Bad Dürkheim / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Mehrfach mit Messer auf Mitbewohner eingestochen

Verhandlungsort: das Landgericht Frankenthal.
Verhandlungsort: das Landgericht Frankenthal.

Ein 31-Jähriger soll in einer Wohngruppe in Bad Dürkheim auf einen 52-Jährigen eingestochen haben. Am Landgericht Frankenthal hat nun der Prozess begonnen.

Versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung wirft ihm deshalb Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz vor. Laut der Anklage soll der 31-Jährige am 21. Januar auf den 52-Jährigen eingestochen und dabei gleichzeitig zwei Straftaten begangen haben, deshalb heißt es in der Anklage „in Tateinheit“. Der 31-Jährige werde sich an einem der kommenden Verhandlungstage zu den Vorwürfen äußern, kündigte sein Rechtsanwalt Stefan Beck an.

Indirekt hat der gebürtige Südpfälzer, der seit einiger Zeit in Bad Dürkheim wohnte, die Vorwürfe am Montag zugegeben. Dies, indem er sich bei seinem Opfer entschuldigte, versicherte, dass der 52-Jährige keine Angst vor ihm haben müsse, er ihm nichts mehr tun werde, und dass der Grund für das Geschehen am 21. Januar sein Drogenkonsum gewesen sei. Beck musste dabei als Überbringer fungieren, denn der 52-Jährige wollte nicht mit dem Angeklagten in einem Raum sein und nicht mit ihm sprechen.

In unterschiedlichen Räumen

Auf Antrag der gesetzlichen Betreuerin des 52-Jährigen musste der Angeklagte während der Aussage des Zeugen ebenfalls in einen anderen Raum gebracht werden. Dort sollte er die Aussage des Zeugen per Videoübertragung hören und sehen können. Die entsprechende Technik ist im Frankenthaler Landgericht vorhanden, doch machte die erst einmal ziemlich lang Mucken.

Der 52-Jährige erzählte im Zeugenstand, dass er und der Angeklagte noch nicht allzu lange gemeinsam in einer Wohngruppe lebten. Man habe sich gut verstanden, doch seien beide zurückhaltend und meistens in ihrem jeweiligen Zimmer gewesen. „Plötzlich kam er gegen 19 Uhr in mein Zimmer und hat was auf ausländisch gesagt, was ich nicht verstanden habe“, berichtete der 52-Jährige vom 21. Januar. „Das weiß ich nicht mehr“, antwortete der 52-Jährige mehrfach, als die Vorsitzende Richterin Mirtha Hütt ihm Fragen zum weiteren Geschehen stellte. Wenn Hütt dann vorlas, was der Mann wenige Tage nach dem Vorfall bei der Polizei gesagt hatte, antwortete er meistens „Ja, das stimmt“.

Zahlreiche Verletzungen

Der Angeklagte habe ihm „mit der Faust auf die Nase geschlagen“, sei dann in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt. „Er ist auf mich los“, sagte der Zeuge auf die Frage Hütts, was dann geschehen sei. Der Zeuge zeigte, wie er die Hände vor das Gesicht gehalten habe. Wie oft der 31-Jährige zugestochen und wo er hingezielt habe, wisse er nicht, sagte der Zeuge. Verletzungen hatte er laut einer ärztlichen Bescheinigung am Hals, an beiden Unterarmen und an den Händen.

Der Zeuge berichtete weiter, er sei dann ins Bad gegangen. Auf Fragen von Hütt und Beck sagte er, der Angeklagte habe zu dieser Zeit im Flur gestanden und das Messer in der Hand gehabt. Er sei direkt am Angeklagten vorbei, der habe ihm nichts getan. Er hätte auch aus der Wohnung gehen können. Die Frage, warum er das nicht getan habe, beantwortete der Zeuge nicht wirklich.

Beide Männer seien dann wieder in das Zimmer des 52-Jährigen gegangen. Der Angeklagte habe sein Handy gewollt, „ich habe es ihm aber nicht gegeben“, so der Zeuge. Der Angeklagte habe den innen in der Zimmertür steckenden Schlüssel genommen, sei aus dem Zimmer und habe von außen abgeschlossen. Laut der Anklage hat der 52-Jährige die Polizei angerufen. Als Polizisten in die Wohngruppe kamen, habe der Angeklagte erst gesagt, der andere Mann habe ihn angegriffen, sich dann aber ohne Probleme festnehmen lassen.

Leben mit Drogen und Krankheiten

Ausführlich und wortreich schilderte der 31-Jährige seinen Lebenslauf, berichtete, dass er erst in der Südpfalz, dann bei seiner Oma in Brasilien aufgewachsen und mit 16 Jahren wieder nach Deutschland gekommen sei. Seit seinem zwölften Lebensjahr konsumiere er Cannabis, seit dem 14. Lebensjahr Kokain und Crack, und seit dem 16. Lebensjahr Amphetamin. Der italienisch-brasilianische Staatsbürger berichtete von Psychosen, Paranoia, Schizophrenie, ADHS, Therapien, Rückfällen, Gelegenheitsjobs. Dabei redete er ohne Punkt und Komma und verwendete teils die Fachsprache von Therapeuten und Psychiatern. „Sie sind extrem reflektiert“, kommentierte die Vorsitzende Richterin.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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