Bad Dürkheim
Rhein-Plast: Mit neuer Chefin auf Wachstumskurs
Seit 1. Juni hat mit Regina Freunscht zum ersten Mal in der Firmengeschichte des Folienherstellers eine Frau die Verantwortung für den Standort in Ungstein und seine 85 Beschäftigten. Sie hat Roger Eisemann im operativen Geschäft an der Firmenspitze abgelöst.
„Wir haben hier viel vor. Die Rhein-Plast ist durch schwierige und stürmische Zeiten gegangen und befindet sich nun in einer Transformations- und Wachstumsphase“, sagt Freunscht, die die Geschäftsleitung ausübt. Wachstum solle es aber nicht um jeden Preis geben: „Wir wollen nachhaltig sein, sind klimaneutral und wollen frei von der Ewigkeitschemikalie PFAS werden.“ Die Rezepturen seien in der Testphase. PFAS, kurz für Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, sind umstritten und gelten als gesundheitsgefährdend. „Wenn alles gut läuft, produzieren wir nächstes Jahr PFAS-frei“, hofft auch Roger Eisemann.
Produkte sollen bekannter werden
Freunscht wolle das Unternehmen und dessen Produkte aus Kunststoffgranulaten zudem bekannter machen: „Wir stellen hier Spezialkunststoffe her für die Pharma- und Lebensmittelindustrie – der Käse für den Cheeseburger ist beispielsweise in unserer Folie verpackt. Und wir möchten wachsen, die Nachfrage ist da.“
Aufträge lägen bis ins nächste Jahr vor. Daher möchte der Betrieb auf dem etwa 25.000 Quadratmeter großen Firmengelände seine Konfektionshallen erweitern, der Antrag bei der Kreisverwaltung sei gestellt, so Freunscht. In neue Maschinen, wie etwa in eine neue Konfektionsmaschine, habe das Unternehmen schon investiert, ergänzt Roger Eisemann, der noch bis Ende August an Bord ist, um den Übergang an der Betriebsspitze zu begleiten. Eisemann hatte die Geschäftsleitung seit 2007 inne und war seit 2022 Standortchef.
Mit der Region verbunden
Die 57-Jährige könne auf das Wissen und die Expertise ihres Vorgängers zurückgreifen: Der 59-jährige Eisemann zeigt sich froh, mit Regina Freunscht eine Nachfolgerin gefunden zu haben, die mit ihrer Biografie und der Verbundenheit zur Region zum Traditionsbetrieb passe. „Ich wohne seit 20 Jahren in Bad Dürkheim und war in meinen bisherigem Arbeitsleben global unterwegs, zuletzt beim Pharmaunternehmen Merck“, berichtet Freunscht. Auf sie zugekommen sei der gesamtverantwortliche Bereichschef von Industrial Packaging der Firmengruppe Ringmetall, zu der Rhein-Plast seit Anfang 2022 gehört.
Ihre Erfahrung aus der Pharmaindustrie könne sie hier im Werk, das sie zukunftsfest machen möchte, gut einbringen: „Ich habe 35 Jahre Erfahrung in den Bereichen klinische Arzneimittelentwicklung, Qualitätssicherung und Zulassungsmanagement.“ Zum Erfolg eines Unternehmens trage die Belegschaft den Großteil bei, so stütze sie sich auf das Wissen der erfahrenen Mitarbeiter wie dem Leiter der Extrusionsabteilung, Bernd Chroszcz, sowie Uwe Bütefisch, Leiter der Instandhaltung, die beide seit über 30 Jahren zum Unternehmen gehören. „Wir sind auf Fachkräfte angewiesen. Deshalb bilden wir aus“, sagt Freunscht. Vier junge Leute seien in Ausbildung etwa als Büro- und Industriekaufleute, als Industriemechaniker und -elektriker oder im Berufsfeld Medientechnologie Druck. „Ich möchte auch mehr junge Frauen ermutigen, in handwerkliche oder gewerbliche Berufe zu gehen, wir bieten bei uns regelmäßig Praktika an“, sagt Freunscht. Der aktuelle Frauenanteil in der Belegschaft liege bei 28 Prozent.
Folienhersteller geriet 2022 in Schwierigkeiten
Die Aussichten für das Unternehmen waren nicht immer so günstig: Fehlende Aufträge und Kostensteigerungen hatten dem Folienhersteller stark zugesetzt. Mitte Juni 2021 griff das Unternehmen auf die Sanierungsmöglichkeit eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zurück und setzte ein Sanierungsprogramm um. Und das nach Einschätzung von Eisemann und Freunscht erfolgreich: „Pharma ist weiterhin unser Kerngeschäft“, betont Eisemann. Profitieren könne Rhein-Plast in Zukunft auch von Ansiedlungen von Pharmabetrieben wie etwa von Lilly bei Alzey. Etwa 15 Millionen Euro Umsatz habe Rhein-Plast 2022 erwirtschaftet.
Das börsennotierte Unternehmen Ringmetall ist nach eigenen Angaben ein Spezialanbieter in der Verpackungsindustrie. Der Geschäftsbereich Industrial Packaging stellt Innenhüllen für die chemische, pharmazeutische und lebensmittelverarbeitende Industrie her. Seit Ende 2023 gehört ein Werk im nordrhein-westfälischen Ennepetal mit vier Mitarbeitern dazu. Neben der Konzernzentrale in München hat Ringmetall bundesweit und auch im Ausland Niederlassungen: in Europa, China und den USA. Der weltweit erwirtschaftete Jahresumsatz liege bei rund 200 Millionen Euro.
Karl Eisemann gründete das Unternehmen
Den Grundstein für den Folienhersteller Rhein-Plast legte Karl Eisemann. Mit Entwicklungen rund um den Kunststoff Polyethylen (PE) in der BASF wurden erste Maschinen zur Konfektionierung von Beuteln aufgestellt. 1959 gründete Karl Eisemann mit Heinrich Schäfer einen Betrieb, der seit 1961 als Rhein-Plast GmbH firmiert und 1969 nach Ungstein umsiedelte.
Mit Roger Eisemann, der Rhein-Plast jetzt verlässt und Thomas Eisemann, der erst im Februar gegangen ist, nehmen die Eisemanns Abschied vom Betrieb. Die Familie hat ihre Geschäftsanteile bereits verkauft. Allerdings werde sich Roger Eisemann noch einbringen, sagt Freunscht: „Ich werde auf sein Fachwissen zurückgreifen dürfen, er macht erst mal eine verdiente Pause und hat mir versprochen, dass er mir danach für Fragen und bei Projekten als Berater zur Verfügung stehen möchte.“