Bad Dürkheim Rissige Reifen, rostige Kette
«Wachenheim.» Es gibt viele Gründe, wieder aufs Rad zu steigen. Sei es, um beim Stadtradeln für den Heimatort oder ein Team Kilometer zu sammeln, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, oder einfach um fitter zu werden. Doch was, wenn der Drahtesel der Wahl die letzten Jahre in der Garage oder im Keller Staub gesammelt hat? Mit Abstauben und Aufpumpen ist es dann meist nicht getan. Worauf aber sollte man unbedingt achten, bevor man sich mit einem wiederbelebten Rad auf Tour begibt?
„Die Reifen altern am schnellsten“, sagt Andreas van Marwick vom Wachenheimer Radladen Bella Bici. „Sie werden mit der Zeit porös, auch wenn sie noch gut aussehen.“ Alte, rissige Reifen sind so nicht nur pannenanfälliger. Geben sie bei schneller Fahrt den Geist auf, kann es auch gefährlich werden. Auch das Gummi der Bremsbeläge unterliegt der Alterung. „Das Gummi härtet mit der Zeit aus. Dann muss der Bremsbelag ausgetauscht werden, auch wenn er noch genug Profil hat“, erklärt Rainer Maurer vom Bella Bici. Er gibt als Faustregel vor, die Bremsgummis alle drei Jahre zu erneuern. „Ausgehärtete Beläge machen nicht nur Krach, sondern bremsen auch kaum noch“, sagt Maurer. Sind Reifen und Bremsen in Ordnung, gilt der nächste Blick der Kette. Bisweilen ist die Sache eindeutig – hängt die rostige Kette bis fast auf den Boden durch, sollte man besser keine längeren Ausfahrten anpeilen. Was aber, wenn die Kette eigentlich noch ganz gut aussieht? Im Fahrradladen prüfen die Profis die Kettenlänge mit einem speziellen Gerät. „Die Kette wird mit der Zeit länger. Wird sie zu lang, kann sie unter Belastung über die Zähne rutschen oder reißen“, sagt van Marwick. Bei vielen älteren Rädern funktioniert das Licht nicht mehr, meist sind es nur defekte Birnchen, nicht selten sind aber auch die Kabelverbindungen korrodiert. Sicherheitsrelevant ist auch die Lenkung. „Wir prüfen immer, ob das Lenkkopflager ausgeschlagen ist“, sagt van Marwick. Auch die Tretlager betagter Gefährte sind nicht unverwüstlich. Wenn es bei jeder Pedalumdrehung knackt, liegt hier häufig der Fehler. Pedale sind ebenfalls Verschleißteile, die mit kleinem Aufwand ersetzt werden können. Bei sichtbarem Rost ist Vorsicht geboten. Am Lenker ist mit Rost nicht zu spaßen. Schließlich möchte man nicht ausprobieren, was passiert, wenn der Lenker während der Fahrt bricht. Wartungsarbeiten am Auto sind für viele selbstverständlich, auch, weil der TÜV in regelmäßigen Intervallen den technischen Zustand begutachtet. „Das Auto hat ja meist einen ganz anderen Stellenwert als das Fahrrad. Das Auto wird gehegt und gepflegt, ältere Räder nicht so sehr“, sagt Maurer. Dabei beobachtet er in jüngster Zeit einen Wandel: „Bei den hochwertigen E-Bikes merken wir schon, dass die Leute die Räder pflegen.“ Reifen, Bremsen, Kette, Lenkung, Beleuchtung, Tretlager und Co – das alles kann mächtig ins Geld gehen. Je nach Alter des Rads stellt sich dann schon mal die Sinnfrage. „Wenn die Leute sagen, sie brauchen das Rad nur, um damit zum Weinfest zu fahren, stellen wir in solchen Fällen nur sicher, dass wir das Rad verkehrssicher rausgeben“, erklärt Maurer. Für so manchen ist das vernachlässigte Zweirad aber mehr als ein schnöder Gebrauchsgegenstand. „Wir erleben es schon, dass Leute viel Geld in ihre alten Schätzchen stecken. Aber manchmal machen wir einen Kostenvoranschlag, und dann winken die Leute ab und entscheiden sich gleich für ein neues E-Bike“, erzählt Maurer. Die Serie Von 14. August bis 4. September machen der Kreis Bad Dürkheim und alle seine Gemeinden bei der bundesweiten Kampagne „Stadtradeln“ mit. In den drei Wochen sollen so viele Kilometer wie möglich mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt werden. Teams sammeln gemeinsam Kilometer für ihre eigene und für die Kreis-Wertung. Im Vorfeld des Stadtradelns berichten wir in dieser Serie über Themen „Rund ums Rad“ .