Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nathalie Trebbe hat ein Faible für tickende Zeitmesser

Blick fürs Detail: Uhrmacherin Nathalie Trebbe arbeitet an einer französischen Pendeluhr.
Blick fürs Detail: Uhrmacherin Nathalie Trebbe arbeitet an einer französischen Pendeluhr.

Wer in jüngster Zeit in der Friedelsheimer Straße in Wachenheim sonore Glockentöne oder Schlagwerke von ehrwürdigen Standuhren gehört hat, mag sich gewundet haben. Doch die Klänge, die die Uhrzeit weisen, haben eine einfache Erklärung: Seit Januar wohnt Uhrmacherin Nathalie Trebbe im Haus Nummer 2b.

Die 46-jährige ehemalige Inhaberin des Dürkheimer Traditionsjuwelierladens Trebbe hat sich in ihrer Heimat als Uhrmacherin selbstständig gemacht.

Zuvor hatte sie im März 2018 das Geschäft im Herzen der Kurstadt, das sie in dritter Generation führte, geschlossen. Da bestand der Betrieb seit 70 Jahren. Im Jahr 2006 war Trebbe nach Tischlerlehre, Ausbildung zur Uhrmacherin und ausgerüstet mit dem Abschluss Betriebswirtin des Handwerks in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten und hatte den Traditionsbetrieb in Bad Dürkheim übernommen.

„Unsere Kultur der Zeit hat sich gewandelt – alles muss immer schneller gehen. Ebenso hat sich unsere Zeitkultur gewandelt: Bis vor 30 Jahren stand in jedem Haushalt eine Standuhr, Wanduhr oder Tischuhr. Viele – besonders junge Menschen – tragen keine Armbanduhr“, erklärt sie, warum sie den Betrieb samt Werkstatt aufgegeben hatte. Zudem forderten die Hersteller immer höhere Abnahmemengen. Das habe sie trotz guter Verkaufszahlen nicht mehr schultern wollen. „Da hätte ich dann schnell eine Privatsammlung gehabt.“

Ausflug ins Allgäu als Arbeitnehmerin

Nach dem Aus habe sie „den Ausflug in die Welt einer Arbeitnehmerin unternommen“, berichtet sie. Genauer: ins Allgäu in eine Uhrmacherwerkstatt. Dort war sie auch ihrem Hobby näher, dem Kraxeln in der Bergwelt. So zeigt sich die 46-Jährige auch auf ihrer Homepage in den Allgäuer Alpen rund um Oberstdorf – die Weite als Ausgleich für den nötigen Blick ins Detail bei der Arbeit. „Schon als Kind haben mich meine Eltern und mein Onkel mit in die Berge zum Ski fahren genommen – das hat mich von klein auf begeistert und fasziniert.“

Ihre „Liebe zum Handwerk und zur Pfalz“ habe sie wieder in die Heimatregion geführt. Den Schritt in die Selbstständigkeit seit gut einem halben Jahr bereue sie nicht. Sie hat inzwischen eine kleine Werkstatt, wo sie den Wehwehchen der tickenden Zeitmesser auf den Grund geht: Vom Zapfenreinigen über den Ölwechsel bis zum Nachbau fehlender Ersatzteile lauten die Aufträge ihrer Kunden. Die kommen aus der näheren Umgebung von Neustadt bis Grünstadt – und „witzigerweise inzwischen auch aus Bayern“, ergänzt sie. Viele Stammkunden seien darunter, noch aus der Zeit des Dürkheimer Juwelierladens. Aber auch viele neue Kunden seien dazu gekommen – hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Ihre Werkstatt ist etwas kleiner als die in der Weinstraße Süd im Elternhaus, verrät sie. Die Werkzeuge habe sie aus der alten Werkstatt bewahrt und sie könne nun von der kleinsten Armbanduhr samt Chronographenwerk bis zur kiloschweren Standuhr alles warten und reparieren.

Oft tue sich bei den alten Standuhren, die gerne auch mal 100 Jahre auf dem Buckel haben, gar nichts mehr. Ein dicker Film aus Öl und Staub hat sich um die Technik gelegt. Und manchmal müsse sie ein komplettes Gehäuse samt großem „Gehwerk“ einer „Comtoise“ – einer französische Pendeluhr – zerlegen. Die großen Uhren transportiert sie nach einem Besuch vor Ort beim Kunden selbst. Sie arbeitet nach Terminabsprache.

Mit Wohlwollen verfolge sie nun auch, dass mit dem neuen Eigentümer des Elternhauses, Rigo Müller, die Hoffnung auf einen neuen Juwelierladen in der Kurstadt wieder aufkeimt: „Ich habe kein Konkurrenzdenken.“ Auch zur damaligen Entscheidung stehe sie nach wie vor. Sie habe sie „nicht aus Not gefällt, sondern auch im vollen Einvernehmen mit meiner Familie“.

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