Bad Dürkheim / Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue App: Mithilfe von Bildern in die Vergangenheit reisen

Friseursalon Voss Bad Dürkheim 1946: Wer erkennt Pesonen auf dem Foto?
Friseursalon Voss Bad Dürkheim 1946: Wer erkennt Pesonen auf dem Foto?

Der Grünstadter Benjamin Schupp entwickelt die App „Nimmerso“ , um historische Aufnahmen für die Nachwelt zu erhalten. Noch ist sie nicht fertig, spannende Einblicke gibt es aber schon.

Der Grafiker Benjamin Schupp aus Grünstadt schätzt alte Fotos. Nachdem er die Idee, Bilder für die Nachwelt zu erhalten, schon ein paar Jahre verfolgt hatte, fand er 2018 Julian Stricker aus Südtirol, der auf der Suche nach einem Start-up war und dessen Großvater Fotograf gewesen war. Gemeinsam entwickelten sie die kostenlose App Nimmerso.

Gut zehntausend Fotos sind so, auch mithilfe jeder Menge Fleißarbeit, bereits hochauflösend digitalisiert und restauriert worden. Aktuell existiert die App in einer Testversion. Darin können die eingescannten Bilder optional künstlich koloriert werden. Mit der sich gerade stark verbessernden künstlichen Intelligenz sind Schupp und Stricker aber zuversichtlich, bald weitere Möglichkeiten in der App zu installieren. Schupp spricht von Methoden, die einen „verblüffenden Realismus“ erzielen können.

„Multimedialer Reiseführer in die Vergangenheit“

Derzeit sind die Bilder innerhalb des „multimedialen Reiseführers in die Vergangenheit“ über Ortsmarken auf einer Landkarte, sortiert nach Jahresangaben oder Kategorien für registrierte Nutzer zu finden. Besonders viele gibt es für die Region Vorderpfalz, alleine für Grünstadt sind über 2000 Bilder in der App enthalten.

Der Plan der beiden Nimmerso-Gründer ist klar: Eine App, deren Fundus an historischen Bildern sich stetig erweitert. Die Finanzierung der Scan-Aktionen, bei der Personen geerbte Bildern zeitweise an Bilder an Nimmerso übergeben oder senden, soll neben lokalen Geschäften als Sponsor vor allem durch Liebhaber des Projekts geschehen. „Wer Nimmerso Geld gibt, ermöglicht die Digitalisierung von Bildern aus der Umgebung. Wenig später sind die restaurierten Fotos dann öffentlich zugänglich, eine Bereicherung für alle“, meint Schupp. „Es geht uns darum, ein System aufzubauen, dass Interesse für Fotos von früher weckt und dieses dann in das Auffinden und digitale Absichern von historisch wertvollen Bildern verwandelt.“

Bad Dürkheim Riesenfass 1950er-Jahre
Bad Dürkheim Riesenfass 1950er-Jahre
Bad Dürkheim Saline 1926
Bad Dürkheim Saline 1926
Bad Dürkheim früher: weniger Wald, mehr Freiflächen.
Bad Dürkheim früher: weniger Wald, mehr Freiflächen.
Die Vorstadt in Grünstadt 1930 (von Thomas Büchler).
Die Vorstadt in Grünstadt 1930 (von Thomas Büchler).
Das Gustaph-Adolf-Fest in Grünstadt Ende Juli 1929 (von Richarda Eich).
Das Gustaph-Adolf-Fest in Grünstadt Ende Juli 1929 (von Richarda Eich).
Das Grünstadter Rathaus im Jahr 1905 (von der Stadtverwaltung Grünstadt).
Das Grünstadter Rathaus im Jahr 1905 (von der Stadtverwaltung Grünstadt).

Foto 1 von 6

Innerhalb der App möchten der Grünstadter und Stricker eine interaktive Karte installieren, auf der man quasi Fotos aus der Vergangenheit betrachten kann während man durch die realen Straßen flaniert. „Das stelle ich mir spannend vor. Es gibt so viele unscheinbare Häuser oder Orte. Wenn man aber sehen könnte, wer hier früher gelebt hat, oder dass hier vor Jahrzehnten mal ein bestimmtes Geschäft gewesen ist, macht das die Orte gleich interessanter.“

Dass die interaktive Sammlung für die Vorderpfalz und Südtirol sehr viele Fotos auflistet und für andere deutsche Gebiete nur wenige Exemplare, liegt daran, dass Schupp und Stricker in ihrer Heimat durch Kontakte, auch zu Museen, an sehr viele historische Fotos kam.

Foto-Details erzählen Geschichten

Zu Schupps Lieblingsmotiven gehören Geschäfte mit dem Personal davor. „Schaufenster, Schriftzüge, Produkte und Werbung: Hier zeigen sich faszinierende Details!“, schwärmt Schupp. Auf einem Schwarzweißfoto des Friseursalons Voss aus Bad Dürkheim im Jahr 1946 wird gerade ein Mann frisiert. „Mich begeistern auch die Geschichten hinter den Bildern.“

Dabei ist der Name der App kein Schnellschuss. Lange hat Schupp überlegt: „Kurz und gut sollte der Titel sein, viele Domains mit ,retro’ waren schon vergeben. In Anlehnung an den Pfälzer Dialekt entschied ich mich für ,Nimmerso’ und sicherte mir frühzeitig die Domain“, erklärt Schupp.

Plan: Sortierung in Alben mit Cover

In den nächsten Monaten wollen Schupp und Stricker die App weiter verbessern. Idealerweise soll es eine Karte geben, in der man durch Klicken auf den jeweiligen Straßennamen oder den Platz in der Stadt die dort entstandenen Fotos angezeigt bekommt. Dafür muss die Menge an Bildern in Alben sortiert und mit einem Cover versehen werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die App-Vollversion Ende 2023 an den Start gehen.

Wer sich schon vorab mehr Bilder aus Bad Dürkheim/Grünstadt anschauen möchte, kann sich kostenlos auf der App registrieren.

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