Bad Dürkheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmer müssen eine Nummer ziehen

Die Liegewiese im Salinarium ist in Parzellen aufgeteilt.
Die Liegewiese im Salinarium ist in Parzellen aufgeteilt.

Am Mittwoch öffnet das Freibad des Salinariums, am Samstag das Bad in Wachenheim. Die genauen Auflagen des Landes kannten die Betreiber am Montag noch nicht. Über Konzepten wurde vor Ort seit Tagen gebrütet. Eins ist klar: An eine normale Badesaison ist überhaupt nicht zu denken.

Maximal 150 Personen sollen sich im Salinarium zeitgleich aufhalten. Das sieht neben Reinigungs- und Abstandsregelungen der Pandemie-Plan des Bades vor, der laut Betriebsleiter Peter Schneider vom Gesundheitsamt des Landkreises mit einem „Sehr gut“ bewertet worden ist. „Ob alles auch so bleibt, müssen wir sehen“, sagte Schneider am Montag. Denn vom Land gab es noch keine offizielle Bekanntmachung der einzelnen Regeln. Der Plan des Salinariums wie auch der für das Freibad in Wachenheim basieren auf einem Konzept der Gesellschaft für das Bäderwesen, also dem Verband, der die Schwimmbäder in Deutschland vertritt.

Der Einlass wird für das Salinarium wohl zur Herkulesaufgabe. Weil man bewusst auf Online-Reservierungen verzichten wollte, muss das Salinarium-Team die Warteschlange steuern. „Es gibt einen Wartebereich, der am Bürgersteig mit eingezeichneten Markierungen endet. Diejenigen, die sich nicht mehr dort aufstellen können, weil der Bereich voll ist, müssen wieder auf den Parkplatz und im Auto warten“, erklärt Schneider. Denn es sei zu vermeiden, dass sich lange Schlangen über den Wurstmarktplatz ziehen. Vorher gibt es für die Wartenden noch eine Nummer. Auf Hinweistafeln soll dann die Nummer hochgehalten werden, die sich als nächstes in die Schlange einreihen kann. Vor dem Eintritt müssen die Gäste in Bad Dürkheim und Wachenheim ihre Personalien hinterlegen.

Kein Schichtbetrieb wie in Wachenheim

Während es im Wachenheimer Bad einen Schichtwechsel geben soll, ist dies für das Salinarium zunächst nicht vorgesehen. Das heißt, wer erst einmal drinnen ist, darf theoretisch auch bis zur Schließung um 19 Uhr bleiben. „Wir müssen sehen, wie wir das umsetzen können, wenn die Temperaturen auf 30 Grad steigen“, erläutert Schneider und fügt hinzu. „Wenn wir feststellen, dass bis 10 Uhr schon 150 Leute drin sind, die bis abends auch bleiben, müssen wir reagieren und wenigstens in zwei Besucherblöcken arbeiten.“ Auch eine Verlängerung der Öffnungszeit sei dann möglich.

Die Zahl 150 bezieht sich laut Schneider sich auf die Größe des Schwimmbeckens und der auch dort geltenden Abstandswahrung. Da sich darin nicht alle gleichzeitig aufhalten, sei auch hier noch ein Nachsteuern möglich. „Wir brauchen Erfahrungswerte und wollen zunächst vorsichtig sein.“ Außerdem komme es stark auf das Verhalten der Badegäste an: „Wir können nur appellieren, dass alle sich an die Regeln halten“, so der Betriebsleiter. Einzelne Bahnen sollen im Schwimmerbecken nicht abgetrennt werden. Dafür sind aber auf der Liegewiese Parzellen abgesteckt.

Reduzierte Tagestickets

Weil das Hallenbad auf jeden Fall bis 10. Juni geschlossen bleiben muss, sollen die Preise für ein Tagesticket reduziert werden. Auf welche Höhe konnte Schneider noch nicht sagen. Dies müsse der Aufsichtsrat spätestens am Dienstag noch absegnen. Saisonkarten für das Freibad wird es in diesem Jahr nicht geben. Weil das Bad vor Ende der Wintersaison am 17. März schließen musste, gelten aber die verkauften „alten“ Halbjahreskarten noch für weitere 28 Tage.

Schneider erwartet keine erhöhten Personalkosten. „Wir verteilen die Leute nur anders.“ Statt in der Sauna soll das Personal die Gäste durch das Bad lotsen und die Einhaltung der Abstandsregeln überwachen. Auch ein Teil des Gastro-Personals steht dafür zur Verfügung, denn das Angebot der Cafeteria wird reduziert, da es keine Sitzplätze – weder drinnen noch draußen – geben wird. Brezeln, Brötchen, Pommes oder Eis dürfen die Gäste auf der Liegewiese verspeisen.

Saisonkarten in Wachenheim

In Wachenheim warteten am Montag auch Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel und der Leiter der Stadtwerke, Dieter Panzer, auf die endgültigen Kriterien, unter denen Schwimmen im Freibad in diesem Sommer in Rheinland-Pfalz erlaubt sein wird. Ein Konzept gibt es aber auch in Wachenheim. Nach der Größe des Mehrzweckbeckens dürften sich dort maximal 65 Personen aufhalten, hinzu kommen neun Kinder im separaten Kleinbecken. In Wachenheim kalkuliert man aber noch die Liegewiese mit ein. Deshalb ist hier das Ziel, maximal 150 Gäste in einem Schichtbetrieb einzulassen. Wobei am Wochenende zwischen 9.30 und 19.30 Uhr alle drei Stunden das Bad geleert werden soll, unter der Woche alle zwei Stunden, wie Panzer erläutert. Dazwischen sollen innerhalb von 30 Minuten das Bad und die Sanitäranlagen gereinigt werden. Ein Vorentwurf, so Panzer, sei bereits mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Am Verkauf der günstigen Saisonkarten wolle man festhalten, das Interesse sei dafür auch bereits vorhanden.

Bechtel kritisierte, dass das Land mit der Ankündigung, dass die Freibäder ab 27. Mai wieder öffnen dürfen, erst Druck erzeugt, die Kommunen danach aber „komplett allein gelassen habe“. Außerdem müssten die Konzepte auch so formuliert sein, dass man sie auch erfüllen könne. „Wenn ich aber lese, dass kranken Gästen der Zutritt zu verwehren ist, frage ich mich schon, wie ich das herausfinden soll?“, so Bechtel, der auch Bedenken hat , wenn der Hochsommer beginnt. „So lange es nicht jeden Tag 35 Grad sind, kriegen wir den Badebetrieb hin.“

Einwurf: Ein Witz

Trotz Lockerungen gibt es im Landkreis seit Tagen keine Neuinfektionen. Virologen verkünden, dass die Ansteckung über Aerosole in geschlossenen Räumen das Problem ist. Und trotzdem: Die Freibäder müssen strenge Maßnahmen umsetzen, die immer mehr Menschen als nicht mehr verhältnismäßig ansehen. Warum lässt man denn die Familien, die im Sommer daheim bleiben wollen, sich nicht wenigstens im Freibad entspannen? Die nächste Viruswelle im Herbst kommt wohl sowieso.

150 Gäste sind für das Salinarium, in dem sich im Sommer sonst mehrere tausend Gäste aufhalten, ein Witz. Da könnte man es genauso gut geschlossen lassen. Die meisten werden es erst gar nicht versuchen, sich in die Schlange zu stellen.

Am Beckenrand soll weniger Platz zum Sitzen sein.
Am Beckenrand soll weniger Platz zum Sitzen sein.
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