Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Saisonauftakt der Wachenheimer Serenade mit „Saxofon unerhört“ in der Ludwigskapelle

Hochkarätige Bestzung: Paul Rivinus am Klavier und Christian Segmehl am Saxofon. Der Vorsitzende des Kulturvereins, Martin Pfeif
Hochkarätige Bestzung: Paul Rivinus am Klavier und Christian Segmehl am Saxofon. Der Vorsitzende des Kulturvereins, Martin Pfeiffer (ganz links), war für das Blättern des Notenhefts zuständig.

Ein volles Haus bescherte dem Saisonauftakt der Wachenheimer Serenade am Samstagabend das außergewöhnliche Miteinander von Saxofon und Klavier in der Ludwigskapelle. Die Besetzung von „Saxofon unerhört“ mit Christian Segmehl am Saxofon und Paul Rivinius am Flügel war hochkarätig.

„Es ist das erste Konzert in der Ludwigskapelle seit Corona, das wieder ausverkauft ist“, konnte Eckhard Hilgemann, Vorsitzender des Freundeskreises Wachenheimer Serenade, erfreut berichten. Als Veranstalter hatte er mit seiner Wahl einen guten Griff getan. Beide Künstler waren bereits in der Pfalz zu hören: Christian Segmehl aus Biberach an der Riss habe sogar schon in Wachenheim gastiert, der gebürtige Saarländer Paul Rivinius spielte schon in Freinsheim und Neustadt.

Klangfülle eines Instruments

Für die Wachenheimer Serenade hatten die beiden ein Programm zusammengestellt, das die Literatur für Saxofon von der Erfindung des Instruments bis heute umfasst. So setzten sie folgerichtig die „Fantaisie sur un thème original“ des 1833 nahe der französisch-belgischen Grenze geborenen Jules Demersseman. Als Komponist hat sich dieser eher für Flötenstücke einen Namen gemacht, doch er lernte auch das 1840 von Adolphe Sax im belgischen Dinan erfundene Saxofon schätzen und schrieb dieses Stück gleichsam als Werbung für das Instrument und dafür, welche Klangfülle und musikalischen Möglichkeiten es entfalten kann.

Klavier als gleichberechtigter Partner

Das begeisterte auch das Publikum, vor allem, weil das Saxofon in erster Linie immer noch mit dem Jazz verbunden wird. Die Fantaisie ist damit auch eine praktische Einführung in die Bandbreite des Instruments, sofern es so meisterlich gespielt wird wie von Christian Segmehl. Von Anfang an zeigte sich aber auch das Klavier mit Paul Rivinius als gleichberechtigter Partner. Noch sehr ruhig klang da die Melodie, wurde aber schon bald von rasant aufeinander folgenden Tönen durcheinander gewirbelt. Tief vibrierende Töne wechselten sich mit ganz fein gespielten hohen ab, volksliedhaft schlichte Phasen mit Passagen von höchster technischer Raffinesse.

Erster Satz endet mit Hai-Attacke

Sehr hohe technische Anforderungen stellte auch das 1950 für das Conservatoire de Paris entstandene „Prélude, Cadence et Finale“ von Alfred Desenclos mit Tonfolgen in atemberaubender Geschwindigkeit. Für kurze Atempausen sorgten dabei Soli des Klaviers. Das jüngste Werk an diesem Abend war „The Singing Fish“ der 1991 geborenen britischen Komponistin Lucy Armstrong. „Inspiriert dazu hat sie das gleichnamige Bild von Joan Miró“, erläuterte Christian Segmehl. Erst vor kurzem sei er auf das Stück aufmerksam geworden. Der erste Satz, der das Leben im Meer beschreibt, endet mit eine Hai-Attacke. Langsam gleitende Töne malten Bilder von sich sorglos tummelnden Fischen, bis dumpfe Klänge des Klaviers und ein Aufschrei des Saxofons dem ein jähes Ende bereiteten.

Jazzclub in Wachenheim

Der zweite Satz, „The wailing fish“, entsprach einer herzbewegenden Klage, die erst die leichtere melodische Begleitung durch das Klavier auflöste. Im Publikum war es inzwischen ganz still geworden. Bis mit unbändiger Lebensfreude der dritte Satz einsetzte, „The singing fish“, eine farbenfrohe Malerei in Tönen. Dunklere Töne herrschten hingegen in „Black & Blue“ von Barry Cockroft. Christian Segmehl entführte seine Zuhörer damit „in den coolsten Jazzclub Wachenheims“: 25 Stufen führen hinab in die Düsternis, es riecht nach Zigaretten und Whisky. Eine kleine Bigband ist zu hören, ein leises Schlagzeugsolo, ein Saxofon. Die kleine Geschichte erzählte er zunächst mit Worten, dann allein mit dem Instrument. Das Tappen der Schuhsohle gab den Rhythmus vor, das Drücken der Tasten ohne Atemzufuhr die Drums.

Vergleichbar mit dem „Hummelflug“

Kürzere Stücke bestimmten den zweiten Teil des Abends. In einer „Tango Suite“ von Astor Piazolla erklang eine faszinierende Version des „Libertango“. Paul Desmonds „Take Five“ entführte mit seinem rollenden Rhythmus in die Welt des Jazz, bevor das Saxofon einen Pianopart übernahm, denn Darius Milhauds „Scaramouche“ wurde 1957 für zwei Klaviere geschrieben. Von der Geschwindigkeit her ist das Stück eingangs durchaus mit dem „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow zu vergleichen.

Teufelsragtime zum Abschluss

Zuvor aber ging es bei einer „Witch Hunt“ von Ulrich Schultheiss, einem Freund des Duos im Münsterland, hoch her. Die ersten Takte des Klaviers mochten noch an einen Holzschuhtanz erinnern, doch dann setzte eine wilde Jagd ein, die musikalisch allerdings eher an ein übermütiges Kinderspiel denn an bedrohliches Hexentreiben erinnerte. Als Zugabe und um den Zuhörern vor dem kalten Nachhauseweg noch einmal kräftig einzuheizen, setzte das Duo einen Teufelsragtime oben drauf. Wie schon die Hexenjagd hat das Stück nichts Diabolisches. Es erinnert eher an kleine Teufelchen, die in Champagnerlaune so spritzig wie die Perlen im Sektglas gute Stimmung verbreiten. Dafür gab es neben einem Extra-Applaus auch begeisterte Beifallsrufe.

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