Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Paradies mit Saumagen: Wie sich Metzger Appel von den Supermärkten absetzen will

Viele Auszeichnungen hat Metzgermeister Reinhard Appel (rechts) angesammelt. Lucas Müller leitet ab September das „Saumagenparad
Viele Auszeichnungen hat Metzgermeister Reinhard Appel (rechts) angesammelt. Lucas Müller leitet ab September das »Saumagenparadies«.

„Saumagenparadies“ heißt die Metzgerei von Reinhard Appel. Das Fleisch für den Pfälzer Klassiker bezieht er aus dem Kreis Schwäbisch Hall. Warum?

Mit 71 Jahren führt Reinhard Appel weiterhin seine Metzgerei „Saumagenparadies“ im Riedweg in Freinsheim. „Ich habe da immer noch Spaß dran“, betont er. Jedoch verwirklicht sich der Metzgermeister mittlerweile auch den einen oder anderen Traum, der nichts mit Fleisch und Wurst zu tun hat: Motorradfahren in den USA zum Beispiel. Davon zeugt ein Schild mit der Aufschrift „Route 66“, das an der Tür zur Metzgertheke hängt.

In dieser Woche feiert Appel Jubiläum: Vor 25 Jahren begann seine Selbstständigkeit mit einem eigenen Geschäft in Mundenheim. Der gebürtige Geinsheimer kennt sich aus in der Region. Und das nicht nur wegen seiner verschiedenen Geschäfte oder Produktionsstätten, die er während dieser 25 Jahre auch in Fußgönheim, Kallstadt oder Birkenheide betrieben hatte. Außerdem ist er mit seinem rollenden Verkaufsladen auf verschiedenen Wochenmärkten in der Vorderpfalz sowie in Mannheim vertreten. „80 Prozent meines Umsatzes mache ich dort“, erzählt Appel. Hinzu kämen etwa 15 Bauernmärkte im Jahr.

Klassiker mit Chilli und Schafskäse

Pfälzer Produkte wie Saumagen, Leberknödel und Bratwurst sind hier am beliebtesten. Aber auch Appels handgerollte Knödel sind Verkaufsklassiker geworden. Natürlich gibt es auch einen Saumagen in Knödelform. Den Pfälzer Klassiker füllt er je nach Saison. Im Frühjahr gibt es zum Beispiel welchen mit Bärlauch, aber auch eine Variante mit Chilli und Schafskäse sei nicht zu verachten, erzählt er. Für den Freinsheimer Mandelhof produziert er auch Saumagen mit Mandelkernen. Neuerdings hat Appel auch vegane Bratwurst sowie Grillkäse im Regal.

Seine Waren verkauft der Metzgermeister inzwischen auch erfolgreich über seinen Onlineshop. „Mittwochs ist Verpackungstag“, erzählt er. Verschickt werden die Pakete nicht nur in ganz Deutschland. Sogar aus den USA kämen Anfragen. Dorthin verschicke man aber nur Dosenprodukte. Bei kürzeren Strecken würden Kühlpads verwendet.

Viele Sorten müssen es heutzutage sein

Als Metzgermeister müsse man heutzutage darauf achten, das Sortiment so einfallsreich wie möglich zu gestalten. „Früher gab es zwei Sorten Salami, das geht heute gar nicht mehr“, weiß Appel. Aber die Konkurrenz der Supermärkte verlange einem kleinen Handwerksbetrieb eben einiges ab. „Die Metzgereien sind durch große Märkte wie Globus stark verdrängt worden“, bedauert der Freinsheimer. „Als ich in Haßloch gelernt habe, gab es noch 16 Metzgereien, jetzt gibt es dort nur noch eine.“

Appel versucht, sich gegen die Industrieproduktion der Großmärkte abzusetzen. Er bezieht sein Schweinefleisch von der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Die Herkunft der Tiere sei zu jedem Bauernhof nachvollziehbar, betont Appel. Die Bauern würden dort Wert auf artgerechte Tierhaltung und Fütterung legen. „Angeliefert werden halbe Tiere und wir zerlegen sie dann“, erklärt Appel. Sonst könne man preislich mit den Supermärkten nicht mehr mithalten.

Im Gegensatz zu heutigen Metzgern habe er zu Beginn seiner Laufbahn auch viel selbst geschlachtet. Einen Nachfolger für seinen Betrieb hat er lange gesucht. Mit einem eigenen Gesellen, der seit einem Jahr Meister ist, hatte Appel Glück: Der 24-jährige Lucas Müller wird im September das Geschäft übernehmen. Ganz auf sich allein gestellt ist Müller dann aber nicht. „Ich bleibe ihm noch ein bisschen erhalten, damit er hineinwachsen kann“, sagt Appel.

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