Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Messerattacke in Wohngruppe: Zeugen berichten von andauernden Konflikten

Prozessakten auf einem Richtertisch am Landgericht Frankenthal.
Prozessakten auf einem Richtertisch am Landgericht Frankenthal.

Höflich und hilfsbereit – so beschreiben Zeugen den Bad Dürkheimer, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorwirft.

Der 31-Jährige, dem am Landgericht Frankenthal der Prozess gemacht wird, soll im Januar in einer Wohngruppe für psychisch Kranke mit einem Messer auf einen 52-jährigen Mitbewohner eingestochen und diesen am Hals, an Unterarmen und Händen verletzt haben. Wie Rechtsanwalt Stefan Beck ankündigte, werde sich sein Mandant im Verlauf des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern. Indirekt hat der 31-Jährige die Tat bereits zugegeben, indem er sich bei dem 52-Jährigen entschuldigte.

Während gehörte Zeugen den Angeklagten als höflich, freundlich, nett, offen, hilfsbereit, korrekt und ruhig beschrieben, schilderten mehrere Zeugen den 52-Jährigen als weitaus weniger positiv. Der Mann sei sehr schmutzig und ungepflegt, lasse vergammeltes Essen herumliegen, hinterlasse Toilette und Bad immer total verschmutzt, fordere von anderen Rücksicht, nehme aber selbst keine, berichteten diese. Der Angeklagte sei dagegen sehr reinlich, diese Unterschiede hätten immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Männern geführt. „Das war ein Dauerthema“.

„Von Konflikten nichts mitbekommen“

Der Betreuer der Wohngruppe sagte dagegen, dass er von Konflikten nichts mitbekommen habe. Er war auch der Einzige, der den Angeklagten eher negativ darstellte. „Der Vorfall war für mich aber nicht absehbar“, versicherte der Betreuer. Ähnliches hatte der Erzieher als Zeuge in einem Prozess Ende vergangenen Jahres gesagt. In dem Verfahren war es um Brandstiftung in einer Wohngruppe für psychisch Kranke im Juni vergangenen Jahres in Weisenheim am Sand gegangen. In dieser Wohngruppe hatte der Erzieher damals ebenfalls als Betreuer gearbeitet.

Ein Freund des Angeklagten berichtete, dass dieser etwa zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Dürkheimer Wohngruppe bei ihm angerufen und sehr durcheinander gewirkt habe. Der Zeuge sagte, er habe das Telefonat nach kurzer Zeit beendet, weil es bei ihm geklingelt habe. „Er ist herzensgut, ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen“, betonte der Zeuge.

Mutter des Angeklagten erzählt von Kindheit

Die Mutter des Angeklagten berichtete, dass ihr Sohn schon in seiner Kindheit psychisch auffällig gewesen sei. Erstmals sei das der Fall gewesen, nachdem der Vater des Angeklagten diesen als fünfjähriges Kind nach Italien entführt habe. Wie die 56-Jährige berichtete, habe ihr Ex-Mann dem Kind erzählt, dass die Mutter tot sei und es zu Verwandten nach Italien gebracht. Der Vater selbst sei danach wieder nach Deutschland gekommen.

Erst zehn Monate später habe der Fünfjährige bei einer Gerichtsverhandlung in Italien erfahren, dass seine Mutter lebt. Zurück in Deutschland sei es mit dem Kind „immer schlimmer“ geworden. Als der Junge etwa zehn Jahre alt war, habe sie ihn zu ihrer Familie nach Brasilien gebracht, denn ihr Bruder sei Psychologe. Mit 16 Jahren sei er aber wieder nach Deutschland gekommen, weil er in Brasilien Schwierigkeiten gehabt habe.

Die 56-Jährige erzählte weiter, dass ihr Sohn zeitweise unzusammenhängende Sachen sage, er habe auch schon gesagt, dass er Jesus sei und die Welt retten werde, er sei aber nicht aggressiv. Erst auf Fragen der Vorsitzenden Richterin Mirtha Hütt sagte die Frau, dass ihr Sohn sie schon einmal angegriffen habe, das sei vor etwa zehn Jahren gewesen.

31-Jähriger will in Klinik

Vergangene Weihnachten sei der Angeklagte total verändert gewesen, berichtete eine Schwägerin des Mannes. Er sei sonst immer nett, ruhig, hilfsbereit und freundlich. So wie an Weihnachten habe sie ihn noch nie erlebt, man habe gemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Sie vermute, dass er damals Drogen konsumiert gehabt habe.

Der 31-Jährige, der seit Januar in Untersuchungshaft ist, sagte, dass er in eine Klinik möchte, um wieder eine Therapie zu machen. Er wolle seine Krankheiten Schizophrenie und ADHS in den Griff bekommen. „So lange Sie das Zeug nehmen, haben Sie nie eine Chance, die Krankheit in den Griff zu kriegen“, sagte Beck zu seinem Mandanten. Mit „das Zeug“ sind Amphetamin und Cannabis gemeint, die der 31-Jährige nach eigenen Angaben konsumiert.

Der Prozess wird am Donnerstag, 18. Juni, 12.30 Uhr, fortgesetzt.

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