Erpolzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Martinsmarkt: Rüsten für den großen Ansturm

Fabelwesen auf Stelzen: Beim Erpolzheimer Martinsmarkt gibt es viel zu bestaunen.
Fabelwesen auf Stelzen: Beim Erpolzheimer Martinsmarkt gibt es viel zu bestaunen.

Keine Spargelwanderung und ein Beinahe-Ausfall der Kerwe: Die Zeichen zum Feiern standen in diesem Jahr in Erpolzheim bislang recht ungünstig. Entsprechend groß sind die Erwartungen für den beliebten Martinsmarkt am 4. und 5. November. Wie sich der Ort auf schätzungsweise rund 10.000 Besucher vorbereitet.

Allein die Anzahl an teilnehmenden Kunsthandwerkern ist vielversprechend. Mit rund 140 Ständen sind für die 16. Auflage des Familienfestes sogar noch mehr angemeldet als vor der Pandemie. „So viele brauchen wir aber auch, um den Markt zu finanzieren“, verdeutlicht Jutta Schettgen. Sie hat den Martinsmarkt mit gegründet und ist zuständig für die Organisation der Stände sowie des Begleitprogramms. Nach drei Jahren Zwangspause durch Corona sei die Suche nach Kunsthandwerkern, die qualitativ hochwertige Produkte herstellen, nicht einfach gewesen, erzählt sie. Auch die Gema-Problematik hat sie bei der Vorbereitung des Markts beschäftigt. „Ich habe die Musiker angewiesen, dass sie nur Gema-freie Musik spielen dürfen. Trotzdem mussten wir über die Verbandsgemeinde die Veranstaltung natürlich an die Gema melden“, erläutert Schettgen.

Erpolzheim zwei Tage lang abgeriegelt

Für die Sicherheit, den Verkehr sowie den Aufbau ist Marktmeister Christopher Nitsche zuständig, der mit Schettgen die ehrenamtliche Speerspitze im dörflichen Organisationsteam bildet. Aber auch weitere Helfer wie Gerd Zahnhausen, Sandra Hilbert, Andreas Rehg, Andrea Nickel und Martin Lutz kümmern sich darum, dass der Martinsmarkt wieder nahtlos an den Letzten vom November 2019 anknüpfen kann. „Wir haben einen guten Ruf“, begründet Nitsche die große Zugkraft, die der Martinsmarkt ausübt. Unter den Ausstellern sei bekannt, dass man in Erpolzheim auf ein kaufkräftiges Publikum treffe. „Wir sind eben kein Sauffest, sondern ein richtiger Markt für die ganze Familie“, bringt es Nitsche auf den Punkt. Auch stünden die Erpolzheimer hinter der Veranstaltung – auch wenn diese mit einer nicht unerheblichen Mobilitätseinschränkung verbunden sei. Denn schließlich ist der Ort von Samstag, 8 Uhr, bis Sonntag, 22 Uhr, abgeriegelt. An den Ortseingängen stehen wieder wie vor der Pandemie die von der Feuerwehr mit Wasser gefüllten Sperrtonnen, an denen nur Rettungsfahrzeuge vorbeikommen. Natürlich gebe es im Ort aufgrund des Ausnahmezustands auch negative Stimmen, aber Martinsmarkt sei ja schließlich nur an einem Wochenende im Jahr, wirbt Nitsche um Verständnis.

30 Seiten langes Sicherheitskonzept

Auch ein Quäntchen Stolz ist dabei, wenn Nitsche bekräftigt, dass man für die Veranstaltung bereits 2018 ein Sicherheitskonzept habe vorlegen und umsetzen können. Das neue Polizei- und Ordnungsbehördengesetz des Landes, an dem viele Veranstaltungen scheitern, habe die Erpolzheimer deshalb nicht kalt erwischt, betont Nitsche. Fluchtwege und gesperrte Ortseinfahrten stehen bei dem Konzept im Mittelpunkt. Der Freinsheimer Bauhof, die örtliche Feuerwehr, das VG-Ordnungsamt sowie Security-Kräfte sollen dafür sorgen, dass alles umgesetzt und befolgt wird. „30 DIN-A4-Seiten“ umfasst laut Bürgermeister Alexander Bergner das Sicherheitskonzept. Da die Gemeinde den Markt veranstaltet, trägt das Papier seine Unterschrift. „Da steht man natürlich voll in der Verantwortung. Das ist schon Stress“, gibt Bergner zu, der mit rund 5000 Besuchern täglich rechnet. Für einen kleinen Ort wie Erpolzheim sei dies natürlich schwierig zu stemmen: „Ich denke, wir sind an der Grenze dessen, was wir verkraften können.“

Ungelöst sei nach wie vor das Parkplatzproblem. Vor jeder Ortseinfahrt gilt an den Landes- und Kreisstraßen ein einseitiges Halteverbot, um die Rettungswege frei zu halten. Die Besucher werden gebeten, wenn dies möglich ist, mit dem Zug anzufahren oder das Fahrrad zu benutzen. Laut Bergner sind beim letzten Markt vor der Pandemie von privater Seite zwei Wiesen zwischen Erpolzheim und Birkenheide gemäht und als Parkplatz ausgewiesen worden. Dies habe die Kreisverwaltung aber nicht mehr erlaubt. Es sei auch nicht möglich, die Feldwege als Zufahrtsmöglichkeit oder als Parkraum offiziell frei zu geben.

Programmheft weist 27 Anlaufstellen aus

Die Bereitschaft, am ersten Novemberwochenende den Hof für Kunsthandwerk und Kulinarisches zu öffnen, ist in Erpolzheim groß. 27 Anlaufstellen weist das mit Informationen und Angeboten prall gefüllte Faltblatt aus. In diesem Jahr neu dabei ist zum Beispiel die Obermühle der Familie Richter in der Guthmannshausener Straße, in der gleich neun Kunsthandwerker ihre Stände beziehen.

Dreh- und Angelpunkt des Marktes, der am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet ist, sind die Bahnhof- und Hauptstraße mit ihren angrenzenden Seitenstraßen und Höfen. Im unteren Teil der Bahnhofstraße hat Nitsche seine Beziehungen ins Schaustellergewerbe spielen lassen und wieder einen kleinen Vergnügungspark mit Kinderkarussell und einem 15 Meter hohem Riesenrad organisiert. Während bei der Kerwe im August die örtlichen Weinbaubetriebe kein Interesse an einer Teilnahme hatten, sieht das beim Martinsmarkt wieder anders aus.

Nicht fehlen dürfen die Feen und andere Fabelwesen, die im ganzen Ort auf Stelzen unterwegs sind. Für Aufsehen will auch wieder die Trommelgruppe Tolon Kadi sorgen. Es gibt außerdem zwei Feuershows sowie Auftritte der Schwertkampftruppe Lo Key.

Auch ein kleiner Vergnügungspark wird aufgebaut.
Auch ein kleiner Vergnügungspark wird aufgebaut.
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