Bad Dürkheim
Skurrile Entdeckungen: Ein Rundgang auf dem Salinen-Flohmarkt
Da müssen manche Besucher schmunzeln: Vor ihnen steht ein menschliches Skelett, auch noch mit einem Tirolerhut auf dem Schädel – und natürlich aus Plastik. Möglicherweise diente es einmal als Anschauungsmaterial im Biologieunterricht. 45 Euro will der Händler dafür haben – ohne die Kopfbedeckung, die kostet extra. Die Knochengestalt findet jedoch keinen Abnehmer. Weiter hinten ist derweil etwas Makaberes zu entdecken: ein kleiner Koffer mit Bombenattrappen. Nicht sehr lustig, gerade in den heutigen Zeiten, moniert ein Besucher kopfschüttelnd.
Dann aber erweckt eine Rarität Aufmerksamkeit: Eine Art Kinematograph, eine Weiterentwicklung der Laterna magica. Offensichtlich über 100 Jahre alt und Vorfahre der Diaprojektoren, die vor allem seit den 1960er-Jahren Einzug in die Wohnstuben hielt. Dazu gibt es zwei Boxen mit Glasdiapositiven, aus denen sich später die Farbdias entwickelten. Der Preis für das Kombi-Paket: 500 Euro.
Bei den Standnachbarn wird’s musikalisch: Neben akkurat aufgereihten Uralt-Schreibmaschinen warten drei blitzeblank gepflegte Blasinstrumente auf neue Besitzer: zwei Trompeten zu je 100 Euro und ein stattliches Waldhorn für 150 Euro, alle mit den dazugehörigen Kästen. Das Sammelsurium auf Tischen, Decken oder in Kisten umfasst auch Bücher und Briefmarken, eine Beethoven-Büste, Münzen und Milchkannen. Auch Standuhren oder gebrauchte Schuhe sowie Omas Porzellan nebst Opas Bierkrügen können Kaufwillige erwerben.
An anderer Stelle wird „Frostschutzmittel“ angeboten, so steht es jedenfalls auf der Flasche. Bei genauem Blick auf das Etikett ist der Inhalt jedoch nicht zum Nachfüllen ins Auto geeignet, sondern besteht vielmehr aus Schnaps, der dem Käufer in der kalten Jahreszeit das eisige Gefühl vertreiben soll. Auch neuere Ware wird feil geboten, etwa in einer Alien-Maske eingebaute Bluetooth-Lautsprecher. Über den Preis darf selbstverständlich meist gefeilscht werden.
Standbetreiber und Besucher haben viel zu erzählen. So berichtet ein Händler aus Eisenberg über außergewöhnliche Begebenheiten und Begegnungen, etwa von einer Deutschen, die in die USA auswanderte, aber öfter nach Deutschland kommt und den Flohmarkt besucht. „Sie hat einmal einen vier Zentner schweren Ambos gekauft“, erinnert er sich und erzählt eine weitere Anekdote. Bei einer Haushaltsauflösung habe er mal eine Schaufensterpuppe erworben. „Da ich erst ein paar Tage später mit meinem Kleintransporter auf den Flohmarkt gefahren bin, habe ich sie mit einem dazugehörenden Fuchsfell auf den Beifahrersitz gesetzt und bin mit ihr herumgefahren. War witzig zu sehen, wie die Passanten erstaunt oder entsetzt ins Auto schauten.“
Geschmäcker ändern sich
Beim Kaufinteresse der Flohmarktbesucher habe sich im Laufe der Jahre viel verändert, stellt der Eisenberger fest. „Schildkröt-Puppen oder Steiff-Teddybären waren früher mal ein Boom, jetzt sind sie out. Habe ich früher für einen Steiff-Bären 400 bis 500 Euro erzielen können, bekomme ich heute höchstens 40 bis 50 Euro.“ Betagte Möbel, etwa aus der Gründer-, Biedermeier- oder Jugendstil-Zeit, liefen inzwischen auch nicht mehr so gut wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Ebenso Überraschungseier. „Vor Jahren hat mir mal ein Arzt erzählt, dass er seine Altersvorsorge auf diese hoch gehandelten Eier ausgelegt hat“, weiß der Händler noch. Er hoffe, dass der Mann noch rechtzeitig genug Profit machen konnte. Noch immer hoch im Kurs stehe alles um das Thema Modelleisenbahnen. „Für Lokomotiven, Waggons, Schienen, aber auch für Modellhäuschen und Miniaturautos finden sich immer noch viele Interessenten,“ erklärt der Eisenberger Flohmarkt-Beschicker und fügt hinzu: „Trotz der Generation PC und Facebook sind manchmal auch jüngere Leute dabei.“
Ein anderer Händler ärgert sich noch heute, dass er bei einem Verkauf seine Ware falsch einschätzte. „Ich habe damals einen rot-blauen Miniatur-Büssing-Lkw aus der ersten Auflage für einen Euro erworben und für 40 Euro verkauft“, erzählt er. Als er später im Internet recherchierte, sei er erschrocken: Dort habe ein Zahnarzt aus Berlin für dieses Modell 400 Euro bezahlt. „Einige Schnäppchenjäger leben von der Unwissenheit mancher Verkäufer“, sagt der Mann.
Ordnungsamt führt Kontrollen durch
In der Nähe bietet ein Kaiserslauterer ältere Produkte feil: „Der Nachttopf stammt aus den 1920er- oder 30er-Jahren, und das alte Telefon mit der Kurbel kommt aus Paris“, erklärt er. Das Telefon habe wohl bessere Chancen, dass sich ein Käufer findet.
Eine Besucherin berichtet erfreut, dass sie einmal einen aus Horn geschnitzten Elefanten aus Afrika erworben hat, der auf den Hinterbeinen stand. „Ich habe aber großen Wert darauf gelegt, dass das schöne Stück nicht aus Elfenbein gefertigt wurde, sondern aus Rinderhorn“, teilt sie mit. Ein weiterer Besucher erzählt, dass er auch andere Flohmärkte besuche. „In Bad Vilbel bei Frankfurt habe ich vor langer Zeit in einem Wühlkasten eine silberne Omega-Taschenuhr entdeckt. Als ich den Verkäufer fragte, was er dafür wolle, hat er mir drei Mark als Preis genannt. Ich habe ihm aber 50 Mark gegeben, weil diese Uhr viel mehr wert war. Da war der total überrascht.“
Dass auf dem Dürkheimer Flohmarkt alles mit rechten Dingen zugeht, dafür sorgt das Ordnungsamt. So dürften selbstverständlich keine Waren angeboten werden, deren Verkauf unzulässig sei. Um das zu gewährleisten, führe es diverse Kontrollen durch, teilt die Stadt mit.