes ERP-System – Englisch für Enterprise Resource Planning –, das den Nutzern helfen soll, ihre Betriebe effizienter zu führen. Der Fokus liegt darauf, die Ressourcen über alle Geschäftsbereiche hinweg besser planen zu können – vom Personalmanagement bis zum Materialbedarf.
Zielgruppe: Unternehmen mit 30 bis 500 Mitarbeitern
Heute übernehme die individuell angepasste Software von der Bestellung bis zur Auslieferung der Ware die Arbeit für den Kunden, beschreibt es Maximilian Postel etwa genauer. Das Produktinformationsmanagement-Programm sorge für die nahtlose Vernetzung von Warenwirtschaft, Finanzbuchhaltung, Logistik, Onlineshops und Internet-Marktplätzen wie Amazon. Seit Kurzem seien auch KI-Funktionen eingebaut. Diese ermöglichten das automatische Erstellen von Produktbeschreibungen im Shop. „Das erspart Arbeit und bringt letztlich mehr Umsatz“, sagt der Junior. Gerade in der HTK-Zielgruppe – Unternehmen mit 30 bis 500 Mitarbeitern – seien die personellen Ressourcen oft knapp.
Internationales Team am Werk
Die eigene Belegschaft der Ellerstadter Firma ist mittlerweile international aufgestellt. In ihren Reihen finden sich Türken, Syrer und Iraner, zudem ergänzen junge Flüchtlinge als Auszubildende das Team. Dafür habe es auch Anerkennung von der Industrie- und Handelskammer Pfalz gegeben. „Bei uns arbeiten über zehn Softwareentwickler, weitere liefern freiberuflich zu“, verrät Maximilian Postel und ergänzt: „Allein im vergangenen Jahr haben wir acht Auszubildende eingestellt.“ Aus einer Handvoll Beschäftigter bei der Firmengründung seien inzwischen fast 40 Mitarbeiter geworden, die am Firmensitz in der Nauroth 2 jährlich einen Umsatz von etwa drei Millionen Euro erwirtschaften, berichten Stephan und Maximilian Postel. Von Anfang an dabei ist auch Ehefrau und Mutter Sabine Postel, die sich um Buchhaltung und Personalwesen kümmert.
Innerbetriebliche Weichen sind gestellt
Zum Jahreswechsel haben Firmengründer Stephan Postel (57) und sein Sohn Maximilian (30) die innerbetrieblichen Weichen für die Zukunft gestellt: Sie sind jetzt gleichberechtigte geschäftsführende Gesellschafter, allerdings mit klar getrennten Verantwortlichkeiten. Der Senior konzentriert sich als Informatiker fortan auf technische Umsetzungen und Trainings, der Junior als Betriebswirt auf Organisatorisches und Personalführung.
Im neuen Jahr sucht HTK nach ihren Angaben weitere Fachkräfte und Auszubildende aus allen Bereichen. „Wir unterstützen neue Kräfte mit Schulungen und Weiterbildungen“, erklärt Maximilian Postel. Geeignete Mitarbeiter für die Ellerstadter Softwareschmiede zu finden, sei schwierig: „Umso wichtiger ist es, die Leute zu halten und als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, betont er. Das vorhandene Team sei recht jung und habe viel Potenzial. Außerdem spiele der „New Work“-Gedanke eine bedeutende Rolle: „Flache Hierarchien mit Mitspracherecht sind wichtig“, erklärt er.