Bad Dürkheim Runder Geburtstag für „lustige Truppe“

Philipp Eckel (links) hat Spaß mit dem Chef Jan Hock. Auch Marc Lehmann und Michael Ühlein (rechts) sind im Wingert bei Wachenhe

Momentaufnahme: Seit 30 Jahren betreibt die Lebenshilfe Weinbau. Gefeiert wird am Wochenende, einmal im geschlossenen Kreis bei einer Weinprobe, einmal beim Frühlingsmarkt am Sonntag. Die Arbeit geht aber natürlich trotzdem weiter.

Die Sonne scheint auf den Wingert der Lage Böhlig in Wachenheim. Hier wächst ein Weißburgunder. Die Lebenshilfe-Mitarbeiter sind mit den Rebarbeiten beschäftigt. Die Stimmung ist gelöst. Jeder kümmert sich um seine Reihe, jeder macht die Arbeit in seinem Tempo. Sie seien relativ spät dran mit dem Rebschnitt, erklärt Chef Jan Hock. Das liegt aber nicht daran, dass sie wenig gearbeitet haben – im Gegenteil. Sie stehen auf einem eigenen Wingert. Und der musste auf die fleißigen Hände warten. Denn: Die Weinbau-Abteilung der Lebenshilfe arbeitet längst nicht nur auf eigenen Anbauflächen, sondern ist auch Dienstleister für andere Winzer. So sind die rund 33 betreuten Mitarbeiter auch in den Monaten gut beschäftigt, in denen es sonst nicht so viel zu tun gibt. Beim Rebschnitt könne jeder mithelfen, sagt Hock, außerdem werde durch die Arbeit für andere Weingüter eine Verbindung zum ersten Arbeitsmarkt hergestellt. Zuletzt sind dann die eigenen Rebstöcke an der Reihe. Hier ganz in der Nähe hatte unterhalb der Wachtenburg vor 30 Jahren alles angefangen. Damals wurden Gebiete unterhalb der Burg rekultiviert, weitere Flächen in den Anfangsjahren waren in Forst und Friedelsheim. Wenige Flächen waren es damals, heute sind es rund 22 Hektar, die die Lebenshilfe bewirtschaftet. Die meisten davon sind in Wachenheim und Friedelsheim zu finden. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter sind heute im Wachenheimer Weinberg zugange. Das andere Drittel kommt mit einem Bus hinterher und bindet die Reben an. Einer von den Rebschneidern ist heute Heiko Merz. Der Neustadter ist schon rund zehn Jahre beim Weinbau und strahlt, wenn er über seinen Arbeitsplatz spricht. Der Herbst sei natürlich der beste Teil im Arbeitsjahr, findet er. Aber auch Arbeiten wie der heutige Rebschnitt und das Anbringen von Pheromonen machten im Spaß. Weniger gut findet er das Spritzen. Danach müsse man immer sofort duschen, berichtet er. Sie seien eine „lustige Truppe“ mit Spaß an der Arbeit, findet Merz. Natürlich gebe es auch mal „Reibereien“. „Die Chefs sind cool“, sagt er über das Team aus sechs Winzern, das bei der Lebenshilfe für den Weinbau und die Betreuung der dazugehörigen Mitarbeiter angestellt ist. Zurzeit kommen noch drei junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, und ein Azubi dazu. Frauen sind in der Abteilung in der Unterzahl. Es gibt eine Winzerin und sechs betreute Mitarbeiterinnen. Rund 600.000 Euro Umsatz erwirtschaftet das Team jährlich. Rund 200.000 Flaschen Wein sind das, wobei der Riesling mit rund 40 Prozent den Großteil ausmacht. Wovon die Lebenshilfe hingegen nicht so viel hat, sind Dürkheimer Weinlagen. Weshalb auch die Idee vom Schubkarchstand auf dem Wurstmarkt mit eigenem Wein wahrscheinlich keine großen Chancen hat, so Hock. Auch mit dem Wunsch nach mehr Platz wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr, sagt Hock. Eigentlich war ein Ausbau ihres Betriebes geplant. Der Platzbedarf ist zwar noch da, zurzeit stünden aber zu viele andere Investitionen bei der Lebenshilfe auf dem Programm. Aber auch ohne den Anbau steht bei der Lebenshilfe-Weinbau-Abteilung einiges auf dem Jahresplan 2017. Das SWR3-Comedy-Festival zum Beispiel, wo die Lebenshilfe als Teil der Dürkheimer Spitzenwinzer vertreten sein wird. Dazu kommen das Stadtfest und natürlich die eigenen Veranstaltungen wie das Parkfest im Sommer. Davor gilt es noch unzählige Reben fit fürs Frühjahr zu machen. Es geht für den Trupp weiter – auf zum nächsten Wingert. Der Rebschnitt wartet nicht. Und um 16 Uhr müssen die Mitarbeiter wieder in der Lebenshilfe sein. Dann bringt sie der Bus nach Hause.

Heiko Merz ist seit zehn Jahren im Weinbau- Team.
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