Bad Dürkheim Nummer sicher und müßige Fragen

Mag sein, dass Aldi etwas zu ehrgeizig war, um es mal so auszudrücken, liebe Leserinnen und Leser. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man einige Hintergründe mehr kennt zu dem – gescheiterten – Vorhaben des Discounters, zusammen mit einem Vollsortimenter im Ortwingert einen Doppel-Einkaufsmarkt zu bauen. Und eben nicht, wie von der Stadt geplant, im Fronhof II. Man könnte auch sagen, der Konzern hat versucht, von hinten durch die kalte Küche zu kommen. Und mit Hilfe der Öffentlichkeit ein bisschen Druck aufzubauen. Vor anderthalb Jahren hat Aldi mit der Stadt gesprochen wegen eines zweiten Standorts in Bad Dürkheim. So hatte es der Vertreter der Konzernfiliale in Kirchheim selbst gesagt. Der Discounter gehört denn auch zum Kreis von zehn bis zwölf Interessenten für den Markt im Fronhof II, mit denen die Stadt vereinbart hatte, sich zu gegebener Zeit bei ihnen zu melden. Womöglich ist der Konzern nicht gewohnt, nur Gleicher unter vielen zu sein. Und man kennt das virale Interesse von Sven Stiegler und der Firma Edeka, im Fronhof II eine zweite Nah&Gut-Niederlassung neben der am Obstmarkt zu betreiben. Klar ist, dass im Fronhof II kaum Platz für zwei Märkte sein wird, und die Stadt gemäß ihres Einzelhandelsgutachtens einen Vollsortimenter favorisiert. Ergo knüpft man Kontakt mit Edeka und entwickelt die Idee eines Doppelmarkts auf der anderen Straßenseite im Ortwingert, immer noch wohnortnah. Davon erfährt die Stadtspitze auf der politischen Schiene aus der CDU. Also von dritter Seite. Der Aldi-Mann wohnt in Bad Dürkheim und versucht, seine Kontakte zu nutzen – absolut legitim. Er versucht außerdem, sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Aldi und Edeka nebeneinander im Ortwingert, das klingt auf Anhieb positiv, nicht nur für die künftig bis zu 1400 Neubürger im Fronhof II, sondern auch für die Dürkheimer im Süden und Südwesten der Stadt bis hoch nach Seebach mit seinen allein mehr als 2000 Einwohnern. Aldi geht sogar an die Öffentlichkeit – ein seltenes Phänomen. Das bringt die Stadt etwas in die Bredouille. Sie kann nicht öffentlich über eine „Idee“, wie Aldi es selbst noch bezeichnet, diskutieren, die sie nur vom Hörensagen beziehungsweise, was den Bauausschuss angeht, aus der Zeitung kennt. Außerdem steht sie im Wort gegenüber allen anderen Interessenten, auf jeden zuzukommen, wenn sie den Moment als gekommen ansieht. Hier geht es um Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit – Werte, die im soliden Politikstil der Stadt Bad Dürkheim hohen Stellenwert und sich bewährt haben. Noch höheren Stellenwert hat in Verwaltung und Gremien der Schutz des Innenstadthandels als gleichrangig mit der grünen Wiese. Auch damit ist man in der Vergangenheit gut gefahren, wie der Baudezernent zurecht betont hat. Mit einem 1600-Quadratmeter-Laden im Süden stiege die Verkaufsfläche in Bad Dürkheim laut Einzelhandelsgutachten auf 700 Quadratmeter pro tausend Einwohner. In Grünstadt ist diese Messzahl zweieinhalb Mal so hoch – die Innenstadt blutet aus, auch die in Ludwigshafen durch die Rheingalerie. Die Doppellösung ist jedenfalls vom Tisch und damit viele Fragen müßig. Hätten die Winzer das Gelände überhaupt abgetreten? Denn was nützt ihnen viel „Aldi-Kohle“, wenn sie sie größtenteils reinvestieren müssen, aber es derzeit kaum mehr Flächen gibt. Kann ein Edeka allein im Fronhof II auf Dauer existieren oder fahren dann doch wieder alle gleich drei Kilometer weiter ins Bruch, weil’s dort alles an einem Platz gibt? Hätte ein Aldi II im Ortwingert tatsächlich Relevanz für die Innenstadt, wenn es dasselbe Sortiment im Aldi I gibt? Diese letzte Frage war für den Bauausschuss die wichtigste, und er hat sie auf breiter Front mit ja beantwortet. Nummer sicher. Es ging ihm auch nicht um den bequemsten Verfahrensweg, sondern um den schnellsten zu weiterer ortsnaher Versorgung. Und um größtmögliche Einflussnahme auf Sortiment und Außengestaltung – die auf alternativen Wegen zuletzt von neuer Rechtsprechung kassiert worden sei. Ein „müßiges“ Wochenende wünscht Ihnen