Bad Dürkheim / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Tanzschulen wegen Gema unter Druck

Kann man zu lizenzfreier Musik gut tanzen? Die Tanzlehrer bezweifeln das.
Kann man zu lizenzfreier Musik gut tanzen? Die Tanzlehrer bezweifeln das.

Tanzenlernen wird teurer: Pfälzer Tanzschulen haben ihre Kurspreise erhöht. Denn die Gema fordert mehr Gebühren. Ist lizenzfreie Musik eine Lösung?

Katja Hillenkamp wirkt in Teilen ratlos. Bisher wurden die Gebühren für die Lizenzmusik in ihrem Tanzhaus „La Danza“ pauschal an der Größe der Tanzfläche festgemacht. Die Gema will die Abgaben aber jetzt prozentual am Netto-Umsatz der Tanzschule ausrichten. Konkret bedeutet dies, dass die Gema 4,46 Prozent der erzielten Netto-Kurshonorare fordert. Aus Sicht der Gema stellt der Bezug zum Umsatz die wichtigste Berechnungsgrundlage für die Lizenzvergütung dar. Die Tanzschulen beziehungsweise die Verbände, denen sie angehören, wehren sich seit Jahren gegen die von der Gema angestrebte Änderung.

Zwar gibt es seit Mai ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) im Streit zwischen Gema und dem Verband Deutsche Tanzschulinhabervereinigung e.V. (DTIV), dem auch das Dürkheimer „La Danza“ angehört. Ein klärendes Urteil des Oberlandesgerichts München (OLG) steht allerdings noch aus. Dem werden sich wahrscheinlich neue Vertragsverhandlungen anschließen. Erst nach deren Abschluss wird die Tanzschulinhaberin wissen, wie hoch die Gema-Gebühren sein werden, die sie ab diesem Jahr bezahlen muss.

Katja Hillenkamp empfindet die gesamte Neuregelung als unfair. Sie gibt im Tanzhaus La Danza auch Yoga-Kurse. „Da spielt keine Musik“, sagt sie. Dennoch fließe auch dieser Umsatz in die Gebühren ein. Hinzu komme, dass bisher alle Veranstaltungen innerhalb der Tanzschule über den Pauschalvertrag zwischen DTIV und Gema abgegolten waren. Auch das könnte in Zukunft anders aussehen. Katja Hillenkamp verweist auf eine Ende 2024 zwischen der Gema und dem Wirtschaftsverband Deutscher Tanzschulunternehmen e.V. (WDTU) erzielte Einigung. „Der Vertrag beinhaltet nur Kurse, alles andere muss extra angemeldet werden“, sagt sie. Anders als der DTIV war der WDTU in Verhandlungen mit der Gema eingestiegen und hat für seine Mitglieder einen neuen Pauschalvertrag abgeschlossen, der seit dem 1. Januar 2025 in Kraft ist. In dem sei, so sagt Hillenkamp, auch eine Staffelung enthalten. Überschreitet der Umsatz minimal die nächste Stufe, würden schnell 2000 Euro mehr fällig. „Das ist ungerecht“, kritisiert sie das Modell.

Dennis Ewerth ist Inhaber der Tanzwelt Movement in Eisenberg und Mitglied in beiden Verbänden. Er sagt, es habe verschiedene Möglichkeiten gegeben, mit dem Thema drohender Gebührenerhöhungen umzugehen. Das Abwarten der anhaltenden juristischen Auseinandersetzung samt späterer Vertragsverhandlungen zwischen Gema und DTIV sei eine gewesen. „Ich wollte nicht in der Luft hängen“, war das für Ewerth mit Blick auf mögliche Nachzahlungen keine Option. Auch angesichts des langen Zeitrahmens. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir bis Mitte 2026 einen Vertrag haben.“ Ewerth hat sich daher der Regelung mit der WDTU angeschlossen. Der beinhaltet weitaus schlechtere Konditionen als bisher. Er beziffert die Gema-Gebühren auf das Doppelte dessen, was er bisher zahlen musste. Und wird dann konkret: „Es geht um 15.000 Euro im Jahr.“ Die Gebühren, die laut des Tanzschulinhabers bereits in den Jahren 2022 und 2023 stärker als bisher gestiegen waren, sind für ihn mittlerweile zu einem signifikanten Kostenfaktor geworden. Zumal er auch die von Hillenkamp angesprochenen Zusatzkosten für Veranstaltungen bestätigt. Für Tanzpartys müsse er daher mehr Eintritt verlangen. Dann kämen aber womöglich auch weniger Menschen. Insofern steht für ihn die Frage im Raum, das Angebot außerhalb der Kurse zu verringern.

Mehrkosten sollten, so die einfache Rechnung, aufgefangen werden. Bisher decke er sie lediglich mit Einnahmeeinbußen ab, lacht Ewerth bitter. Er hat außerdem – wie auch Katja Hillenkamp – die Gebühren für die Tanzkurse erhöht. „Aber das können wir nicht alles umlegen, es muss ja im Rahmen bleiben“, macht Hillenkamp deutlich, dass die Erhöhung keinesfalls die Mehrkosten deckt. Auch sie geht mittlerweile davon aus, dass sie künftig den doppelten Beitrag an die Gema wird zahlen müssen. Und das, obwohl die deutschen Tanzschulen im europäischen Vergleich laut Ewerth schon zuvor die höchsten Gebühren zu tragen hatten.

Mit Blick auf die gestiegenen Kosten setzen in den Tanzschulen auch Überlegungen ein, in den Kursen lizenzfreie Musik einzusetzen. Das sei aber nur bedingt möglich. „Ich kann damit keinen Hip-Hop-Kurs, keinen Line-Dance oder Kinderkurs machen“, winkt Ewerth ab. „Wir müssen teils mit Charts-Musik arbeiten“, sagt auch Hillenkamp. Also heißt es weiter an der Einnahmenseite drehen. Beide schließen daher nicht aus, dass ihre Kurse nochmals teurer werden.

Die Gema sei, erzählt Dennis Ewerth, während der weiterhin ausstehenden juristischen Klärung bereits an einzelne Tanzschulen direkt herangetreten und habe sie zur Zahlung aufgefordert. „Es ist dann eine Frage, wie man mit diesem Druck umgeht“, sagt er. Zugleich geht es um finanzielle Möglichkeiten. Doppelte Gebührenkosten muss man sich leisten können. „Die wenigsten Tanzschulen schwimmen im Geld“, sagt Ewerth. Werden denn alle diese drastische Kostenerhöhung überleben? „Nein“, ist Dennis Ewerth sicher. Katja Hillenkamp stimmt ihm zu. „Viele Tanzschulen werden das nicht leisten können.“ Sie wisse auch nicht, ob sie es kann.

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