Bad Dürkheim Mehr illegale Strecken im Wald
Aufgewühlte Walderde, umgepflügte Jungbäume, angehäufte Steilkurven und Rampen in den Fahrrinnen: Solche Einrichtungen findet Förster Robert Kirchner immer öfter in den Hanglagen seines Reviers. Allein zwischen Wachenheim und Silbertal haben Mountainbike-Fahrer abseits der Waldwege mehrere kilometerlange Downhill-Strecken angelegt.
Wegen ihrer guten Erreichbarkeit sind die Wälder am Haardtrand bei Freizeitsportlern besonders beliebt. Dass sich längst nicht alle Mountainbike-Fahrer an die Bestimmungen des Landeswaldgesetzes halten, nach denen nur auf Straßen und forstlichen Wirtschaftswegen gefahren werden darf, zeigt sich besonders nachteilig an illegalen Downhill-Strecken quer durch die Waldbestände. Diese Trails nahmen in den vergangenen zwei Jahren massiv zu, wie Revierleiter Robert Kirchner vom Forstamt Bad Dürkheim feststellt. Zu seinem Revier gehört unter anderem der Wald der Stadt Wachenheim und der Gemeinde Niederkirchen. Hier wurden vom 477 Meter hohen Sauloch-Köpfchen gleich mehrere Abfahrten angelegt, eine davon führt hinunter ins Wachenheimer Tal. Eine besondere Gefahr für den Waldboden sind dabei die entstehenden Erosionsrinnen. So ist auf den Forstwegen zu sehen, wie durch die Radreifen Erdreich verfrachtet wird. An anderen Stellen werden Wegböschungen als Sprungschanze „genutzt“ und ebenfalls immer weiter abgetragen.
Mountainbiker rücken mit Sägen an
Jäger beklagen zudem die starke Beeinträchtigung der Wildtiere. Nach Studien reagiert das Wild auf Mountainbiker ähnlich empfindlich wie auf freilaufende Hunde, weil die Annäherungsgeschwindigkeiten im Vergleich zu Fußgängern weit höher sind. Um Abfahrten einzurichten, bearbeiten Radfahrer die Walderde mit Schaufeln und Hacken, schütten Steilkurven auf und bauen Rampen aus Stämmen und Steinen. Rechtlich gesehen sind dies unzulässige Eingriffe auf fremdem Grund und Boden. „Mountainbiker, die hier unterwegs sind, rücken sogar mit Sägen an, um ihre Sportanlagen zu errichten“, berichtet Förster Kirchner, der im Wald deponiertes Werkzeug gefunden hat. Mehrmals bauten er und weitere Mitarbeiter des Forstamts die Anlagen mühsam zurück, schütteten sie zu und legten Reisig darüber. Teilweise wurden unter maschinellem Einsatz Baumstämme quergelegt. Diese Maßnahmen sind auch deshalb geboten, weil der Waldbesitzer ein Haftungsrisiko eingeht, wenn er die illegalen Strecken duldet.
„So kann natürlich kein Dialog stattfinden“
„Zusätzlich haben wir die Bereiche mit Flatterbändern abgesperrt. Auf ausgehängten Infoschildern wiesen wir auf die rechtliche Lage hin und luden zum Dialog ein, um einen Konsens zu finden“, sagt Kirchner und fügt sichtlich frustriert hinzu: „Aber hier stellt sich niemand zum Gespräch.“ Im Gegenteil: Die Fahrer sind sich ihres illegalen Vorgehens bewusst und meiden Begegnungen mit dem Förster. Mehrere durch das Forstpersonal rückgebaute Strecken haben die Mountainbiker indes wieder freigelegt. Schwere Baumstämme werden umfahren, Schilder und Absperrbänder abgenommen und eingepackt. „So kann natürlich kein Dialog stattfinden“, bedauert Robert Kirchner. Einladend wirken die Abfahrtstrecken auch auf Radfahrer, die eigentlich auf Wegen unterwegs sind und sich zum Querfeldeinfahren verleiten lassen. Das Problem verschärft sich aber vor allem durch die Bekanntgabe im Internet: „Wir vermuten, dass über bestimmte Foren Infos zu diesen Trails gestreut werden. Durch die Werbung kommen auch Nutzer, die weiter entfernt wohnen“, erklärt Kirchner, der einige Personalien festgestellt hat. Die ermittelten Fahrer, gegen die jetzt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden soll, wohnen in Tübingen, Wiesbaden und Michelstadt. Trotzdem klingt die Perspektive des Försters wenig optimistisch: „Auf der Suche nach dem Kick und Event wird unsere Region offensichtlich zum Eldorado des illegalen Bikens.“