Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nie oben ohne: Was es bei Fahrradhelmen zu beachten gibt

Die Auswahl an Fahrradhelmen ist groß. Andreas Tempel weiß, was passt..
Die Auswahl an Fahrradhelmen ist groß. Andreas Tempel weiß, was passt..

Andreas Tempel von Fahrrad Tempel und Ines Maurer vom Bella Bici sind sich einig: Fahrrad fahren nur mit Helm. Die Profis erklären, was es beim Helmkauf zu beachten gibt, wie er auf dem Kopf sitzen sollte und wieso vererbte Helme sinnlos sind.

„Helm tragen ist zwar nicht Pflicht, aber sinnvoll“, meint Andreas Tempel. Er sieht eine klare Tendenz – immer mehr Radfahrer haben einen Helm auf dem Kopf. Seine Kollegin Ines Maurer ist derselben Meinung. Sie verkauft jährlich zwischen 180 und 200 Helmen und legt in ihrem Geschäft viel wert auf gründliche Beratung. Wie sollte ein Helm denn überhaupt sitzen? „Ein Anhaltspunkt ist immer: Es sollte ein Finger zwischen Augenbraue und Helmrand sein“, erklärt die 55-Jährige.

Außerdem sollte es einen festen Kontakt mit dem Kopf geben. „Wenn man ihn hochzieht, sollten die Augenbrauchen mit hochgehen“, rät sie ihren Kunden. Der Gurt sollte einen Fingerbreit Abstand zum Kinn haben, also nicht zu eng sitzen. „Und wer es ganz genau machen will, der zieht den Helm auf und beugt sich bei geöffnetem Gurt langsam nach vorne. Wenn der Helm hält, sitzt er gut“, sagt die Chefin des Fahrradladens Bella Bici im Dürkheimer Bruch.

Vererben nicht erwünscht

Laut einer amerikanischen Studie kann ein Fahrradhelm 87 Prozent der Stoßenergie, die bei einem Aufprall auf den Schädel wirkt, abfangen. Der Helm wirkt dabei wie eine Art Stoßdämpfer, wird beim Aufprall zusammengestaucht. Dabei entstehen automatisch kleinere Risse, die den Helm danach unbrauchbar machen. „Er sollte nach einem Sturz auf jeden Fall ersetzt werden, da er keine hundertprozentige Sicherheit mehr garantieren kann“, sagt Tempel. Aber nicht nur ein Sturz sollte Anlass für einen neuen Helm sein. „Man sollte ihn alle fünf bis sechs Jahre erneuern, denn das Material bekommt Alterserscheinungen“, erklärt Maurer. Plastik werde porös und könne so bei einem Sturz leichter brechen.

Einen Helm an die nächste Generation zu vererben, weil er nie einen Sturz mitmachen musste, sei übrigens völliger Nonsens. „Wir kriegen so oft mit, dass zum Beispiel ältere Geschwisterkinder ihre Helme an die jüngeren ,vererben’. Das ist Schwachsinn, weil jeder Kopf anders ist und die Helme nach einer gewissen Zeit nicht mehr benutzt werden sollten“, warnt Maurer.

Sinnvolle Anschaffungskosten

Wer sich nicht sicher ist, wie alt der Helm schon ist , könne in die Innenseite schauen. „Dort findet sich neben dem Herstellungsdatum auch das CE-Prüfzeichen, das sehr wichtig beim Helm-Kauf ist“, erklärt Andreas Tempel. Er führt in der dritten Generation den Fahrradladen Tempel in der Dürkheimer Innenstadt.

Bei der Anschaffung eines neuen Helmes sollte der Radfahrer übriges mit 50 bis 60 Euro rechnen. In dieser Preiskategorie erhält der Käufer laut Maurer schon gute Sicherheitsstandards. Wer tiefer in die Tasche greift, bekommt sogar Helme mit praktischen Leuchtelementen und einem neuen Sicherheitssystem namens MIPS, das entwickelt wurde, um Gehirnerschütterungen bei einem Sturz zu reduzieren. „Gute Kinderhelme gibt es bereits ab 30 Euro von deutschen Herstellern“, empfiehlt sie.

Pastelltöne im Trend

Besonders beliebt sind auffällige Farben und ein sportliches Design, da geben Maurer und Tempel die gleiche Auskunft. „Besonders die Damen legen wert auf einen schicken Helm“, sagt Tempel und lacht. Neben Neon und Metallic sind bei Maurer vor allem Pastelltöne im farblichen Trend. Damit der Helm auch lange Zeit schön bleibt, ist übrigens nicht viel Pflege nötig. Experte Tempel rät seinen Kunden: „Das Innenpolster pflegen und ab und zu die Oberfläche feucht abwischen. Dann sieht er auch lange gut aus.“

Interessant zu wissen: Laut der Helm-Profis ist es am Ende nicht wichtig, für welchen Rad-Anlass der Helm genutzt wird. „Da gibt es wirklich kaum Unterschiede. Das ist typ- und herstellerabhängig. Manche fühlen sich mit einem nach hinten tiefliegenden Helm sicherer, die anderen präferieren eine rundere Form. Hauptsache ist, er sitzt gut“, betont Maurer. Nur für E-Bike-Fahrer wünscht sie sich spezielle Helmformen. In den Niederlanden gebe es die bereits. „Das sind ganz andere Geschwindigkeiten. Hier ist ein Helm absolut notwendig“, meint sie.

Um den richtigen Helm zu finden, sollte man sich in einem Fachgeschäft beraten lassen. Denn hier können die Profis den Sitz kontrollieren und notfalls nachjustieren. „Für jeden Kopf gibt es den passenden Helm. Und wir finden ihn“, sind sich Maurer und Tempel einig.

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