Bad Dürkheim Private Vermieter erzählen von Erfahrungen mit Asylbewerbern

Seit Beginn der Flüchtlingswelle sind die Gemeinden auf der Suche nach Wohnungen von privaten Vermietern. Die Motive der Wohnungsbesitzer, ihre Immobilien für Asylbewerbern anzubieten, sind recht unterschiedlich. Ebenso die Erfahrungen, die sie mit ihren „Mietern“ machen. Weitgehende Übereinstimmung herrscht aber in einem Punkt: Fast alle wollen ihren Namen nicht nennen.
„Ich lebe nicht vom Vermieten“, betont Gerd Ehringhaus. Der Dürkheimer, der als einziger nichts dagegen hat, seinen Namen in der Zeitung zu lesen, hat der Stadt zwei Wohnungen für Flüchtlinge angeboten und inzwischen einige Erfahrungen gesammelt. Für eine dieser Wohnungen wurde der Mietvertrag wieder aufgelöst. „Weil die Stadt wegen der schlechten Verkehrsanbindung niemandem mehr zumuten wollte nach Leistadt zu ziehen“, wie Ehringhaus sagt. Er wohnt in einem großen Haus in Leistadt, in dem schon seit Längerem eine separate, etwa 50 Quadratmeter große Wohnung nur gelegentlich von Besuchern benutzt wurde. „Meine Eltern wurden 1942/43 in Duisburg ausgebombt“, erzählt Ehringhaus. Als er im März 2015 hörte, dass die Stadt Wohnungen sucht, „habe ich gedacht die Wohnung muss nicht leer stehen“, sagt der Dürkheimer. Im Juli 2015 wurde eine 125 Quadratmater große Vier-Zimmer-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Bad Dürkheim, die Ehringhaus gehört, frei. Die hat er der Stadt ebenfalls vermietet. In die Wohnung in Leistadt zog als erstes eine Tschetschenin mit ihrer erwachsenen Tochter ein. Er habe mit den beiden Frauen keine Probleme gehabt. Etwa im November 2015 seien die Frauen aber in eine Wohnung in die Innenstadt gezogen. Mutter, Tochter und eine Flüchtlingspatin seien der Meinung gewesen, dass der Weg von Leistadt in die Innenstadt nicht zumutbar sei, sagt Ehringhaus. Später sei dann ein junges syrisches Paar mit einem Kleinkind in die Wohnung gezogen. Mit dieser Familie hat Ehringhaus schlechte Erfahrungen gemacht. In der Wohnung hätten zeitweise bis zu 14 Personen gelebt. Als auch noch ständig jede Menge Utensilien, darunter auch Dreck und gebrauchte Windeln, auf der Treppe herumlagen, bat Ehringhaus die Verwaltung, dass diese Syrer ausziehen sollen. Diese Unterbringung sei für die Stadt ziemlich teuer geworden, denn die Wohnung musste teilweise repariert werden, berichtet Ehringhaus. „Im Teppichboden waren Brandflecken, die Polsterstühle waren kaputt, der Backofen war so mit Schmutz verkrustet, dass er nicht mehr benutzt werden konnte, auf dem Holztisch war etwa ein Zentimeter dick Dreck, der musste abgeschliffen werden“, zählt Ehringhaus auf. Reibungslos lief es in seiner anderen Wohnung: Dort leben fünf junge Eritreer und zwei Afghanen. Als die ersten Flüchtlinge in die Wohnung eingezogen waren, habe die Patin die anderen Hausbewohner zum Kaffee eingeladen, so dass man sich kennenlernen konnte. Da die Wohnung einen Laminatboden hat, sei die Mieterin darunter irgendwann genervt gewesen, weil über ihr ständig Leute herumgelaufen sind. „Die Patin hat einen Teppich besorgt und das Problem war gelöst“, erzählt Ehringhaus. „Es sind nette Leute, einige können etwas Deutsch sprechen“, beschreibt der Inhaber eines kleinen Dürkheimer Betriebs die 15 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern, die in einem Haus wohnen, das ihm gehört. Nur ein Problem gebe es: „Die sammeln allen möglichen Sperrmüll und lagern ihn hinter dem Haus, ich hoffe, dass sie die Sachen mitnehmen, wenn sie irgendwann ausziehen“, sagt der Dürkheimer. „Wir haben gesehen, dass Bedarf an Wohnungen für Flüchtlinge da ist und eine der beiden Wohnungen, die wir vermieten, war frei“, erzählt eine Freinsheimerin. Die Frau engagiert sich bereits seit Längerem in der Kirchengemeinde und ist auch im Flüchtlingscafé aktiv. „Wir haben prinzipiell positive Erfahrungen gemacht, es gab auch Probleme, aber nie so massive, dass wir unsere Entscheidung, die Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, grundsätzlich in Frage gestellt hätten“, betont die Freinsheimerin. Schwierig sei es vor allem gewesen, als einige junge Männer aus dem Kosovo in der Wohnung lebten. „Die waren unfähig, sich an Regeln zu halten“, bedauert die Freinsheimerin. Mit den anderen Mietern habe es überwiegend nur ein Problem gegeben, nämlich Mülltrennung, erzählt die Freinsheimerin. „Es ist ein Problem, das sich lösen lässt“, Als eine Freinsheimer Familie ein Haus vermieten wollte, „haben wir darüber gesprochen, es der Verbandsgemeinde für Flüchtlinge anzubieten, denn das sind Leute, die Hilfe brauchen“, berichtet ein Mann. Seit etwa einem Jahr wohnen zwei junge Familien mit je einem Kind in dem Haus, die Eltern des Freinsheimers wohnen in dem Haus daneben. Auch hier hat es mit der Mülltrennung erst einmal nicht geklappt. „Mein Vater hat es ihnen dann erklärt“, berichtet der Freinsheimer. Drei Wohnungen hat ein Mann aus Weisenheim am Berg an die Verbandsgemeinde für die Unterbringung von Flüchtlingen vermietet. Am Anfang habe es die ein oder andere Schwierigkeit gegeben, „aber nichts, was nicht zu regeln ist“, sagt der Mann. So sei in der einen Wohnung die Heizung ständig hochgedreht gewesen und es sei nie gelüftet worden. Eine Familie, die in einer anderen Wohnung lebt, habe nicht gewusst, dass man Müll trennen muss. Er habe der Familie die Mülltrennung erklärt „und seitdem ist alles in Ordnung“, sagt der Weisenheimer. „Die Leute sind ordentlich, sauber, nett und unauffällig, es gibt keine Probleme und keine Beschwerden von den Nachbarn“, betont der Vermieter. Die Stadt Bad Dürkheim hat 58 Wohnungen und Häuser für Asylbewerber angemietet, die Verbandsgemeinde Freinsheim 27, die Verbandsgemeinde Wachenheim hat zwei Häuser mit mehreren Zimmern und weitere 19 Häuser mit 27 Wohnungen angemietet. Zur Serie „Asyl vor Ort“ befasst sich in loser Folge mit der Flüchtlingssituation aus lokaler Sicht.