Bad Dürkheim Schonungslos einfühlsam
Regisseur Olivier Hansz von der elsässischen Produktionsfirma Synovie ließ sich am Samstagabend nicht davon stören, dass sich lediglich 20 Filmbegeisterte anlässlich seines Besuchs und der Präsentation seiner Kurzfilme in der Lutherischen Kirche in Wachenheim eingefunden hatten. „Grund sich zu ärgern haben nur die, die gerne gute Filme sehen und nicht da sind“, sagte ein Zuschauer schmunzelnd in einer kurzen Pause.
Hansz zeigte beim französischen Filmfestival, präsentiert vom Freundschaftskreis Wachenheim – Cuisery, Ausschnitte seiner Werke, die den Zeitgeist treffen. Mit Fingerspitzengefühl, großem Verständnis für menschliches Handeln und Emotionen verleiht der Regisseur seinen selbstgeschriebenen Stücken brillanten Botschaften. „Jede Sekunde in einem siebenminütigen Film ist bedeutungsträchtig“, meinte eine Zuschauerin bewundernd. Sie sei begeistert von der Begabung des jungen elsässischen Regisseurs, seine Kurzfilme so zu gestalten, dass sie seinen Zuschauern in Fleisch und Blut übergehen. Vier Filme liefen über die Leinwand. Gut versorgt mit Käsetellern und Getränken, genossen die Kinofans nicht nur dem Titel des Festivals nach „Französische Delikatessen“. Mit seinem 45 Minuten dauernden Werk „Lauf!“ stand dem Publikum die schwerste Kost des Abends bevor. Der Film zum Thema Rassismus ist zweifelsohne direkt; zeigt schonungslos die kalte und harte Realität, die auch heute allgegenwärtig ist. Nach einem Selbstmordversuch trifft der Protagonist Vincent einen jungen Neonazi: Johann, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Vincent wendet sich seiner dunklen Seite zu und projiziert seinen Selbsthass auf „die anderen“: arabisch, jüdisch, schwarz. Seine Gewaltbereitschaft kennt keine Grenzen. Bis der Punkt, der kein Zurück kennt, erreicht ist. Schonungslos ist Hanszs Darstellungsweise. Einfühlsam die Art, wie er Sprache, Bilder und Musik verbindet. Auch der zweite Film, „Les Beaux Jours“ trägt Schwere und Betroffenheit zum kleinen Zuschauerkreis. Doch trotz der Offenheit, mit der Hansz und Mathieu Winckel die oft bedrückenden Szenen des Seniorenheims „Les Beaux Jours“ zeigen, gelingt es ihnen, Szenen voller schwarzen Humors gekonnt zu kombinieren. Nicht zuletzt scheint der Film hier von der Besetzung der Hauptfiguren Rachid und Gérard zu profitieren. Sid Ahmed Agoumi beherrscht eine Mimik von grenzenlosem Ausdruck, sein und Christian Furlanis trockenes und nüchternes Schauspiel ergänzen sich perfekt. Echt starke Typen – so wie das Thema des Abends es verspricht. Der Stoff, der eigens für eine Serie geplant war, ergibt einen 26-minütigen Kurzfilm, beschreibt das Thema Demenz zwar nicht tiefgründig, doch lässt tief in den Umgang unserer Gesellschaft damit blicken. Zwei weitere Filme, „Brochettes“, eine schwarze Komödie (knapp sieben Minuten lang) sowie ein Western für Kinder ohne Dialoge (siebeneinhalb Minuten) konnten ebenfalls begeistern. Organisator Klaus Weber hatte anlässlich der positiven Stimmung während der Vorführung ebenfalls gute Laune. „Das ist normal, dass heute weniger los ist, viele mögen keine fremdsprachigen Filme mit englischen Untertiteln oder verstehen sie eben nicht.“ In seinen Schluss- und Dankesworten an Hansz findet sich bereits ein Versprechen für die Zukunft: In Wachenheim werde man sicher wieder etwas von ihm sehen, vielleicht, wenn die erste Serie produziert ist. |lso