Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzmuseum: Beziehungstipps von Pilzen

Julia Kruse betrachtet das Pilz-Dioarma der Sonderausstellung.
Julia Kruse betrachtet das Pilz-Dioarma der Sonderausstellung.

Das Pfalzmuseum für Naturkunde behandelt in seiner neuen Sonderausstellung „Unterirdische Beziehungskisten“ bei Pilzen. Ein Thema, das spannender ist, als man vielleicht denkt. Denn wie die Menschen haben es auch Pilze in Sachen Beziehung nicht immer leicht.

Auf insgesamt 220 Quadratmetern können Besucher des Pfalzmuseums derzeit etwas über „unterirdische Beziehungskisten“ im Reich der Pilze lernen. „Das Thema ist besonders deshalb spannend, weil jeder schon mal damit in Berührung gekommen ist und es vielleicht nicht mal bemerkt hat“, sagt Julia Kruse, Kuratorin der Ausstellung.

Zunächst werden den Besuchern die Grundlagen der Pilzkunde vermittelt. Was ist überhaupt ein Pilz? „Obwohl viele das denken, ist er weder Pflanze noch Tier. Pilze sind ihr ganz eigenes Reich“, erklärt Kruse. Mit Hilfe von liebevoll gestalteten Infotafeln mit kurzen Texten kommen auch Pilz-Neulinge spielend leicht mit. Außerdem begegnen sie dem kleinen Fliegenpilz „Myzli“, dem Maskottchen der Ausstellung. Das weiß nicht nur viel über Pilze, sondern sorgt auch für den gewissen „Niedlichkeitsfaktor“.

Digitale Spiele zur Ausstellung

Apropos spielend leicht: Wer die Ausstellung besucht, sollte unbedingt das Handy mitnehmen. „Corona hat es uns schwer gemacht, interaktive Ausstellungsstücke anzubieten. Darum haben wir uns etwas besonderes ausgedacht“, erklärt Kruse. Gleich mehrere Spiele können die Besucher jetzt zur Ausstellung auf ihren Handys spielen. So muss zum Beispiel ein Pilz zusammengebaut oder ein interaktives Pilzkörbchen mit essbaren Pilzen gefüllt werden. Pilz-Begeisterte dürfen sich sogar an ein Pilz-Quiz mit Abschlusstest wagen.

Danach geht es ins Thema Mykorrhiza. Die bekannteren Parasiten entziehen lebenden Organismen ihre Nährstoffe, um sich zu ernähren, während die sogenannten Symbionten eine wechselseitig nützliche Beziehung mit ihnen eingehen. „Zu ihnen gehören auch die Mykorrhiza“, sagt Kruse.

Die Kuratorin erklärt, wieso beide Parteien von der Mykorrhiza profitieren können. „Sie kann Pflanzen vernetzen und dafür sorgen, dass sie mehr Wasser bekommen. Im Austausch gibt es dafür mehr Nährstoffe für den Pilz selbst.“ Diese Beziehung wird sogar in der Landwirtschaft und dem Gartenbau genutzt. Pflanzen wie Mais, Weizen oder sogar Wein profitieren von solch einer Mykorrhiza-Beziehung. „Etwa 80 Prozent aller Landpflanzen haben eine Mykorrhiza. Dafür muss man nicht immer unbedingt einen Pilzkörper sehen. Oft sind die Verbindungen versteckt im Boden“, weiß Kruse.

Wählerisch bei der Partnerwahl

Und so eine Beziehung schließt nicht unbedingt nur zwei Parteien ein. „Ja, es gibt hier sogar ganz spannende Dreiecksgeschichten“, sagt Kruse und lacht. Und wie bei den Menschen, sind manche Mykorrhiza umgänglicher als andere. So ist die Wald-Kiefer mit 30 potenziellen Mykorrhiza-Partnern sehr wählerisch. Zum Vergleich: Die Fichte hat kann mit immerhin 199 Mykorrhiza eine Beziehung eingehen.

Wer mit wem und wie viele wird auch in einem bunten Diorama deutlich. Hier können Besucher auch Wissenswertes über den Schutz von Pilzen und den Einsatz im Garten oder dem Forst erfahren. Ein Kapitel befasst sich auch mit dem Thema „Pilzsammeln“. Zum Abschluss können Fragen rund um das Thema Pilz gestellt werden. Digital und analog mit Zetteln. „Einmal die Woche beantworte ich die Fragen dann“, sagt Kruse, während sie sich die Zettel auf der Tafel betrachtet. „Gibt es auch Trüffel in der Pfalz?“, steht auf dem einen. Klar gebe es die, meint Kruse. Nur seien sie für das ungeschulte Auge kaum zu finden.

Info

Ab Dienstag öffnet das Pfalzmuseum wieder seine Türen . Dienstags und donnerstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs und an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18:30 Uhr. Es gilt weiterhin eine Voranmeldungs- und Kontaktdatenerfassungspflicht. Zudem müssen Masken getragen und Abstand gehalten werden. Aufgrund der Regelungen kann der Fahrstuhl nicht genutzt werden. Die Voranmeldung ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 06322 9413-20 möglich. Die Sonderausstellung wird bis 24. April 2022 gezeigt.

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