Kreis Bad Dürkheim
Selbsttests an Schulen: Lehrer ziehen erste Bilanz
Prinzipiell findet Armin Rebholz, Schulleiter des Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) die Tests gut. Allerdings würde er sich wünschen, dass sie zu Hause gemacht werden. Zum einen ginge durch die Testung in der Schule wertvolle Unterrichtszeit verloren, zum anderen säßen positiv getestete Kinder mit den anderen zusammen im Klassenraum. „Vielleicht ist das Kind auch schon mit dem Bus zur Schule gefahren“, sagt Rebholz. Außerdem werde durch die Teststäbchen häufig ein Niesreiz ausgelöst. „Und in dem Moment haben sie die Maske nicht auf,“ sagt der Schulleiter. Dass jeder mitbekomme, wenn ein Test positiv ist, sei zudem datenschutzrechtlich bedenklich. Ungefähr drei Viertel der Schülerschaft mache bei den Tests mit, schätzt er. Einen kompletten Überblick habe er allerdings noch nicht, denn der Präsenzunterricht wechselt am WHG wöchentlich.
„Es hilft uns allen, schließlich wollen wir, dass die Schulen aufbleiben.“ Georg Dumont der Schulleiter der IGS Deidesheim-Wachenheim ist froh über die Testmöglichkeiten. Einige Lehrkräfte an seiner Schule waren zunächst dagegen, dass in den Schulen getestet wird. Das Argument: Das gehöre nicht zu ihrer Dienstpflicht. Dumont konnte sie aber schließlich überzeuge. Die Schüler müssten lediglich beaufsichtigt werden. Die Masken seien nur für 30 Sekunden unten, die Fenster offen. Er könne keine zusätzliche Gefährdung für die Kollegen erkennen. „Der Effekt, den wir erzielen, ist viel höher als der Unterrichtsausfall.“ Es würde zwar am Anfang etwas länger dauern, aber das würde sich einspielen. Eine Stigmatisierung bei positivem Testergebnis befürchtet er nicht, schließlich gebe es allgemein täglich viele Neuinfektionen. Bisher sei bei einem positiven Fall auch die ganze Tischgruppe nach Hause geschickt worden, sagt er mit Blick auf Datenschutz-Bedenken. Die Testbereitschaft unter den Kindern und Jugendlichen sei recht hoch, berichtet er. Dumont hat allerdings zwei Schreiben mit heftigen Reaktionen von Eltern bekommen. Darin wurde auf die körperliche Unversehrtheit des Kindes verwiesen. Dumont nimmt das gelassen. „Es ist doch freiwillig, die brauchen doch nur die Einverständniserklärung nicht zu unterschreiben und fertig.“
Schulleiterin wird mit Strafanzeige gedroht
Die Von-Carlowitz-Realschule-Plus in Weisenheim am Berg beginnt erst in der nächsten Woche mit den Tests. Es habe etwas gedauert, bis die Einverständniserklärungen gekommen seien, berichtet Schulleiterin Petra Guth. Die Beteiligung liege bei 50 bis 60 Prozent. Das Hygieneteam habe sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. „Wir haben uns fachmännischen Rat eingeholt,“ berichtet Guth, dass Dr. Karl Deibel die Realschule und die nebenan gelegenen Grundschule beraten hat. Sollte es positive Fälle geben, könnten die Kinder und deren Familien schnell in Deibels Weisenheimer Praxis weitere Tests machen lassen. Das Kollegium begrüßt das Testen, weil es den Präsenzunterricht vielleicht retten kann, würde sich allerdings eine Testpflicht wünschen.
Viele fühlen sich unsicher. „Den Lehrkräften an weiterführenden Schulen ist noch kein Impfangebot gemacht worden,“ sagt Guth. Noch bevor die erste Einverständniserklärung gekommen sei, hätten bereits zwei Widersprüche auf ihrem Tisch gelegen, erzählt Guth. In einem Fall sei das Schreiben wohl aus dem Internet übernommen worden. Darin sei der Schulleiterin mit einer Strafanzeige wegen Körperverletzung gedroht worden, für den Fall, dass bei dem Kind ein Test gemacht wird. „Das nimmt man zur Kenntnis und legt es dann beiseite“, sagt Guth.
„In Ellerstadt sind wir bei fast 100 Prozent,“ sagt Eva Treusch, die Leiterin der Grundschule Ellerstadt-Friedelsheim-Gönnheim. Die Kinder seien sehr motiviert und stolz darauf, einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten zu können. Am Standort Friedelsheim liege die Beteiligung allerdings nur bei ungefähr der Hälfte, bedauert sie. In einer Klasse seien es sogar nur fünf von 22 Kindern, die sich testen würden. Treusch lobt ihr Kollegium, das voll mitziehen würde. Das sei nicht immer einfach, denn häufig würden die Anweisungen des Ministeriums sehr kurzfristig kommen. Tests zu Hause hätten den Vorteil, dass keine Unterrichtszeit verloren ginge. „Andererseits haben wir so im Blick, dass die Tests auch wirklich durchgeführt werden“, sagt Treusch.
Wichtig, dass viele teilnehmen
In der Grundschule Grethen nehmen 69 von 102 Kindern an den Tests teil. Leiterin Beate Philipp erzählt, dass am Montag den Kindern zunächst ein Video gezeigt und alles genau erklärt wurde. Der erste Selbsttest habe dann zwar etwas Zeit in Anspruch genommen, aber schon beim zweiten Mal sei es schneller gegangen. Die Kinder würden gut mitmachen. Die ersten und zweiten Klassen seien sehr klein und daher täglich da, die Kolleginnen müssten nur montags und mittwochs testen lassen. In der dritten und vierten Klasse werde täglich gewechselt, da werde von Montag bis Donnerstag getestet, damit jedes Kind zweimal dran sei. Schmunzelnd erzählt Philipp, dass einige Kinder sich wohl zunächst angesehen hätten, wie es läuft. Die hätten nach dem ersten Testtag zu Hause gesagt „Ich will auch!“ und seien dann mit der Einverständniserklärung wiedergekommen.
„Die Kinder machen das ganz toll“, lobt auch Verena Brunner, die Leiterin der Grundschule Kallstadt. Die Kinder seien von zu Hause schon gut vorbereitet gewesen und super informiert. Ungefähr zwei Drittel der Kinder habe eine Einverständniserklärung gebracht. Brunner kann verstehen, dass vor allem Eltern jüngerer Kinder ein Test zu Hause lieber wäre. „Wir versuchen damit umzugehen, haben das ausführlich mit den Kindern besprochen“, sagt die erfahrene Pädagogin. Manche Kollegin mache ihren Selbsttest gemeinsam mit den Kindern. Natürlich ginge durch den Test Zeit verloren, Brunner schätzt das auf eine Unterrichtsstunde pro Woche. Für ein stabiles Gesamtbild sei es aber wichtig, dass viele teilnehmen.