Ellerstadt / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Martinstag mal anders: Leuchten und Besuch von Bischof und Bettler

Ellerstadter sind eingeladen, sich mit einer Laterne oder einer Kerze vor die Haustür zu stellen und den Ort leuchten zu lassen.
Ellerstadter sind eingeladen, sich mit einer Laterne oder einer Kerze vor die Haustür zu stellen und den Ort leuchten zu lassen.

Kinder mussten in diesem Jahr auf vieles verzichten. Auch die beliebten Martinsumzüge fallen wegen der Pandemie aus. In Ellerstadt und Wachenheim wollen zwei Initiativen St. Martin auf andere Weise feiern – nicht zusammen, aber doch miteinander. Und auch in Kindergärten ist der heilige Martin Thema.

In Ellerstadt soll am Mittwoch, beginnend mit dem Läuten der Kirchenglocken um 18 Uhr, das „Ellerstadter Martinsleuchten“ an den heilig gesprochenen Bischof von Tours erinnern. Die Ellerstadter werden eingeladen, sich mit einer Laterne oder Kerze vor die Haustür zu stellen, wenn das Läuten verklungen ist. Die Idee sei, dass jeder für sich und doch alle zusammen das Lied „St. Martin“ singen oder auf einem Instrument spielen und das Dorf für einen Moment aufleuchten lassen. Mit einer Drohne soll der Moment festgehalten werden.

Die Idee zum Martinsleuchten hatte Elternausschussmitglied Leonie Diedrichs-Schröder bei einer virtuellen Elternausschusssitzung, weil man in diesem Jahr keinen Umzug machen dürfe, berichtet die Leiterin der Ellerstadter Kita, Ingrid Eberle. In der protestantischen Kita wurde der Tag bisher immer ökumenisch gefeiert: In der protestantischen Kirche wurde damit begonnen, die Legende des mildtätigen Heiligen zu erzählen. Dann zog man durch das Dorf zur katholischen Kirche, wo sie dann zu Ende erzählt wurde. In diesem Jahr scharen sich die Kindergartenkinder ausschließlich gruppenweise um ein Feuer und singen Lieder. Mit dem Glockenläuten soll die Verbundenheit der Ellerstadter zum Ausdruck gebracht werden, erklärt Eberle. Sie findet das Ellerstadter Martinsleuchten „eine schöne Alternative.“

Mitmachen erwünscht

In Wachenheim haben sich Michaela Räch und Julia Hill etwas anderes ausgedacht: St. Martin kommt am Sonntag, 15. November, in Begleitung eines Bettlers auf seinem Pferd zum Zuhause der Kinder. Wer mitmachen will, meldet sich bis spätestens Freitag, 13. November, per E-Mail (SanktMartin2020@web.de) mit Namen und Adresse – letzteres wegen der Route, die St. Martin nehmen soll. Die Kinder stellen sich dann am Sonntagabend mit ihren Laternen vor die Haustür, um St. Martin und den Bettler zu empfangen.

Die genaue Uhrzeit wird bekannt gegeben, sobald die Verantwortlichen die Route geplant haben. Man habe über eine Whatsapp- und Flohmarkt-Gruppe von einer solchen Initiative in Neustadt erfahren, erzählt Michaela Räch. Julia Hill reitet als St. Martin auf einem eigenen Pferd durch Wachenheim, ihr Bischofskostüm näht sie selbst. Als man das Ordnungsamt von dem Vorhaben in Kenntnis setzte, habe das mit nützlichen Tipps reagiert, freuen sich die Initiatorinnen. Es hätten sich schon viele Interessenten gemeldet, und man versuche, bei jedem Einzelnen vorbeizukommen, verspricht Räch.

In der Kita „Pusteblume“ in Wachenheim gab es sonst immer große Martinsumzüge unter Beteiligung eines Posaunenchors, es wurde ein großes Feuer gemacht, es gab Glühwein für die Erwachsenen. Dieses Jahr ist das alles abgesagt, berichtet Kita-Leiterin Bärbel Sutter. Man werde dieses Jahr vormittags in jeder Gruppe des mildtätigen Bischofs gedenken.

Brezeln und kleine Lichter

Auch in der Kita „Weltentdecker“, Friedelsheim/Gönnheim wird intern in den Gruppen – im Morgenkreis beispielsweise – des Bischofs gedacht, allerdings ohne die traditionellen Martinslieder, denn Singen in den Gruppenräumen ist verboten. Es gibt für jeden eine Brezel vom Förderverein und in den vergangenen Wochen sind kleine Lichter gebastelt worden, die die Kinder mit nach Hause nehmen konnten.

In der Verbandsgemeinde Freinsheim hätten alle Kitas ein Alternativprogramm organisiert, berichtet Pressesprecher Jörg Heidemann. Wie immer wurden in den letzten Tagen mit den Kindern Laternen gebastelt und die Geschichte des heiligen St. Martin aufgearbeitet. Obwohl die Umzüge nicht stattfinden können, würden die Kinder aber in ihrer Gruppe am Mittwoch trotzdem mit den Laternen unterwegs sein. Das könne der abgedunkelte Kita-Bereich sein oder auch der Außenbereich. Den obligatorischen Martinsmann gibt es natürlich dennoch für alle. „Es ist eine andere Situation, daher müssen es andere Formen sein“, betont Heidemann, dass der Martinstag für die Kinder nicht ausfällt.

In den Kitas der Stadt Bad Dürkheim finden keine Ersatzveranstaltungen statt, wie Petra Wurm, Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilt: „St. Martin wird aber trotzdem in den Kitas thematisiert.“

x