Friedelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rosemarie Boudier und ihr Faible für „Handarbeit“

Rosemarie Boudier hat auch die Malerei für sich entdeckt.
Rosemarie Boudier hat auch die Malerei für sich entdeckt.

Rosemarie Boudier hat ein Faible „für alles, was man mit den Händen erschaffen kann“. Ob Töpfern, Schneidern, Schmuck und Gemälde, in verschiedenen Techniken und mit verschiedenen Materialien.

Auf all diesen Feldern ist die 80-jährige Friedelsheimerin bislang ungeheuer kreativ und produktiv gewesen. Sie singt außerdem seit 38 Jahren im Chor und war 21 Jahre lang ehrenamtlich beim Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche engagiert.

Gelernt hat Rosemarie Boudier zahnmedizinische Assistentin. Doch dann kamen ihre drei Kinder und sie gab ihren Beruf auf. Sie war mit ihrem Mann Jürgen, einem promovierten Chemiker aus dem Saarland – das saarländische Idiom ist in beider Sprache noch herauszuhören – in die Vorderpfalz gezogen, zuerst nach Bad Dürkheim. Später bauten die beiden ein Haus in Friedelsheim. Beim Hausbau kam auch wieder ihrer Hände Arbeit ins Spiel, sie machten nämlich viel selbst. Seinerzeit legte die Familienmutter den Garten an, ein hübsches Refugium vor der Tür, und sie pflegt ihn bis heute.

Mit dem Töpfern und Töpferkursen in der Grundschule fing anfangs der 1980er-Jahre alles an. Boudier gestaltete Füße für Stehlampen, bunte Fantasiegestalten, Tiere und individuelle Gefäße aus Ton. Batiken auf Seide war ein weiteres künstlerisches Betätigungsfeld, dem sich Rosemarie Boudier seinerzeit widmete. Sie batikte Seidentücher auf Bestellung oder auf Vorrat und verkaufte sie dann. Die Kunst der Seidenmalerei lernte sie bei Christel Keller in Clausthal-Zellerfeld. Als besonderen Höhepunkt ihrer künstlerischen Arbeit empfand die Friedelsheimerin eine Ausstellung ihrer gemalten Seidentücher in der Dürkheimer Spielbank im Jahr 1986.

Ihre Motive nahm und nimmt sie aus dem Alltag. In ihrem Haus hängt ein Seidenbild im Treppenhaus, auf dem sie in wunderschönen, warmen Farben ein traditionelles, orientalisches Teppichmuster aus einem Buch gemalt hat. Hier hängt auch ein Bild, Batik auf Seide, mit der Friedelsheimer Burg. Boudier verschönerte ganz individuell Kleidungsstücke mit ihrer Seidenmalerei.

In den 1990er-Jahren kam die Schmuckgestaltung auch noch zu ihrem Repertoire dazu. „Die Freiheit, mich mit dem, was mir gefiel, zu beschäftigen, habe ich mir immer genommen“, beschreibt Boudier, und meint die Zeit neben der Organisation und Versorgung der fünfköpfigen Familie. „Geerbt“ hat Rosemarie Boudier ihr künstlerisches Talent ihrer Meinung nach von ihrer Mutter, einer Modistin und Künstlerin „durch und durch“.

Die Friedelsheimerin hat für ihre vier Enkelkinder ein wunderschönes Seidentaufkleidchen genäht und ihre Namen und Geburtsdaten darauf gestickt. Ihre Tochter Anja habe ihre Seidenschals „immer voller Stolz“ getragen, viele Kleidungsstücke bekamen ihre zwei Mädels individuell von ihr geschneidert, erzählte die 80-Jährige. Ihre Stärke sei, die Dinge mit „Liebe und Sorgfalt“ anzupacken und auch bei einer Sache „dabei zu bleiben“, sagt sie von sich selbst. Etwas „Individuelles“ zu schaffen, sei ihr persönlicher Antrieb. Als letztes kam dann noch die Malerei mit Acrylfarben hinzu, wie beispielsweise das Bild „Flüchtlinge“.

Boudiers Schwiegersohn, ein Hobbyfotograf, hat alles, was Rosemarie Boudier geschaffen hat und noch greifbar ist, fotografiert, in zwei Büchern zusammengefasst und damit das künstlerische Schaffen seiner Schwiegermutter umfassend festgehalten. Beim Betrachten ist man geneigt, sich zu fragen, woher die Frau all die Zeit dafür genommen hat.

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