Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schweinepest: Wie sich der Kreis rüstet

Die Afrikanische Schweinepest ist für ein Wildschwein fast immer tödlich. Eine Impfung gegen das Virus gibt es noch nicht.
Die Afrikanische Schweinepest ist für ein Wildschwein fast immer tödlich. Eine Impfung gegen das Virus gibt es noch nicht.

Noch hat die Afrikanische Schweinepest den Landkreis Bad Dürkheim nicht erreicht. Doch schon jetzt bereiten sich Jäger und Kreisverwaltung auf den Ernstfall vor. Bei einem Treffen im Dürkheimer Weingut Zumstein ging es um die Frage, was auf die Region zukommen könnte.

Was ist die Afrikanische Schweinepest?
Die Schweinepest ist eine für Schweine fast immer tödlich verlaufende Viruserkrankung. Für den Menschen und andere Tierarten ist die Krankheit ungefährlich. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist es für Menschen nicht gefährlich, Wildschweinfleisch zu essen, auch wenn es infiziert sein sollte. Übertragen wird die Krankheit oft von Tier zu Tier. Neben deren Wanderbewegungen spielt aber vor allem der Mensch eine große Rolle bei der Verbreitung der Krankheit. Denn das Virus kann auch über verunreinigte Kleidung oder weggeworfene Lebensmittel weitergegeben werden.

Warum ist die Schweinepest ein Problem?
Neben dem Tierleid kann es zu hohen ökonomischen Schäden in der Landwirtschaft kommen.

Ist die Schweinepest in der Region angekommen?
Seit 2014 gibt es die Schweinepest in Europa. Seit 2020 ist sie in Deutschland nachgewiesen, seit einigen Wochen sind in Hessen und Rheinland-Pfalz – in unmittelbarer Nähe zur Pfalz – Fälle aufgetreten. Im Kreis Bad Dürkheim gibt es derzeit noch keinen Nachweis. Teile des Landkreises liegen nach dem Ausbruch im Landkreis Alzey-Worms allerdings in einer sogenannten Pufferzone. Betroffen sind Teile von Bockenheim, Obrigheim, Kindenheim und Dirmstein. Eine Pufferzone grenzt an betroffene Gebiete, in dieser sind aber noch keine Fälle von Schweinepest nachgewiesen worden. Welche Maßnahmen in dieser Zone getroffen werden müssen, steht laut Kreis noch nicht fest. Derzeit hat die Einrichtung dieser Zone keine Auswirkungen.

Was macht der Kreis präventiv?
Es gibt laut Aussage der Amtstierärztinnen des Kreises, die sich am Dienstagabend mit Jägern aus dem Kreis im Dürkheimer Weingut Zumstein getroffen hatten, eine Sachverständigengruppe mit Experten, die nun regelmäßig tagt.

Müssen derzeit alle toten Schweine auf Schweinepest untersucht werden?
Nein. Es gelten für Jäger die seit einigen Jahren gängigen Regeln. So müssen beispielsweise bei allen verendet aufgefundenen oder krank erlegten Tieren, bei Unfallwild oder bei Tieren mit Verhaltensauffälligkeiten Proben entnommen werden. Auffällig ist es für den Jäger beispielsweise, wenn das Tier abgemagert ist oder sich untypisch verhält. Ebenso sind laut Kreis die normalen Hygienemaßnahmen für Jäger sinnvoll.

Was mache ich, wenn ich ein totes Wildschwein finde?
Es ist wichtig, den Fund eines toten Wildschweins an die Polizei oder an den Jagdpächter zu melden. Wer ein Tier findet, sollte es nicht anfassen und auch den Hund nicht daran lassen – auch wenn das Virus für sie nicht gefährlich ist. Beim Treffen am Dienstag war auch Michael Back dabei, der Kadaverspürhunde ausbildet. Er berichtete, dass die Hunde das Virus beispielsweise mit ihrer Nase weitergeben können. Deswegen sei es sinnvoll, den Hund zu Hause mit Hundeshampoo zu waschen. Generell ist es sinnvoll, den eigenen Hund von toten Schweinen fernzuhalten – denn andere Schweinekrankheiten können für Hunde gefährlich sein.

Was passiert, wenn die Schweinepest im Landkreis nachgewiesen wird?
Wenn die Schweinepest ausbricht, werden verschiedene Zonen eingerichtet. Es gibt eine infizierte Zone, eine Sperrzone und die Pufferzone. Wie groß diese Gebiete ausfallen werden, hängt neben den örtlichen Gegebenheiten auch von den epidemiologischen Erkenntnissen ab. Pauschal lässt sich auch nicht sagen, was in den betroffenen Gebieten angeordnet wird. Möglich ist etwa eine Jagdruhe, um das Wild nicht weiter zu treiben. Auch Sammelstellen für Kadaver sind möglich. Elektrozäune kommen derzeit in einigen Gebieten zum Einsatz. Dies hängt aber auch immer von örtlichen Voraussetzungen ab.

Was können Jäger tun?
Jäger können helfen, indem sie jetzt die Augen offenhalten, Funde melden und Proben abgeben. Wenn die Seuche ausbricht, können sie bei der Kadaversuche helfen.

Auf was müssen sich Landwirte einstellen ?
Einschränkungen bei der Ernte sind möglich. In betroffenen Gebieten in Alzey-Worms waren beispielsweise vor der Ernte Drohnen im Einsatz. So berichtet es ein Jäger am Dienstag, der dort tätig ist. In seiner Heimat werde derzeit vorab geklärt, ob die Fläche frei ist. Er betonte auch, dass es in den verschiedenen Kreisen unterschiedlich gehandhabt wird. Die Amtstierärztinnen Mandy Sperlich und Regina Kerth haben am Dienstag erklärt, dass weder Betretungs- noch Bewirtschaftungsverbote im Interesse des Kreises seien. Ernteausfälle sollen vermieden werden. Sollte es dennoch dazu kommen, müsste die anordnende Gebietskörperschaft, also der Kreis, Ausgleichszahlungen tätigen.

Wenn es zum Ausbruch kommt: Wie wird die Öffentlichkeit informiert?
Der Kreis hat angekündigt, sich bei einem Ausbruch aktiv an die Presse zu wenden. Jagdpächter sollen sofort informiert werden.

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