Bad Dürkheim
Nahverkehrsplan: Nur 17 Bushaltestellen im Kreis sind barrierefrei
Schwerpunkt des neuen Nahverkehrsplans für den Landkreis Bad Dürkheim ist die Barrierefreiheit. Wie Christian Wühl vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) mitteilte, ist vorgeschrieben, dass der ÖPNV bis Anfang 2022 barrierefrei sein müsse. Dies sei aber wohl nicht zu schaffen.
Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Landkreis Bad Dürkheim, an dem seit 2015 gearbeitet wird, war Thema einer gemeinsamen Sitzung des Kreisausschusses und des Ausschusses für ÖPNV, Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr am Dienstag im Kreishaus. Die Gremien stimmten dem Plan bei zwei Enthaltungen zu. Die letzte Entscheidung trifft der Kreistag Ende Oktober.
Nur wenige Stellungnahmen
Behörden, Kommunen und Verbände hatten bei der Auslegung des Plans neun Stellungnahmen abgegeben. Das sei ungewöhnlich wenig, sagte Christian Wühl, Abteilungsleiter Planung und Angebot des VRN. So weist die Rhein-Neckar-Verkehrs GmbH (RNV) darauf hin, dass sowohl der Landkreis wie auch die Städte Ludwigshafen und Mannheim über die Einrichtung von Schnellbuslinien nachdenken und dass hier Synergieeffekte möglich seien. In Stellungnahmen der Verbandsgemeinden Lambrecht, Deidesheim und Wachenheim werden mehr Fahrten der Busse und weitere Haltestellen gefordert. Das sei nicht Thema des Nahverkehrsplans, betonten Wühl, Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) und Ute Brunner, Nahverkehrsexpertin der Kreisverwaltung. Der Nahverkehrsplan sei ein Rahmenplan. Details, wie etwa die Anzahl der Busfahrten, würden bei der Ausschreibung des Busverkehrs geregelt.
Für Individualverkehr ist nicht der Kreis zuständig
Ihlenfeld machte deutlich, dass andere Verkehrsformen wie etwa Rad, Individualverkehr oder Car-Sharing, nicht Thema des Nahverkehrsplans seien. Trotzdem forderte Horst Bäuml (Grüne) unter anderem mehr Abstellboxen für Fahrräder und die Einführung von Car-Sharing. Auch verlangte er mehr Haltestellen und dynamische Fahrgastanzeigen. Für beides sei nicht der Kreis zuständig, erklärten Ihlenfeld und Brunner.
Bei der Überprüfung des derzeitigen ÖPNV-Angebots habe man festgestellt, dass nur in Dackenheim, Bockenheim, Kindenheim und Quirnheim die Mindeststandards für eine ÖPNV-Versorgung nicht eingehalten werden, berichtete Wühl. Dieser sehe 15 Fahrten an Wochentagen vor. Nachholbedarf gebe es auch bei den Fahrten auf der Achse Wachenheim-Birkenheide.
Nur 17 Bushaltestellen sind barrierefrei
Laut Wühl sind bisher nur an 17 Bushaltestellen die Bordsteine so niedrig, dass ein barrierefreier Zugang gewährleistet ist, an 537 Haltestellen ist das nicht der Fall. Dieser „hohe Nachholbedarf“ sei finanziell nicht zu bewältigen. Dringlich sei ein Umbau an den Bahnhöfen in Bad Dürkheim, Grünstadt, Deidesheim und Lambrecht. Der Umbau sei Aufgabe der Gemeinden, die dafür Zuschüsse vom Land bekommen, erläuterte Brunner.
Die Nutzung aller ÖPNV-Angebote mit nur einem Ticket, die Einrichtung von Pendler-Schnellbuslinien, den Ausbau des Angebots der Rhein-Haardtbahn und eine generelle Verdichtung des ÖPNV-Netzes sind weitere Ziele des Nahverkehrsplans.
Iris Nieland (AfD) regte an, dass die Zahl der Bürger, die den ÖPNV für Einkäufe nutzen, gesteigert werden soll. Bisher sind dies acht Prozent. Pia Werner (Grüne) forderte eine kostenlose ÖPNV-Nutzung. Ihlenfeld forderte sie auf, dafür Finanzierungsvorschläge vorzulegen.