Bad Dürkheim
Reserviert, aber nicht erschienen: „No-Shows“ belasten Gastronomen
Das Reservierungsbuch ist voll, alle Tische des Restaurants am Abend belegt. So wünscht es sich jeder Gastronom. Doch immer häufiger bleiben Tische leer, weil Gäste nicht erscheinen. Diese „No-Shows“ sind nicht nur ärgerlich, sie kosten Geld. Den Schaden trägt einzig der Gastronom. Oder soll sich daran etwas ändern?
Timo Ahmed, Geschäftsführer des Restaurants Luginsland in Wachenheim, kennt das Problem: „Es passiert bei vielen Reservierungen, dass Leute einen Tisch bestellen, dann aber einfach den Termin ignorieren und auch nicht absagen. Oft rufen wir zurück und bekommen als Antwort, dass man den Termin vergessen habe.“ Besonders schlimm, so der Gastronom, sei eine Bestellung für viele Personen, von denen dann nur ein Bruchteil tatsächlich vor Ort ist. „Wenn etwa ein Tisch für 15 Gäste festgelegt ist, dann müssen wir dies beim Einkauf einplanen und auch mehr Personal für Service und Küche holen“, erklärt Ahmed. Seine eindrücklichste Erfahrung bisher: Eine Bestellung für 30 Personen, von denen lediglich 14 erschienen.
Niemand geht ans Telefon
Timo Ahmed weiß, dass er mit dem Problem des „Nicht Erscheinens“ nicht allein dasteht. Viele Kollegen beklagten sich, sagt er. Zu ihnen gehört auch Vibeke Siehr, Inhaberin des Restaurants Herrenberg in Ungstein. „Es kommt schon sehr häufig vor, dass Tische reserviert werden und keiner kommt“, sagt Siehr. Sie habe das Personal angewiesen, sich immer die Nummer der Anrufer zu notieren. „Aber wenn wir zurückrufen, geht meist niemand ans Telefon.“ Dieser Trend habe sich seit der Corona-Pandemie verstärkt. Besonders schwierig für die Gastronomin ist die Tatsache, dass ihr Restaurant wenig Laufkundschaft hat, umso wichtiger sind die Reservierungen. „Das Verhalten derjenigen, die dann fernbleiben, trifft uns schon merklich“, macht Siehr deutlich.
Das sagt auch Pritpal Singh vom Restaurant Kaschmir’s in Bad Dürkheim: „Ein solches Verhalten wirkt sich negativ für unser Geschäft aus und ist einfach nicht korrekt“, so Singh. Erst kürzlich sei ein Tisch für sieben Personen reserviert worden. Doch die Gäste blieben ebenso aus wie eine Absage. „Und das war auch noch am Wochenende“, klagt Singh.
Umsatzverlust für die Wirte
„Wenn ein Tisch reserviert wird, aber niemand erscheint, hat der Wirt ein Problem – und zwar ein wirtschaftlich ernstes“, erklärt der Dehoga-Verband Rheinland-Pfalz. Das „No-Show“-Phänomen betreffe inzwischen weite Teile der Gastronomie. Der Verband beobachte seit mehreren Jahren, dass die Zahl nicht wahrgenommener Reservierungen zunehme und viele Betriebe damit spürbar belastet seien. „Für den Betrieb entsteht dann ein realer Umsatzverlust – zusätzlich zu bereits geleisteten Vorbereitungen, eingekauften Waren und eingeplanten Personalkosten“, so der Verband.
Ein Aspekt, der sich bei dem Thema zeigt: Mit Stammgästen gibt es das Problem wesentlich seltener bis gar nicht. So auch im Restaurant Atable in Freinsheim. Inhaberin Sybille Bultmann sagt, sie habe sehr viele Stammgäste. „Da ist die Hemmschwelle bei der Thematik sehr groß.“ Auch Thorsten Brand, der in Hardenburg die „Alte Schmelz“ betreibt, ist von nicht erscheinenden Gästen kaum tangiert. „Das ist nur ein sehr geringer Prozentsatz über das Jahr gesehen“, sagt er. Er habe viele Stammkunden, habe durch Umbau und Neuausrichtung der Karte aber auch viele neue Gäste gewonnen, die mittlerweile jedoch auch bereits zur Stammkundschaft zählten. Ob das aber letztlich der Grund ist, mag er nicht beurteilen.
Wie mit den Gästen umgehen?
Für die von den „No-Shows“ betroffenen Gastronomen stellt sich die Frage nach dem Umgang mit den Gästen. Timo Ahmed sagt, er überlege, wie er sie hinsichtlich der Einbußen finanziell mit ins Boot nehmen soll. Damit wäre er nicht allein. „Einige Restaurants erheben mittlerweile Gebühren bei Nichterscheinen, andere bitten um eine Kreditkartengarantie oder Teilvorauszahlung – insbesondere bei Menüs oder größeren Gruppen“, beschreibt es der Dehoga-Verband.
Vibeke Siehr ist diesbezüglich kritisch. „Wir können nicht einfach die Kreditkartennummer verlangen. Die Leute würden dann nicht mehr wiederkommen“, sagt sie.
Klar im Vorfeld kommunizieren
Diese Schwierigkeit sieht auch der Verband. Er rät daher zu einer klaren Kommunikation im Vorfeld. So sollten Betriebe schon bei der Reservierung freundlich darauf hinweisen, dass eine Absage erwünscht ist – telefonisch oder online. „Bei größeren Reservierungen empfiehlt sich eine schriftliche Vereinbarung inklusive Stornofristen oder Vorauszahlung“, heißt es in den Empfehlungen weiter. Der Appell der Dehoga Rheinland-Pfalz an die Gäste ist deutlich: Sie werden eindringlich zu mehr Rücksicht und Verbindlichkeit aufgerufen. „Reservieren ist kostenlos – aber nicht wertlos. Wer nicht kommen kann, sollte absagen. Das ist ein Gebot der Fairness.“
So sieht es auch Pritpal Singh. Er würde es begrüßen, wenn Gäste zumindest ein oder zwei Tage vorher stornierten. „Auch zehn bis zwölf Stunden wären noch okay. Dann könnten wir uns darauf einstellen und müssten die Plätze nicht frei halten“, sagt er. Letztlich kann er auf diese Rücksicht aber nur hoffen. Denn auch er weiß, dass, wenn er sich beschwert, die Gäste in Zukunft gar nicht mehr kommen.