Laumersheim Pfarrer Rüdiger Schellhaas-Eberle: Auf gute Nachbarschaft
Wie wohnen Sie? In einem Einfamilienhaus im Dorf, in einem Stadthaus mit mehreren Mietparteien oder in einem Reihenhaus mit kleinem Garten in einer Neubausiedlung? Es gibt ja viele Möglichkeiten. Auf jeden Fall, so nehme ich an, leben in Ihrer nächsten Umgebung auch andere Menschen – Ihre Nachbarn. Wir alle sind ja auf die eine oder andere Weise Nachbarn, ob uns nur eine Wand trennt oder ein Gartenzaun oder eine Straße. Nachbarn sind einfach da – die einen immer schon, weil sie hier geboren und aufgewachsen sind, andere plötzlich, weil sie zugezogen sind, aus der Nähe oder von weit her. Die einen kennen wir schon lange, andere lernen wir erst kennen mit ihren Eigenheiten, Gewohnheiten und Liebhabereien. Meist kommen wir damit ja gut zurecht.
Aber Nachbarn können auch mal nerven. Damit aus der räumlichen Nähe kein Streit entsteht, sondern eine gute Nachbarschaft wird, braucht es Offenheit und Toleranz, Gesprächs- und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Einander helfen, wenn mal Not am Mann ist, und manches andere gehört auch dazu. Aus Nachbarn können Freunde werden. Dies von allen zu erwarten, wäre sicher eine Überforderung. Aber trotz mancher Unterschiede gut miteinander auszukommen, das sollte uns mit dem guten Willen aller wohl gelingen.
8 Milliarden Nachbarn
Wie weit geht unsere Nachbarschaft? Nur bis zur Wohnung oder dem Haus nebenan oder auch bis zur nächsten Straße oder bis ans Ende des Dorfes? Ich will mal einen ganz weiten Blick wagen. Zu den faszinierendsten Bildern, die ich in diesem Jahr gesehen habe, gehört ein Foto aus der Raumkapsel der Apollo-II-Mission. Hinter dem Horizont des Mondes, der mit Kratern übersät ist, geht die Erde auf. Eine kleine, blau schimmernde Kugel – eine „Murmel“ haben sie Astronauten einmal genannt – in den unendlichen Weiten des Weltalls. Auf ihr leben wir, gut 8 Milliarden Menschen. Auf ihr sind wir alle Nachbarn, nicht nur in unserer näheren Umgebung, sondern weltweit.
Ob in einem Luxus-Penthouse oder einem Flüchtlingszelt – in dieser weiten Perspektive gehören wir alle zusammen. Denn diese kleine Erde ist uns gegeben als Lebensraum. Einen anderen haben wir nicht und werden wir auch in Zukunft nicht haben. Ein Leben auf dem Mond oder dem Mars oder sonst wo im Weltraum wird – wenn überhaupt – immer nur für ein paar wenige Menschen für eine begrenzte Zeit und unter schwierigen Bedingungen eine Möglichkeit sein.
Es wird darauf ankommen, dass wir unser Zusammenleben hier so gestalten, dass alle zu ihrem Recht kommen, menschenwürdig zu leben. Das ist unsere Verantwortung. Dazu braucht es nicht mehr und nicht weniger als das, was auch für das Zusammenleben in unserer nächsten Nachbarschaft nötig ist. Ob uns das gelingen wird? Es mag naiv klingen, aber ich gebe da die Hoffnung nicht auf.
Der Autor
Rüdiger Schellhaas-Eberle aus Laumersheim ist Pfarrer im Ruhestand.