Wachenheim
Rocken in der Schule
„Es macht irre Spaß“, sagt Schulleiter Georg Dumont. In jedem Schuljahr beginnt eine fünfte Klasse der IGS Deidesheim-Wachenheim als Bandklasse. Die Schüler lernen entweder Keyboard, Gitarre, Bass oder Schlagzeug. Im Zentrum steht die Idee des gemeinsamen Musizierens in der Klassengemeinschaft. Über zwei Schuljahre hinweg gibt es dafür eine zusätzliche Wochenstunde Musik. Instrumente müssen nicht extra angeschafft werden, diese stellt die Schule zur Verfügung.
Durch Corona ist nun alles ein bisschen anders: Zuletzt fanden die Bandproben mit Maske statt, seit dem Lockdown gibt es keine gemeinsamen Proben mehr. Das wäre per Videokonferenz einfach nicht möglich, sagt Dumont. Die Individuallehrer haben nun kurze Videosequenzen aufgenommen, in denen sie die neuesten Riffs oder Patterns vorspielen und erklären. Die Kinder üben das dann zu Hause, spielen in einer kleinen Konferenz vor und bekommen das entsprechende Feedback der Lehrer. Das habe schon im Frühjahrslockdown hervorragend funktioniert, erzählt Dumont. Bei der Einführung der neuen fünften Klassen im vergangenen August habe die Band trotz nur weniger gemeinsamer Proben einen super Auftritt hingelegt. „Für die Musikalität war das anscheinend besser, als die normalen Proben in Vierer-oder Fünfergruppen“, sagt der Schulleiter schmunzelnd.
Betreut wird die Bandklasse von den beiden Musiklehrkräften Markus Bender und Christine Csenda. Bender hatte das Musikklassenkonzept „1st Class Rock“ aus Landau mitgebracht, als er an die IGS kam. Csenda hatte entsprechende Erfahrungen aus ihrer Zeit in Worms. Sie hat sich extra nach Wachenheim versetzen lassen, als die Wormser das Konzept aufgaben. Anfangs gab es in Wachenheim nur eine AG, seit dem Schuljahr 2012/13 läuft nun das Erfolgsmodell Bandklasse. Csenda hatte außerdem die besonders wertvollen Kontakte zur Popakademie Mannheim. „Das hätte ich damals alles nicht alleine leisten können,“ erzählt Dumont, dass es in den Anfangszeiten der Schule keinerlei derartigen Pläne gab. Mit Sebastian Beutner, Julian Scharpf und Matthias Rückert geben nämlich drei Absolventen der Popakademie den Instrumentalunterricht. Für Dumont und die Kinder ganz wichtige Lehrkräfte. „Das sind richtige Musiker, die sind mit ihren E-Gitarren doch viel cooler als ich mit meiner alten Wandergitarre“, sagt der Schulleiter über seine früheren Anstrengungen als fachfremder Musiklehrer.
Verschiedene Instrumente werden ausprobiert
Bis zu 30 Kinder können zur Bandklasse gehören. Häufig gibt es bei der Anmeldung mehr Interessenten. Für deren Eltern veranstaltet die Schule dann einen Infoabend. Meistens reduziert sich die Teilnehmerzahl doch noch, sodass nicht wie in früheren Jahren per Los entschieden werden muss, wer mitmachen darf.
In einer ersten Findungsphase probieren die Schüler zunächst die verschiedenen Instrumente aus. Ist das Lieblingsinstrument gefunden, bekommen die jungen Musiker es zur Ausleihe mit nach Hause. Im wöchentlichen Wechsel mit qualifiziertem Instrumentalunterricht werden die neu erworbenen Fähigkeiten in der großen Gruppe umgesetzt. Eine komplette Klasse rocke dann gemeinsam neue und alte Hits. Dumont betont, dass Kinder, die bereits eines der Instrumente spielen können, ein neues lernen sollen. Das sei wichtig, damit alle auf einem ähnlichen Niveau sind.
Die Bandklasse stehe für das Motto der Schule: „Jeder kann was prima machen!“ Die Resonanz bei den beteiligten Kindern und deren Eltern ist durchweg positiv. Wie deren Zitate zeigen, stärkt es die Klassengemeinschaft und macht richtig Spaß. „Ich finde toll, dass wir eine Klasse sind, die als Band auftritt“ oder „Ich finde gut, dass keiner vom Unterricht ausgeschlossen wird und jeder mitmachen soll“ heißt es beispielsweise.