Bad Dürkheim / Grünstadt
„Smarter Start“: Eltern wollen Smartphones aus den Klassen verbannen
„Viele Eltern möchten mit dem Smartphone gerne warten. Meist geben sie ihrem Kind dann doch eins, damit es nicht zum Außenseiter wird“, erzählt Anna Blasius. Die 44-jährige Mutter von zwei Söhnen aus Bobenheim am Berg ist der Meinung, dass dieser Gruppendruck aber nicht sein muss. Deshalb hat sie sich der gemeinnützigen Elterninitiative „Smarter Start“ angeschlossen.
Die Botschaft der bundesweiten Aktion: Eltern sind nicht allein in ihrem Bestreben, die Einführung des Smartphones so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Initiative mit ihren anwachsenden Regionalgruppen empfiehlt, Kindern bis zum Alter von 14 Jahren kein eigenes Smartphone zu geben und den Einstieg in Social Media bis mindestens 16 Jahre hinauszuzögern.
Schulen sind noch zurückhaltend
Die Initiative setzt auf Gemeinschaft. Damit soll der soziale Druck auf einzelne Familien entfallen. Es gibt Regionalgruppen wie in Grünstadt und Bad Dürkheim, die versuchen, über Schulen Kontakt mit anderen Eltern aufzunehmen. „Es wäre natürlich schön, ganze Klassen zu haben, deren Schüler kein Smartphone besitzen“, erklärt Blasius. Damit Kinder ohne eigenes Handy nicht in eine Außenseiterrolle geraten, seien solche Klassen ideal. Die Reaktionen von Schulen in der Region seien unterschiedlich, stellte Blasius bei einer Abfrage fest. So werde von den Schulleitungen teilweise auf das eigene Schul- und Medienkonzept verwiesen. Aus den Schulelternbeiräten sei die Befürchtung laut geworden, dass damit womöglich Eliteklassen eingerichtet werden könnten. „Warum soll man zur Elite gehören, wenn man seinem Kind kein teures Smartphone kauft?“, fragt sich Blasius.
Sie findet, dass zumindest Kinder im Grundschulalter die Chance haben sollten, smartphonefrei aufzuwachsen. Nachteile sollten ihnen dadurch nicht entstehen. In der fünften und sechsten Klasse der weiterführenden Schule sei dies ebenfalls noch wünschenswert. Ihr zehnjähriger Sohn besitze noch keins und komme damit gut klar. Ihr Jüngster mit sieben Jahren sowieso. „Wir stärken unsere Kinder auch damit“, ist Blasius überzeugt.
Im Dürkheimer Raum soll es weitergehen
Mit einer Gruppe von Eltern, deren Kinder die Grundschule in Weisenheim am Berg besuchen, habe ihr Engagement für die Ziele von „Smart Start“ begonnen. Nach den Sommerferien sei geplant, die Bemühungen für handyfreie Klassen in Bad Dürkheim fortzusetzen. „Wir würden uns wünschen, wenn die Schulleitungen uns erlauben, entsprechende Anfragen an die Eltern zu stellen“, so Blasius. Bei positiven Rückmeldungen wäre es schön, wenn man die Kinder in einer Klasse zusammenführen könnte. „Wir sind natürlich auf die Mitarbeit der Schulen angewiesen“, betont die Bobenheimerin.
Beim Grünstadter Kindertag will sich die Initiative mit ihren neuen Regionalgruppen aus Grünstadt und Bad Dürkheim zum ersten Mal öffentlich präsentieren. Auch Eva Kühner, die sich im Raum Speyer für die Elternbewegung einsetzt, werde am Samstag, 13. Juni, von 11 bis 16 Uhr an dem Stand in der Fußgängerzone für die Initiative werben. „Wir möchten damit Sichtbarkeit erreichen“, so Blasius.