Bad Dürkheim „Raus aus der Abwärtsspirale“
«Bad Dürkheim.» Die Kurstadt ist eine Stadt der Kliniken: Mittlerweile sind fast alle in der Hand der Unternehmensgruppe Median, so auch die Rhein-Haardt-Klinik in der Sonnenwendstraße. Dort wollen Rehabilitanden mithilfe der Therapeuten raus aus der Suchtproblematik zurück in den Alltag finden.
Wenn Menschen in die Median Rhein-Haardt-Klinik in der Sonnenwendstraße kommen, dann kommen sie in einer Extremsituation. Die Rehabilitationsklinik für Abhängigkeitserkrankungen und Psychosomatik ist eine Herausforderung für das Ärzteteam im Haus: Die Patienten bringen unter anderem die Diagnosen Alkoholsucht, Spielsucht oder Medikamentenmissbrauch sowie psychosomatische Beschwerden mit. Spezialisiert hat sich das Team um Chefärztin Kathrin Engerer und den kaufmännischen Leiter Alexander Heinz auf die Gruppe der Migranten: „Wir haben hier in Bad Dürkheim mit der Rhein-Haardt-Klinik eine Nische aufgetan. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Reha-Landschaft“, sagt Heinz. So ist das Haus Anlaufstelle für Migranten schon seit dem Jahr 2000. Das Klinik-Team kümmert sich in einer eigenen psychosomatischen Abteilung hauptsächlich um türkischstämmige Rehabilitanden, in der auch psychiatrische Störungsbilder behandelt werden. Auch polnische und russische Patienten werden betreut. Patient ist nicht Patient und der Ausspruch „Andere Länder, andere Sitten“ bekommt im Reha-Alltag eine besondere Bedeutung: „Wir hier in Deutschland und in Europa sind individualistisch geprägt, türkische Migranten dagegen kollektivistisch“, erklärt Engerer. Und so ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung, dass Muttersprachler, die mit der Kultur vertraut sind, fest zum Team gehören. Ein Teil der Mitarbeiter weise selbst einen Migrationshintergrund auf, sodass eine „kultursensible“ Therapie möglich sei, betont Chefärztin Engerer. Sowohl in der Gruppenarbeit als auch im Einzelgespräch. Nicht immer ohne Probleme ist der Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen. Alkoholkranke kommen oft direkt nach einem Alkoholentzug in die Klinik: „Da gibt es dann auch mal Spannungen“, sagt Heinz. Ein Deeskalationstraining für das Behandlungsteam gehöre zum Instrumentarium genauso wie der Piepser in der Jackentasche für brenzlige Situationen. Das Team versuche, die Patienten zu bestärken, den Weg aus der Abwärtsspirale zu finden. Zur Sucht gehört auch das „pathologische Glücksspiel“. Und wie der Alkoholiker lernen müsse, die Finger von Bier oder Wein zu lassen, muss der Spieler den Spielstätten fernbleiben. Dazu gehörten das Erlernen von Techniken zur Impulskontrolle und eine geeignete Strategie zum „Geldmanagement“. Tragisch gerade bei der Spielsucht: Es kommt oft auch zu finanzieller Verschuldung und Konflikten in der Familie, im Beruf und dem sozialen Umfeld. „In ihrer Verzweiflung reagieren Betroffene oft mit Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und haben nicht selten Suizidgedanken“, heißt es vonseiten der Unternehmensgruppe Median. Weil ein Mensch meist nicht nur mit einer Problematik in die Einrichtung komme, schließt sich oftmals auch ein zusätzliches Rehabilitationsangebot für internistische, neurologische und orthopädische Begleiterkrankungen an. Durch die unmittelbare Nähe zum psychiatrischen Akutkrankenhaus Median-Klinik Sonnenwende können auch Patienten mit relativ instabilen psychiatrischen Krankheitsbildern behandelt werden. In der psychosomatischen Fachabteilung werden unter anderem Patienten mit depressiven Syndromen, Schmerz- oder Angststörungen sowie Borderline-Störungen therapiert. Die Kursangebote berühren alle Themenbereiche im häuslichen Alltag: Es geht um den Spaß an der Bewegung etwa in der Nordic-Walking-Gruppe und dem Tanzworkshop oder um Kreativität beim Malen: Ein wichtiger Baustein auf dem Weg dahin, das Selbstwertgefühl wiederherzustellen und sich wieder etwas mehr zuzutrauen. Ziel jeder Reha-Maßnahme: zurück in den Alltag und in den Beruf. Seit Anfang 2016 bietet das Haus daher auch ein beruflich-orientiertes Rehabilitationsangebot. Auch hier gibt die Klinik Hilfestellung. „Wir bereiten unsere Patienten mit einem Realitätstraining vor“, informiert Median. Angeboten werden Arbeitstherapie und externe Arbeitserprobung mit 16 Kooperationspartnern in und um Bad Dürkheim. Auch die Nachsorge schließt sich an, wie zum Beispiel der Kontakt zu Suchtberatungsstellen und Therapeuten. Die Angebote reichen von Vorträgen, die die Rückkehr an den Arbeitsplatz oder ins Erwerbsleben thematisieren, über Trainingseinheiten zur Stressbewältigung bis zum Bewerbertraining.