Bad Dürkheim Ort des Rieslings und der Ruhe

Zum Abschluss durfte verkostet werden.
Zum Abschluss durfte verkostet werden.

«Wachenheim.» Eine Amsel singt, Schwalben fliegen hektisch umher, an der Außenwand der Vinothek krabbelt eine kleine Eidechse. Im angrenzenden Weinberg verrichtet ein Traktor seine Arbeit. Einen Ort der Ruhe und des Rückzugs zu schaffen – das war eines der Ziele von Bettina Bürklin-von Guradze, als sie entschied, die Vinothek in das Familienanwesen in der Ringstraße zu verlegen und den Englischen Garten ihren Gästen zugänglich zu machen. Und natürlich einen Ort für Riesling-Genuss zu schaffen. Die Geschichte des etwa 1,6 Hektar großen Englischen Gartens ist untrennbar mit der des Weinguts verbunden. Bürklin-Wolf war bis in die 1970er-Jahre hinein ein Mischbetrieb, im Englischen Garten wuchs Gemüse. Später war das Areal verpachtet. In den 1990er-Jahren habe man dann entschieden, das Gelände in der heutigen Form zu gestalten, berichtet Bettina Bürklin-von Guradze. Klassische Elemente sind beispielsweise der Sunken Garden, eine etwas tiefer liegende Fläche, oder ein kleiner Rosengarten. Einer der Hingucker beim Besuch der zwölfköpfigen Lesergruppe ist die prächtige Lavendelallee, die in voller Blüte steht und von zahlreichen Schmetterlingen besucht wird. Außer der Ruhe und dem Landschaftsgarten selbst ist es vor allem der Blick auf die Top-Weinlagen zwischen Wachenheim und Forst, die beeindrucken. „Unser eigentlicher Schatz, das sind unsere Spitzenlagen“, erklärt die Weinguts-Chefin. Diese gelte es zu hegen und zu pflegen. Seit Anfang der 2000er-Jahre arbeitet das Weingut biodynamisch, 2005 wurde die Bewirtschaftung der 85 Hektar umgestellt, seit 2008 ist der Betrieb offiziell zertifiziert. „Spitzenweine sind ohne ökologischen Ansatz nicht herzustellen“, ist Bettina Bürklin-von Guradze überzeugt. Die Biodynamie sei für sie kein Marketinginstrument, sondern ein Werkzeug, um Spitzenqualität zu erzeugen, ergänzt sie. Wie alt denn die ältesten Rebstöcke des Weinguts seien, möchte eine RHEINPFALZ-Leserin wissen. „Manche stehen seit Mitte der 1970er-Jahre“, so die Gastgeberin. Durch den biodynamischen Ansatz hoffe sie, dass die Reben 50 Jahre und älter werden. „Wenn wir nachpflanzen, dauert es zehn Jahre, bis wir dort Trauben für einen Wein der Spitzenkategorie ernten können“, erzählt Bürklin-von Guradze. Bei der Klassifikation der Weine war Bürklin-Wolf einer der Pioniere in Deutschland: Bereits vor 25 Jahren stellte das Weingut auf die vierstufige Klassifikation um, wie sie beispielsweise im Burgund üblich ist. Gutswein, Ortswein, Premier Cru und Grand Cru heißen die verschiedenen Stufen. Diese Qualitätspyramide erklimmen die RHEINPFALZ-Leser gemeinsam bei einer kleinen Weinprobe. Bereits in den Ortsweinen werden Beeren aus den Spitzenlagen verarbeitet. Der Forster Riesling beispielsweise ist eine Lagencuvée aus Kirchenstück, Jesuitengarten, Pechstein und Ungeheuer – was auch das gehobene Preisniveau erklärt. Außer der Biodynamie ist die Zeit ein wesentlicher Faktor der Bürklinschen Weinphilosophie. „Faszination der Reife“ – so nennt es die Gastgeberin. Schon bei den Ortsrieslingen wird eine Charge zurückgehalten, die erst nach zwei Jahren auf den Markt kommt. Die Spitzengewächse werden nicht zu Verkostungen angestellt, wenn sie dafür zu früh abgefüllt werden müssten. Wer das Ambiente im Englischen Garten genießen möchte, kann das zu den Öffnungszeiten der Vinothek tun. Oder zur Weinzeit vorbeischauen, die von April bis Oktober am ersten Wochenende des Monats stattfindet. Dazu gibt es weitere kleinere Veranstaltungen. Großveranstaltungen möchte Bettina Bürklin-von Guradze bewusst nicht in ihrem Englischen Garten. Dort soll es ja um Rückzug und Ruhe gehen. Und natürlich um Riesling.

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