Bad Dürkheim
Nach Dreyer-Ankündigung: Wirte schöpfen Hoffnung
In der Folge der Zwangsschließung sind viele Kneipen, Weinbars, Vinotheken und Restaurants in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Hoffnung macht den Betroffenen nun die Ankündigung der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die ab Mittwoch eine Öffnung unter Auflagen angekündigt hat. Damit möchte sie der Branche eine Perspektive geben. Kommt das bei den Wirten auch so an?
Die Stimmung sei lange Zeit schlecht gewesen, berichtet der Inhaber des Dürkheimer Irish Pubs Molly Malone, Andreas Bretz. Zumal die beantragte Soforthilfe in Höhe von 15.000 Euro bis jetzt noch nicht bei ihm angekommen sei. Die Versicherung, die bei Betriebsschließungen zahlen sollte, habe angeboten, 15 Prozent der Versicherungssumme auszuzahlen. „Die Gastronomie wurde bisher von den Politikern nicht beachtet, jetzt haben wir endlich wieder eine Perspektive“, erklärt er. Bretz will den Betrieb Schritt für Schritt wieder anlaufen lassen. Insgesamt schaue er nach Dreyers Ankündigung wieder zuversichtlich in die Zukunft.
Theke zunächst tabu
Henning Weinheimer, der mit seiner Frau Jeannette die Weinbar Weinreich in Freinsheim leitet, plagen seit Beginn der Corona-Krise Existenzängste. „Aber wir wollten den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern haben uns überlegt, wie wir uns beschäftigen können“, erzählt der gelernte Koch. Er sieht die Krise als Chance, um neue Ideen zu entwickeln. So boten die Weinheimers Kochkurse im Internet an und produzierten Suppen im Glas, die in Naturkostläden oder im Einzelhandel vertrieben werden. An den Osterfeiertagen boten sie ein Dreigangmenü zum Abholen an. Unter Berücksichtigung der Soforthilfe reichen ihre finanziellen Mittel bis Ende Mai. „Wir freuen uns auf die ersten Schritte zurück in die Normalität“, sagt Weinheimer. Er nimmt an, dass er von den 40 Sitzplätzen nur die Hälfte bewirtschaften kann und plant mit zwei Belegungen. Die erste wäre bis 20 Uhr möglich, die zweite ab 20.15 Uhr. Dazwischen könne man alles desinfizieren, reinigen und die Tische für die nächsten Gäste herrichten.
Für Thorsten Weiß, der mit Frau Sarah die Weinmanufaktur Pfalzweiße in Wachenheim betreibt, ist die Stimmung irgendwo auch positiv. „Wir hatten am 15. März noch geöffnet, dann aber geschlossen“, erinnert er sich. Die Pause hat Familie Weiß genutzt, um die Website zu erneuern, den Auftritt in den sozialen Medien zu intensivieren sowie den Wein- und Sektverkauf im Online-Shop und über den Hofverkauf zu forcieren. Zudem haben sie Lieferungen bis nach Mannheim und Karlsruhe organisiert und so Kontakt zu den Kunden gehalten. „Zusätzlich haben wir auch ein tolles Stammpublikum, das unseren Wein zu Hause konsumiert“, erklärt Weiß. Er ist sehr froh, wohl in Kürze wieder öffnen zu dürfen. „Dabei werden wir alle Abstands- und Hygienevorschriften einhalten.“
Hilfsfonds fürs Storyville
Kurt Walter, Inhaber des Storyville in Bad Dürkheim, hatte sich auf eine noch längere Schließung eingestellt. Die vergangenen Wochen konnte er sich ganz gut über Wasser halten, da die Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro zügig überwiesen worden sei und die Gäste den von ihm ins Leben gerufenen Story-Hilfsfonds sehr gut angenommen hätten. „Die Resonanz war überwältigend, die Leute haben teilweise dreistellige Beträge gespendet“, berichtet Walter. Die Gelder möchte er später in Form von Getränkegutscheinen und einer Urkunde zurückgeben. Nach der Wiederöffnung werde er an den zehn Tischen jeweils zwei Personen platzieren, und die Theke bleibe zunächst tabu.
Letzte Handgriffe
Stephan Berg von der Cha Cha Bar in Bad Dürkheim freut sich auf den in Aussicht gestellten Neustart. Die Entscheidung habe ihn zwar überrascht, sei aber überfällig. „Ich muss jetzt sehen, dass ich alles vorbereite, um die gesetzten Auflagen zu erfüllen.“ So werde er im Außen- und Innenbereich jeweils nur etwa 30 Plätze anbieten. Außerdem wolle er schon um 15 Uhr statt erst um 18 Uhr öffnen. Das Coronavirus empfinde er nicht mehr ganz so bedrohlich wie vor drei Wochen.
Viele Dürkheimer wird es freuen, dass Berg die Cha Cha Bar weiter betreibt, hatte er sie doch zu Jahresbeginn eigentlich verkaufen wollen. Da er sich mit potenziellen Käufern aber nicht einigen konnte und ein Verkauf in der Corona-Krise nicht möglich war, entschied er sich zum Weitermachen. Dafür möchte er einen Partner gewinnen. Künftig werde er allerdings nur noch von Mittwoch bis Samstag öffnen. „Nachdem ich mir 13 Jahre fast täglich die Nächte um die Ohren geschlagen habe, wird es Zeit, etwas kürzer zu treten, um wieder mehr Muße für meine Hobbys Meditation und Malerei zu haben“, erklärt der 58-Jährige.
Im Badehaisel in Wachenheim richtet Klaus Mayer alles für die Wiedereröffnung. „Wir haben in den letzten Wochen im Außenbereich ein paar Schönheitsreparaturen vorgenommen. Jetzt geht es um die letzten Handgriffe“, berichtet der Gastronom. Die Speise- und Getränkekarte hat er ebenfalls überarbeitet. Auch er ist optimistisch – und dankbar: Dass die Soforthilfe zügig überwiesen wurde und sein Verpächter ihm während der Pandemie die Pacht erlassen hat.