Bad Dürkheim Ohne Hindernisse radeln
«Bad Dürkheim.» 2,50 Meter breit muss ein solcher Radweg mindestens sein, damit zwei Handbikes problemlos aneinander vorbeifahren können. Ist die Breite nicht möglich, sollte es zumindest Ausweichbuchten geben. Der Radweg darf höchstens eine Steigung von sechs Prozent haben, soll also mit relativ wenig Kraftaufwand schaffbar sein. Außerdem soll es barrierefreie Rastmöglichkeiten geben. Das bedeutet: keine Stufen am Rastplatz, ein mit dem Rollstuhl unterfahrbarer Tisch, barrierefreie Toiletten – beispielsweise in den Rathäusern der Orte, durch die diese Radwege führen. Der Kreis gehört zu den zehn Modellregionen, die beim Landesporgramm „Tourismus für alle“ mitmachen, hat sich dafür 2015 beworben. Das barrierefreie Radwegenetz soll es künftig zwischen Bad Dürkheim, den Verbandsgemeinden Wachenheim und Deidesheim sowie Haßloch und Neustadt geben. Und das ist das Besondere an dem Projekt. Nur zwei andere Landkreise machen mit, beide wollen jeweils „nur“ eine Strecke barrierefrei gestalten. „Bei uns werden es Rundstrecken in einem Netz“, erklärt Raimund Rinder, beim Kreis unter anderem für Barrierefreiheit zuständig. Nach der Bewerbung des Kreises passte es gut, dass der Landesbetrieb Mobilität 2017 auf den touristischen Radwegen im Kreis eine Kontrollbefahrung geplant hatte, die Frage nach der Barrierefreiheit wurde dabei mitgeprüft. Die Fahrten fanden 2018 statt und sind abgeschlossen. „Wir haben für die geplanten 100 Kilometer festgestellt, dass sie mit einem vertretbaren Aufwand barrierefrei zu machen sind“, sagt Rinder. Er geht davon aus, dass letztlich 70 bis 80 Kilometer barrierefreie Radwege umgesetzt werden. Aber: Der Kreis ist nur dafür zuständig, die Fördermittel zu beantragen, das soll im Juni passieren. Bis dahin können die beteiligten Kommunen entscheiden, ob und mit welchen Strecken sie mitmachen. Ab der zweiten Jahreshälfte sollen die Gemeinden dann „ihre“ Radwege ertüchtigen, „das soll 2021 abgeschlossen sein“, führt Rinder weiter aus. Im Jahr 2022 sollen die Wege zertifiziert und beschildert werden. „Im Jahr 2023 wollen wir mit dem Land alles abgerechnet haben“, sagt Rinder. Der Kreis übernimmt nur den Antrag und – wenn nötig – die Zwischenfinanzierung. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil so eine einheitliche Planung für das Wegenetz möglich ist. Letztlich müssen die Kommunen selbst für anfallende Baukosten aufkommen – aber mit 85-prozentiger Förderung vom Land, wie die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses mitteilte. „Und das auf Wegen, die vielleicht sowieso hätten ausgebessert werden müssen“, hebt Rinder den Vorteil der Förderung hervor. Diskutiert wird derzeit noch in Haßloch und Meckenheim. Unter anderem ging es darum, welche Folgen die barrierefreien möglicherweise für die Landwirtschaft hat. Rinder ist wichtig: „Wir bewegen uns mit dem ,neuen’ Netz auf touristischen Radwegen.“ Das bedeutet, es gibt keine neuen Radwege, „es ist nur eine qualitative Verbesserung“. Was konkret angegangen werden muss? In Mußbach ist eine Querungshilfe schlecht befahrbar, „vielleicht versetzen wir sie oder senken sie ab“, erklärt Rinder. Oft haben Wurzeln am Wegrand wachsender Bäume die Radwege beschädigt, beispielsweise in Haßloch in der Füllergasse. Manchmal müssen Radwege auch nur minimal anders geführt werden, um die Kriterien zu erfüllen. Manchmal ist das aber auch einfach nicht möglich. „Die B 39 liegt in Lambrecht zu eng an den Häusern. Deshalb ist Lambrecht Teil der Modellregion, aber nicht Teil des barrierefreien Radwegenetzes“, erklärt Rinder. „Da wäre unsere einzige Möglichkeit gewesen: Häuser abreißen und die Straße breiter machen.“ Dass das keine Option ist, dürfte auf der Hand liegen. Inklusive Planung, Zertifizierung und Beschilderung rechnet Rinder mit Kosten von rund drei Millionen Euro. Dann könnte es in Dürkheim knapp zehn Kilometer barrierefreie Radwege geben, in der Verbandsgemeinde Wachenheim rund 19, in Haßloch knapp 30, in Neustadt knapp 20 und in der Verbandsgemeinde Deidesheim knapp 22 Kilometer. Einwurf