Bad Dürkheim
Pächter des Ungsteiner „Honigsäckel“ gibt auf
Nachdem sich Jan Kiy seit über fünf Jahren den Traum von der eigenen Gastronomie erfüllt hat und mit dem Honigsäckel auf einem sehr erfolgreichen Weg war, macht der gelernte Einzelhandelskaufmann und Hotelfachmann Schluss. „Betrachte ich das letzte Jahr aus der heutigen Perspektive, sehe ich schwarz auf weiß durch Covid-19 einen Umsatzverlust von 44 Prozent“, berichtet der Gastronom, der für 2021 sogar ein noch düstereres Bild zeichnet.
Seine Ersparnisse habe er bereits im Frühjahr 2020 aufgebraucht, und auch der gute Sommer konnte nicht dazu beitragen, alles wieder aufzuholen oder gar ein neues Polster zu schaffen. Trotz der Soforthilfen im November und Dezember sei keine Erleichterung in Sicht. „Im Moment ist alles sehr traurig, meinen Traum und Lebenswerk musste ich aufgeben. Allerdings stellt der Schritt auch eine gewisse Befreiung dar“, berichtet Kiy. Nun könne er konkret planen, wie es in Zukunft weitergehen könnte.
Der psychische Druck ist weg
Obwohl die Befreiung noch nicht so ganz angekommen sei, habe er das Gefühl, dass er den psychischen Druck, der auf der Seele lag, losgeworden sei. „Es ist wieder ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, und eine neue Perspektive wird sich ergeben“, sagt der 48-Jährige, der sich vorstellen kann, zunächst wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückzukehren. Dabei seien Themen wie Projektmanagement, Marketing oder erneut die Gastronomie denkbar. „Das lasse ich alles auf mich zukommen, das Vergangene muss erst einmal sacken. Die Abwicklung im Honigsäckel steht jetzt an, und dann geht es irgendwann weiter“, informiert Jan Kiy.
Er wohnt mit seiner Familie in Seebach und hat seine Jugend in Binz auf der Insel Rügen verbracht. Dort wurde er 1992 zum Einzelhandelskaufmann ausgebildet, um 1994 noch eine Ausbildung zum Hotelfachmann im Seehotel in Ketsch anzuschließen. In den folgenden Jahren übernahm er in verschiedenen Hotels Führungsaufgaben und arbeitete bis zur Übernahme des Honigsäckels im November 2015 etwa 15 Jahre als Manager in einem Eventbüro.
Ohne Veranstaltungen wird es schwierig
„Das Honigsäckel ist ein sehr großes Objekt, das uns die Möglichkeit gegeben hat, auch große Veranstaltungen zu organisieren, die weit über 50 Prozent des Umsatzes ausgemacht haben. Wenn diese Events wegfallen, wird es schwierig“, erklärt Kiy, der schon im November darüber nachgedacht hat, den Schlussstrich im Honigsäckel zu ziehen und dies nun verkündet hat. „Wir sind an die Öffentlichkeit gegangen, weil wir auch oft gefragt wurden, ob wir denn weitermachen würden oder nicht. Da haben wir endgültig die Reißleine gezogen“, sagt der Norddeutsche, der sich bei allen Freunden und Gästen für die großartige Unterstützung und Anteilnahme, die ihm in den vergangenen Jahren entgegengebracht wurde, bedanken möchte.
Für den Eigentümer des Honigsäckel, Michael Wolf vom Weingut Wolf in Ungstein, kam die Kündigung relativ überraschend. „Wir können aber verstehen, dass Herr Kiy in der jetzigen unsicheren Situation keine Perspektive mehr gesehen hat“, berichtet Wolf. Er bemühe sich, das Honigsäckel nicht lange leer stehen zu lassen und kümmere sich bereits um einen neuen Pächter. „Wir strecken gerade unsere Fühler aus und machen uns Gedanken“, sagt der Winzer. Obwohl die Bedingungen im Moment nicht optimal seien, hätten sich schon Interessenten bei ihm gemeldet. „Es ist noch nichts vergeben und entschieden. Wer Interesse oder tolle Ideen hat, kann sich gern bei mir melden“, erklärt Michael Wolf.