Bad Dürkheim Musik, die für sich spricht
„Ich bin ein Amateurmusiker, der die Songs anderer Leute covert“, behauptet der griechische Sänger und Gitarrist Christos Stravoravdis, der am Donnerstagabend in der Bad Dürkheimer Cha Cha Bar einen äußerst eindrucksvollen Auftritt ablieferte, über sich. Mit seiner Aussage liegt der 42-Jährige im Grunde zwar richtig, allerdings muss man sie, um den Kern der Sache genauer zu treffen, doch ein wenig relativieren. Denn zählt man alle Konzerte, die der in Heidelberg geborene und heute in Ludwigshafen wohnende Rock-, Blues- und Popfan im Laufe seiner Karriere gespielt hat, zusammen, kann er insgesamt mehr Gigs vorweisen als viele seiner weitaus bekannteren Profikollegen. Als er im Alter von 18 Jahren von Deutschland aus in sein Heimatland zurückgekehrt ist, stand er als Teil des Duos „Just Two“, wie er sagt, „sieben Jahre lang, sieben Tage in der Woche“ auf der Bühne. Und die Bezeichnung „Covermusiker“ hat er sich deshalb ans Revers geheftet, weil er eben selber (noch) keine eigenen Songs – die allerdings bereits existieren und demnächst auf einer CD erscheinen werden – öffentlich zu Gehör bringt. Jedem Besucher in der gut besuchten Cha Cha Bar, der Augen zum Sehen und Ohren zum Hören hatte, wurde aber schnell deutlich, dass hier ein Mann auf dem Barhocker saß und musizierte, der nicht kopierte, sondern sich mit den Titeln, die er spielt, ausführlich auseinandergesetzt, ihren Sinn verinnerlicht hat und nun seine eigenen Interpretationen mit denen des Original-Autors verschmilzt. Stravoravdis startete sein Programm ganz entspannt mit der in Europa bekanntesten Nummer des amerikanischen Singer/Songwriters Marc Cohn, „Walking In Memphis“, und legte dann mit dem Otis-Redding-Klassiker „Dock Of The Bay“ nach. Bis dahin hatten in der Bar noch überall Gläser geklirrt, Servicekräfte waren durch die Zuschauerreihen gehuscht und gaben sich Mühe, ihre Gäste schnellstens mit Getränken zu versorgen, und an den Tischen unterhielt man sich lautstark und angeregt. Doch als Christos, wie sich Stravoravdis als Künstler einfach nennt, nun begann, das letztgenannte Stück zu singen, verstummte plötzlich alles und ab jetzt gehörte ihm die volle Konzentration. Wie vieler Ouzos bedarf es eigentlich, um eine solche Reibeisenstimme zu erzeugen? Würde man es nicht besser wissen, könnte man gut und gerne glauben, die Wiege des Griechen hätte statt am Neckar im Delta des Mississippi gestanden. Als er im Anschluss eine Kombination aus dem 2012er Hit „I Follow Rivers“ der belgischen Gruppe „Triggerfinger“ und „I Heard It Through The Grapevine“, im Original von Marvin Gaye berühmt gemacht, präsentierte, fiel einigen Zuhörern auf, was für ein schüchternes Sangesorgan Gaye, die große amerikanische Soullegende, im Vergleich zu seinem Ludwigshafener Pendant eigentlich hat. Aber auch als Instrumentalist bewies Stravoravdis von Anfang an Klasse. Sicher gibt es jede Menge Musiker, die kompliziertere Gitarrengriffe in ihre Songs einbauen als er. Christos dagegen legt bewusst Wert auf Einfachheit, setzt seine Akkorde gezielt und effektiv ein, fügt durch Schläge mit dem Handballen auf den Gitarrencorpus perkussive Elemente dazu und lässt mit seinem zurückhaltenden Spiel, ähnlich wie J. J. Cale, der Melodie genügend Raum, sich zu entfalten. Er, der sein Handwerk von seinem Bruder Petros, einem in Griechenland recht populären Jazz- und Flamencogitarristen, gelernt hat, mag keine Egotrips. Sein handwerkliches Können öffentlich zur Schau zu stellen, liegt ihm fern. Ebenso verzichtet er auf jegliche Art von übertriebener Publikumsanimation. Christos lässt viel lieber seine Musik für sich sprechen. „Ich möchte meine Zuhörer nicht ständig mit irgendwelchen Zurufen zum Mitmachen bewegen“, sagt er, „natürlich spiele ich für die Leute, aber auch für mich. Ich bin mir nämlich sicher, dass alles was mich berührt auch die Menschen vor der Bühne berührt und wenn ich damit recht habe, wird der Funke garantiert auch ganz von alleine überspringen“. In Bad Dürkheim hatte er damit jedenfalls recht. Zu Ray Charles’ „Hit The Road Jack“, begleitete ihn ein vielstimmiger Publikumschor, bei „Blame It On The Night“ von Calvin Harris wurde getanzt und zur „Metallica“-Ballade „Nothing Else Matters“ nur noch ehrfürchtig gestaunt. Gegen Schluss der Vorstellung betrat Stravoravdis dann noch internationales Terrain: Mit „Vocal“ bot der in Deutschland lebende Grieche in englischer Sprache einen Song der norwegischen Gruppe „Madrugada“ dar, deren Namen aus dem spanisch/portugiesischen kommt und so viel wie Morgengrauen bedeutet. Mit „Poso Se Thelo“, einem Pophit aus Griechenland, wollte sich Christos dann nach fast drei Stunden Spielzeit in den verdienten Feierabend verabschieden, wurde aber von seinen neugewonnenen Dürkheimer Fans noch dreimal für Zugaben auf die Bühne zurück geklatscht.