Alltagshelden RHEINPFALZ Plus Artikel Sabine Neu: Betreuerin im Wachenheimer Bürgerspital

Sabine Neu ist froh um ihr Team: Wenn ihr die Schicksale der Menschen nahe gehen,spricht sie mit ihren Kollegen darüber.
Sabine Neu ist froh um ihr Team: Wenn ihr die Schicksale der Menschen nahe gehen,spricht sie mit ihren Kollegen darüber.

Das Leben hat sich verändert im Bürgerspital Wachenheim. Eingeschränkte Besuche, keine größeren Veranstaltungen, keine Ausflüge, der Gottesdienst wird in den Wohnbereichen abgehalten. Den Glanz in den Augen der Bewohner sieht Sabine Neu trotzdem immer wieder – und das motiviert.

Seit neun Jahren arbeitet Sabine Neu im Bürgerspital und betreut dort die Bewohner. Alltagsbegleitung und Beschäftigung heißen die beiden Abteilungen, die hier zusammenarbeiten. Neu organisiert Gesprächsrunden, Sing-Kreise, Rätsel- und Gedankenspiele, Waffeln backen – viele kleine Veranstaltungen im Haus. Trotz Corona ist das noch möglich, nur eben abgespeckt. „Wir machen die Treffen auf den einzelnen Etagen, damit sich die Bewohner nicht zu sehr mischen“, erklärt Neu. Das Frühlingsfest, die Maifeier, das Fest zum Muttertag – statt einer großen Feier gab es kleine Feiern auf den Etagen. Anderes fällt derzeit komplett weg: „Normalerweise machen wir zwei bis drei Ausflüge im Monat. Ins Museum, in den Tierpark, zum Wurstmarkt oder Mandelblütenfest. Das ist momentan natürlich nicht denkbar.“

Treffen per Skype oder Facetime

Selbst der Gottesdienst ist anders: Normalerweise finde er einmal pro Woche im Andachtsraum für alle Bewohner statt. Nun besuche die Pfarrerin die drei Bereiche einzeln. „Das alles zu organisieren ist ein Riesenaufwand. Das geht nur, weil es in unserem Team gut funktioniert“, so Neu. Das Personal mache derzeit viele Überstunden. „Aber man macht es gerne. Wir wollen die sozialen Kontakte so gut wie möglich aufrecht erhalten.“ Daher biete das Team seit Beginn der Krise Anrufe per Skype oder Facetime an – was erstaunlich gut angenommen werde.

Seit Kurzem sind auch Besuche von einer angehörigen Person pro Bewohner erlaubt. Um die Hygieneauflagen einhalten zu können, dürfen diese aber nur in zwei gesonderten Besuchsräumen stattfinden. „Wir müssen auf die Hygienevorschriften achten: Nach den Treffen lüften, alles desinfizieren. Das geht nur in diesen Räumen“.

„Sie machen mehr untereinander“

Das führe zu langen Wartezeiten. Denn die Angehörigen besuchen möchten derzeit viele. „Wenn Sie jetzt anrufen, müssen Sie mit 14 Tagen Wartezeit rechnen. Das ist schon hart für alle Seiten. Aber die Leute freuen sich und haben auch Verständnis.“ Und ein paar positive Nebeneffekte haben die Veränderungen: Neu habe gemerkt, dass sich unter den Bewohnern kleine Gruppen bilden, die gemeinsam zum Beispiel regelmäßig Mensch ärgere dich nicht spielen. „Die Leute machen mehr untereinander“, so Neu.

Dennoch sei die Situation schwierig. Einige hätten sie akzeptiert, anderen falle es schwerer. Das hänge auch damit zusammen, ob die Bewohner dement sind oder nicht. „Wir führen immer wieder Gespräche und gehen auf die Bewohner ein. Wir erklären alles und lesen die Tageszeitung vor, damit sie informiert sind und sich nicht abgehängt fühlen.“ Was sie für ihre tägliche Arbeit motiviert? „Die Bewohner. Nach Veranstaltungen lächeln sie und haben diesen Glanz in den Augen. Das ist einfach schön.“

Die Serie

Sie halten unsere Gesellschaft zusammen: Alltagshelden. Wir stellen Menschen vor, deren Arbeit unverzichtbar ist.
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