Bad Dürkheim Per Ordre de Mufti

Reden wir heute mal nicht über Fußball an dieser Stelle. Reden wir mal über Gewohnheiten. Was sagen Angewohnheiten von Menschen über deren Charakter aus? Nehmen wir als Beispiel vielleicht die 19 Tippgemeinschaften, die sich zum RHEINPFALZ-WM-Tippspiel zusammengefunden haben. Langsam kommen sie einem schon wie alte Bekannte vor, ohne dass man die dahinter steckenden Personen je persönlich näher kennengelernt hat.
Da wäre etwa unser Tabellenführer, das Team Palatinum mit Kapitän Michael Wolf, seinen Söhnen Linus, Aurelius und seiner Frau Melanie. Michael ist so ein Typ, nach dem man die Uhr stellen kann. Seine Tipps – wir hegen die Vermutung, dass er seine Familie nicht schon um 5 Uhr früh befragt, sondern per Ordre de Mufti festlegt, wie die Spiele zu enden haben – kommen morgens pünktlich zwischen sechs und sieben Uhr per E-Mail. Also um eine Uhrzeit, zu der normale Redakteure mal gemütlich mit einem breiten Grinsen im Gesicht für kleine Königstiger gehen und sich dann nochmal ins Bett fläzen. Bei Michael ist das anders. Er ist keiner, der aus dem Rahmen fällt, auch wenn es im Bild rechts fast danach aussieht. Michael bereitet sich gewissenhaft auf den Tag vor, liest alle Fußball-Gazetten zwischen West-Wyoming und Wanne-Eickel, ruft dann kurz bei Sepp Blatter an, um die Ergebnisse zu verifizieren. Gut möglich, dass Michael seine Finger im Spiel hatte, als der Schiedsrichter im Spiel Spanien gegen Chile plötzlich sechs Minuten Nachspielzeit verordnete. Michael überlässt nichts dem Zufall, er hatte schließlich auf Sieg für Spanien getippt. Nein, Michael niemand zweifelt an Deinem Fußballsachverstand. Es ist nur so: Wir können schlecht verlieren und es wird Zeit dass Du die Spitze frei machst. Spätestens heute Abend, wenn die Schweiz dem gemeinen Franzosen zeigt, wo der Barthel den Most holt. :-) Um im Jargon der „Ballprofis mit vier Pfoten“ zu sprechen, müsste man wohl eher sagen: Wo der Rüde den Knochen versteckt. Was hier passiert, ist ergebnistechnisch völlig im Sinne der Redaktion. Mit bisher drei Punkten hält sich das Team um die zertifizierte Hundeerzieherin Annette Möckel stets nah am Tabellenende und somit in erreichbarer Schlagdistanz für uns „Lahme Zeitungsenten“ (nach wie vor letzter Platz) auf. So kann es weitergehen. Die Tipper sind hier übrigens nicht die Hundehalterinnen, sondern die Hunde selbst, wie Möckel glaubhaft versichert. Die Tier würden jeweils zwischen verschiedenen vorher den jeweiligen Fußballteams zugeordneten Gegenständen wählen, die sie apportieren. Man will sich ja auch nicht wirklich vorstellen, dass Frauchen auf diese Art zu ihren Tippergebnissen gelangt. Sitz! Womit wir wieder beim Thema anerzogene Gewohnheiten wären. Was sagt es zum Beispiel aus, wenn uns manche Tipps eines bestimmten Teams immer um Punkt 15.01 Uhr erreichen. Ist das Provokation? Wenn die Tipps wenigsten so exakt wären, wie die tägliche Mail. Zu den Provokateuren gehören auch die Palzpirade, die sich mit ihrem Tipp auf Chile besser positioniert haben, was beweist, dass ein wenig Mut schon dazugehört. Das Redaktionsteam setzt daher heute als einziges auf einen Sieg der Schweizer. Soviel zum Thema „Wir reden heute mal nicht über Fußball“. Ging schon wieder schief. Naja, vielleicht morgen. Mal sehen, ob die Frühaufsteher vom Team Palatinum auch dann noch die Nase vorne haben.