Bad Dürkheim / Wachenheim
Schönheitsschlaf beendet: Kosmetikstudios dürfen wieder öffnen
„Ich hatte in den letzten sechs Monaten gut zwei bis drei Wochen geöffnet“, sagt Michaela Räch. Die 33-Jährige betreibt seit sechs Jahren das Studio Kosmetik am Königswingert in Wachenheim. Normalerweise bekommen ihre Kunden dort ein rundum Verwöhnprogramm – jetzt hat sie es auf Massagen und Gesichtsbehandlungen beschränkt. Denn regelmäßige Behandlungen wie Wimpernverlängerungen kann sie nicht garantieren. „Es ist schwer, schließlich kann keiner so genau sagen, wie lange ich öffnen darf.“ Während der Schließung habe sie sich mit dem Verkauf von Produkten und Gutscheinen über Wasser gehalten. Außerdem bietet sie ihren Kunden Beratung bei Hautproblemen an – kontaktlos über Videotelefonie. „Mittlerweile habe ich tolle Stammkunden, die mich unterstützen und bereit sind, alle Maßnahmen ohne Murren mitzumachen“, sagt sie stolz.
Ihre laufende Kosten würden durch die staatlichen Hilfen gedeckt. „Finanzielle Einbußen sind zwar da, die Hilfen haben es aber abgefedert. Ich bin froh, dass ich das Geschäft schon eine Zeit führe und Anspruch darauf habe.“
„Kann Hygiene kontrollieren“
„Ich habe vom Staat 240 Euro bekommen. Doch das reicht leider nicht“, sagt Tiina Heinikka. Die gebürtige Finnin betreibt seit 2018 das Studio „Sweetly Hairless“, das sich auf die Haarentfernung mit einer bestimmten Zuckerpaste spezialisiert hat. Sie hat sich während der Notbremse mit dem Verkauf von diversen Produkten und Online-Schulungen über Wasser gehalten.
„Aktuell ist die Lage sehr schwierig. Auch finanziell“, erklärt Robina Zulfiqar, Inhaberin des Kosmetikstudios „Beauty Secrets“ in Bad Dürkheim. Da sie das Geschäft erst seit gut einem Jahr betreibe, habe sie keine Ansprüche auf die finanziellen Hilfsleistungen vom Staat. Sie bietet ihren Kunden normalerweise ein ganzheitliches Programm an, das auf Krankheiten eingehen und sie heilen soll – von Gesichtsbehandlung bis Schröpfmassagen. In den vergangenen Monaten durfte sie jedoch nur noch die medizinische Fußpflege anbieten.
„Ausgelastet sind wir nicht. Und zum Überleben reicht es eigentlich auch nicht. Aber wir haben Hoffnung, dass auch durch die Beschlüsse zur Impfung bald die Wende kommt“, sagt die Fachkosmetikerin. Für die Öffnung ab Samstag seien das Team und das Geschäft vorbereitet. „Da wir mit einem pharmazeutischen Hersteller arbeiten, können Kunden bei uns vor der Behandlung einen zertifizierten Test durchführen lassen, der dann auch in anderen Geschäften gültig ist“, sagt Zulfiqar. Außerdem sei ein ausgeklügeltes Hygienesystem im Studio installiert worden, inklusive Sterilisator. „Wir wollen unseren Kunden alles bieten, aber viele sind verunsichert. Diese Angst kann ich ihnen zwar nicht nehmen, aber das beste versuchen.“
Was Zulfiqar besonders ärgert: das Gefühl, dass gerade in der Politik nicht richtig zum Thema Kosmetik recherchiert worden sei. Mit dieser Meinung ist die 37-Jährige nicht allein. Auch Tiina Heinikka kann nicht verstehen, wieso sie nicht praktizieren konnte. „Schließlich arbeite ich hauptsächlich an den Beinen und im Bikini-Bereich. Ich kann die Hygiene wunderbar kontrollieren, regelmäßig lüften. Es ist einfach ärgerlich. Besonders, weil Friseure ja dauerhaft arbeiten durften.“
Viele Kunden verloren
Durch die Schließung habe sie viele Kundinnen verloren, und es sei nicht leicht, neue zu finden. „Beim Sugaring ist es wichtig, regelmäßig zu kommen, sonst stellt sich kein Erfolg ein. Momentan weiß ich ja aber nicht, ob eine regelmäßige Öffnung überhaupt möglich ist. Das lässt auch die Kunden ausbleiben“, sagt die 53-Jährige. Es bleibe nur, das beste zu hoffen und vorbereitet zu sein.
Auch Michaela Räch will sich für die Öffnung ab Samstag voll und ganz auf das Hygienekonzept konzentrieren. „In der Kosmetik wurde ja immer schon penibel desinfiziert. Jetzt achte ich aber verschärft auf die Auflagen wie Tests und die AHA-Regeln. Damit ich meine Kunden und auch mich selbst schütze.“ Schließlich solle Kosmetik ja entspannen und nicht unnötig stressen.
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