Mit Krone und Wurzel
Pinie an der Villa rustica trägt auch im Winter ihr grünes Kleid
Während jeden Herbst die umstehenden Laubbäume kahl werden, bleibt die Pinienkrone mit ihren langen Nadeln immer grün. Ihre Äste richten sich in leichter Bogenform aufwärts. In den ersten Lebensjahrzehnten bilden sie eine volle, rundliche Kronenform. Auch für den Baum der Villa rustica trifft dies noch zu. Erst später wird sich seine Krone flacher und schirmartig wölben, wie es für ältere Pinien typisch ist.
2001 pflanzte der Wachenheimer „Förderkreis Villa rustica“ anlässlich seines zehnjährigen Bestehens mehrere Bäume im Gutshofbereich. Einer davon war die Pinie. Gestiftet hat sie die Vereinigung „Wachtenburg Winzer“, in der Pfalz die zweitälteste Winzergenossenschaft. Auch sie feierte damals ein Jubiläum, reicht ihre Geschichte doch bis ins Jahr 1900 zurück. Pinien sind als südländische Bäume lichthungrig und gegen Trockenheit und Hitze besonders widerstandsfähig. Unser mildes Weinbauklima kommt ihnen entgegen, solange es im Winter nicht zu nass wird. Die Pinie der Villa rustica steht an einer vollsonnigen Stelle des 1980 entdeckten römischen Gutshofes und gedeiht entsprechend gut.
Kraft des Weltalls, Symbol der Fruchtbarkeit
Seit frühen Zeiten werden die großen Zapfen der Pinien sinnbildlich gedeutet. Wenn man auf Säulen oder Pfeilern die Nachbildungen solcher verholzten Samenstände sieht, dann sind es die der Pinie. Antike Völker sahen in ihnen die Kraft des Weltalls eingeschlossen und ein Symbol für Fruchtbarkeit.
Auch die christliche Kunst stellte das Motiv dar. Der Zapfen taucht in manchen Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind auf. Man deutete ihn als bildhaften Ausdruck für Unsterblichkeit und Auferstehung. Der Pinienhof im Vatikan hat seinen Namen von einem bronzenen Pinienzapfen aus dem antiken Rom, der mehrere Meter hoch ist. Wegen der dekorativen Wirkung werden die Zapfen auch gern als Weihnachtsschmuck verwendet.
Beliebtes Holz für die Möbelherstellung
Die Pinie, auch Mittelmeer-Kiefer oder Schirmkiefer genannt, gehört zur Gattung der Kiefern. Bei ihnen erfolgt die Bestäubung durch den Wind, der unzählige Pollenkörner männlicher Blüten verbreitet. Hier kommt der Pinie eine Sonderstellung zu, denn die Samen ihrer weiblichen Zapfen werden erst etwa zwei Jahre nach der Bestäubung befruchtet. Sie reifen also sehr spät. Die Zapfen werden bis zu 16 Zentimeter lang, wie man es auch an der Wachenheimer Pinie sehen kann. Um die essbaren Kerne zu nutzen, baute man Pinien schon in der Antike an. Die weißlichen Kerne haben einen feinen, etwas harzigen Geschmack und gelten als besonders gesund.
Das Holz der Pinien ist in der Möbelherstellung wegen seiner warmen Ausstrahlung beliebt. Es zeigt eine helle Tönung mit lebhafter dunkler Maserung, Harzkanälen und Astansätzen. Wer sich die Pinie der Villa rustica betrachtet, dem fallen auch die vielen abgeworfenen Nadeln unter ihr auf. Das ist ein völlig normaler Vorgang, weil die Bäume regelmäßig alte Nadeln abwerfen. Trotzdem tragen sie auch im Winter ihr dichtes, ausdauerndes Kleid.
Unsere Serie
In der menschlichen Kultur sind Bäume seit frühesten Zeiten verwurzelt. An lokalen Beispielen erzählt unsere Serie „Mit Krone und Wurzel“ von ihnen.