Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Schwieriges Jahr für Weinbau

Unbehandelter falscher Mehltau an Merlot-Trauben: Die Beeren trocknen zum Teil völlig aus.
Unbehandelter falscher Mehltau an Merlot-Trauben: Die Beeren trocknen zum Teil völlig aus.

Hatten die Winzer in den vergangenen Jahren eher mit großer Trockenheit zu kämpfen, müssen sie nun etwas gegen die Folgen feuchter Witterung tun. Gerade im Bio-Weinbau sind Mittel gegen Pilzerkrankungen schwierig einzusetzen.

Ein Blattbefall lässt sich bei Peronospora (falscher Mehltau) durch Aufhellungen an der Blattoberseite erkennen, dann erscheinen die Blattunterseiten wie mit Mehl bestäubt. Im späteren Verlauf sterben die Befallsstellen ab, wodurch die Photosynthese und damit auch die Zuckereinlagerung in die Beeren deutlich reduziert wird. Sowohl echter als auch falscher Mehltau können im Weinbau hohe wirtschaftliche Schäden verursachen.

Schon sehr lange werden kupferhaltige Zubereitungen im Weinbau gegen Pilbefall eingesetzt. Im ökologischen Weinbau sind Kupfer und Schwefel zugelassen. In dem ökologisch wirtschaftenden Weingut Pflüger in Bad Dürkheim ist Mehltau aktuell ein echtes Problem und führt in diesem Jahr absehbar zu Verlusten, bestätigt die stellvertretende Betriebsleiterin Ina Schwarzenbach. Je nach Lage der Reben – am Hang trocknen die Rebstöcke schneller ab als in flachen Lagen – ist der Befall unterschiedlich. Auch auf die Rebsorte komme es an, es gibt anfälligere und weniger anfällige Rebsorten, so die Betriebsleiterin. Das Problem bei der Bekämpfung des Mehltaus sei, dass die im Öko-Weinbau erlaubten Mittel mit Kupfer und Schwefel nicht systemisch wirkten, sagt Schwarzenbach, will heißen sie dringen nicht in die Pflanze ein, sondern wirken durch den Kontakt mit der Blattoberfläche. Das heißt aber auch: Wenn das Mittel ausgebracht ist und der nächste Regenguss folgt wenig später, wird es abgewaschen oder zumindest verwässert und wirkt nicht mehr. Habe man in den trockenen Jahren eher geschaut, dass man wegen der notwendigen Beschattung der Trauben nicht so viele Blätter wegnimmt, halten viele Blätter in diesem Jahr die Feuchtigkeit unnötig lange fest, erläutert Schwarzenbach.

Winzer vor enormen Herausforderungen

Im Bioweingut Eymann in Gönnheim gibt es laut Ingeborg Eymann ebenfalls Probleme mit echtem und falschem Mehltau. Man müsse sehen, die Probleme damit „im Griff zu behalten“, jedoch sind die Eymann'schen Weinberge auch noch erheblich vom Hagel am 29. Juni beschädigt worden. Deshalb müsse man mit Ernteausfällen rechnen. Der Hagel, erzählt Eymann, war so heftig, dass auch das Holz, die Ruten der Rebstöcke, Schäden davongetragen haben. Die Ruten könnten dadurch leicht brechen und so seien negative Folgen für das nächste Jahr bereits vorprogrammiert. War man im vorigen Jahr öfter im Zweifel, ob man die bienenfreundliche, üppige Begrünung, die den Bodenlebewesen als Lebensgrundlage dienen, in den Zeilen liegen lassen kann, wenn die Weinstöcke „am Verdursten“ sind, hat die Begrünung in diesem Jahr geholfen, dass aufgeweichte Böden bei der Pflege der Wingert „kein Thema“ waren, sagt Eymann.

Als „großes Problem“ in diesem Jahr bezeichnet Winzer Jürgen Zimmermann den Pilzbefall der Reben. „Pilze lieben es feucht und warm, und das haben wir dieses Jahr reichlich“, konstatiert der Wachenheimer. Zimmermann ist dabei, seinen Betrieb auf ökologischen Weinbau umzustellen. Er empfindet die diesjährigen Bedingungen dabei als „enorme Herausforderung.“ Mit der Befahrbarkeit der aufgeweichten Böden im Wingert ist er allerdings ganz gut zurecht gekommen, hier hat „ein Tag nach dem Regen warten“ sowie eine gute Begrünung geholfen. Für das Spritzen mit Kupfer und Schwefel eine Regenlücke zu finden, um auch die Wirksamkeit zu gewährleisten, sei nicht immer einfach gewesen. Mit konventionellen, systemischen Mitteln gegen Mehltau sei er besser zurecht gekommen, gibt er zu. Ihm gedenke allerdings kaum ein so schwieriges Jahr wie 2021. Die nächsten sechs, acht Wochen bis zur Weinlese hält Zimmermann für entscheidend. Berapple sich der Sommer noch ein bisschen, kann 2021 seiner Ansicht nach „ein richtig guter Jahrgang“ werden.

Mitte September könnte die Lese beginnen

Es habe zwar viel Feuchtigkeit in diesem Sommer gegeben, das Wetter derzeit könne den Reifestau aber bis in den Herbst etwas kompensieren, stellt Seniorchef Willi Simon vom Weingut Kassner-Simon in Freinsheim fest. Der Pflanzenschutz gegen den Pilzbefall sei eine gewisse Zeit ganz schön schwierig gewesen, es habe nur kurze Intervalle gegeben, in denen man überhaupt habe spritzen können. Die Mittel im konventionellen Weinbau wirken laut Simon drei bis vier Wochen. Bei ihnen im Weingut seien überwiegend die Blätter der Rebstöcke befallen gewesen, die Trauben weniger. In ihrer Reifeentwicklung seien die Trauben etwa zwei bis drei Wochen verglichen mit den Vorjahren zurück, aber das mache nichts, man müsse nicht unbedingt bei 30 Grad im August lesen. Er schätzt, dass die Lese Mitte September beginnt.

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