BLICKPUNKT RHEINPFALZ Plus Artikel Nur noch halb so viele Patienten

In den Praxen niedergelassener Ärzte geht es wegen der Pandemie deutlich ruhiger zu als sonst.
In den Praxen niedergelassener Ärzte geht es wegen der Pandemie deutlich ruhiger zu als sonst.

Auch Hausarztpraxen leiden unter der Coronavirus-Pandemie. Die Mediziner berichten, dass wesentlich weniger Patienten zu ihnen kommen. Die telefonische Sprechstunde hat dagegen zugenommen. Die Ärzte appellieren an die Menschen, die Abstands- und Hygienevorschriften unbedingt weiter einzuhalten.

In der Gemeinschaftspraxis Dr. Roland Wernz und Dr. Volker Benz in Ellerstadt ist das Patientenaufkommen um etwa ein Drittel zurückgegangen. „Wir haben es so gesteuert, dass nur die Patienten zu uns kommen, die es absolut nötig haben“, berichtet Benz. Dazu entscheidet das Ärzteteam anhand der telefonisch geschilderten Krankheitssymptome, wer in die Sprechstunde kommen soll. In der umorganisierten Praxis würden selbstverständlich alle Helferinnen einen Mundschutz tragen und die Patienten einzeln eintreten, im Wartezimmer halte sich zurzeit niemand auf. Es sei kurzerhand auf die Straße verlegt worden, wo die Leute mit dem nötigen Abstand zueinander warten könnten. „Wir verteilen die Patienten momentan so, dass der gegenseitige Kontakt minimiert werden kann“, informiert Benz.

Habe jemand Angst vor dem neuen Coronavirus und befürchte, sich angesteckt zu haben, zeige aber noch keins der bekannten Symptome, werde zunächst das Befinden in den nächsten Tagen abgewartet. „Wenn jemand jedoch über Husten, Halsschmerzen und Fieber klagt, leiten wir alle nötigen Schritte in die Wege, damit er sich testen lassen kann“, hebt der Mediziner hervor. Dann werde der Kontakt zu einem der Testzentren in Neustadt, Grünstadt, Mutterstadt oder auch der Infektionsambulanz in Ludwigshafen hergestellt.

“Schädigt mehr die Geschäftswelt“

In die Praxis von Dr. Hans Voigt in Wachenheim kommen wegen der Corona-Krise ebenfalls ein Drittel weniger Patienten, da sie Angst hätten. Voigt musste seine Praxis auf Anordnung des Gesundheitsamts eine Woche schließen, weil er zu Beginn der Pandemie einen Corona-Patienten in seiner Praxis hatte. „Das Virus schädigt weniger die Gesundheit als die Geschäftswelt“, findet er und ergänzt, dass bei einem Vergleich von Statistiken nicht nachvollziehbar sei, dass dieses spezielle Virus solche weitreichenden Folgen habe. Denn sterben würden wie bei allen Infektionen ältere Menschen, die rauchen und multimorbide – mit mehreren gleichzeitig auftretenden Krankheiten – sind. Außerdem hätten Professoren im Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg herausgefunden, dass die allerwenigsten Todesfälle direkt dem Coronavirus zuzuordnen seien. „Corona ist für einen normalen, gesunden Menschen nicht mehr als eine Grippe“, sagt der Mediziner.

Der Unterschied sei, dass fünf Prozent der Covid-19-Patienten in Atemnot und an eine Beatmungsmaschine kämen. Bedenklich sei aus seiner Sicht, dass sich das Virus innerhalb von vier Wochen weltweit verbreiten konnte. Voigt weist daraufhin, dass jeder Bürger für seinen Schutz verantwortlich sei und dafür sorgen solle, den nötigen Abstand zu halten und größeren Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen. Die Abstandsregeln, die in den Supermärkten gelten, könnten auch in einem Biergarten eingehalten werden. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass trotzdem die Ansteckungszahlen wieder ansteigen und es dann wesentlich schlimmer werde als jetzt. Deshalb mahnt er, die Abstands- und Hygieneregeln weiter einzuhalten. Für ihn selbst sei die Situation im Moment sehr entspannt, der Stress habe nachgelassen. „Ich kann jedoch nicht behaupten, dass ich das schön finde, eine volle Praxis bedeutet für mich viel mehr Motivation“, sagt er.

Disziplin und Geduld gefragt

Dr. Hubert Baumann aus Bad Dürkheim berichtet, dass Corona alles geändert habe. Die Patienten hätten Angst und seien in den vergangenen Wochen nur noch in akuten Fällen in die Praxis gekommen. Viel werde über das Telefon erledigt, bei Lebensgefahr könne die Leute jedoch sicher sein, dass der Rettungsdienst schnell anrückt. „Es ist aber zu beobachten, dass der normale Praxisbetrieb mit Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen langsam wieder anläuft“, berichtet der Arzt. Die Menschen verhielten sich aber vorsichtiger. „Die Patienten, die zu uns kommen, sind sehr diszipliniert, kommen mit Mundschutz und halten die Abstandsregeln vorbildlich ein“, lobt Baumann. Bisher seien 19 seiner Patienten auf Corona getestet worden, davon einer positiv. Der Betreffende sei mittlerweile wieder genesen. Die schrittweise Öffnung der Gastronomie und Geschäfte hält er für in Ordnung. Dennoch sollte jeder äußerste Vorsicht im gegenseitigen Umgang walten lassen, denn einen Impfstoff werde es wohl frühestens in einem Jahr geben. Anschließend werde es noch einmal ein paar Monate dauern, bis alle geimpft seien.

Händewaschen ist immer sinnvoll

Dr. Gauß aus Freinsheim berichtet, dass zurzeit nur noch etwa die Hälfte seiner Patienten in die Praxis komme. Das trage dazu bei, die veränderte Praxisorganisation besser bewältigen zu können, da die Leute vor der Praxis warten und nur noch einzeln hineingelassen werden. Außerdem könne das Ausgeben von Rezepten oder Überweisungen auch über ein geöffnetes Fenster abgewickelt werden. Er appelliert an die Patienten, bei ernsthaften Erkrankungen auf jeden Fall zum Arzt zu gehen und nicht aus Furcht vor einer Ansteckung zu Hause zu bleiben. Für Gauß steht fest, dass es womöglich noch einige Infektionswellen geben, aber irgendwann der Alltag zurückkehren werde. Dann werde wohl leider auch die Begeisterung für die systemrelevanten Berufe sehr schnell nachlassen, befürchtet er und wirbt dafür, vor allem die Pflegeberufe auch finanziell mehr zu unterstützen. Im Gegensatz zu einer „normalen“ Grippe handele es sich bei Corona um ein wesentlich gefährlicheres Virus. Bei den Schutzmaßnahmen wünscht er sich eine bessere Abstimmung. „Da blickt ja keiner mehr durch, was man nun darf und was nicht.“ Daneben appelliert er, sich weiter an die Hygieneregeln zu halten. Hände waschen etwa sei bei jeder Infektion sinnvoll.

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