Wachenheim
Marktpläne: Bühler in der Kritik
Um mehr Platz für die Stände zu schaffen, überlegen Bühler und Schutt, einen Brunnen samt Schottergarten zu entfernen. Damit sollen vier weitere Parkplätze geschaffen werden, die an Markttagen von weiteren Händlern genutzt werden könnten (wir berichteten).
„Dass die den Brunnen wegmachen wollen, kann ja wohl jetzt nicht sein. Das finde ich unmöglich, da bin ich morgens vom Stuhl gefallen, als ich das in der RHEINPFALZ gelesen habe“, entrüstet sich FWG-Fraktionssprecherin Dorothea Geibel (FWG). In Wachenheim gebe es genug Alternativen. Sie schlägt vor, die Bahnhofstraße zu Marktzeiten zuzumachen, um dort zusätzliche Stände aufzubauen. Eine weitere Möglichkeit sieht Geibel darin, den Markt auf den Rathausplatz umzusiedeln. Dort sei die nötige Infrastruktur bereits vorhanden. Dass im Stadtrat nicht über die geplanten Maßnahmen informiert wurde, sei nicht in Ordnung, moniert Geibel. „Das wurde alles klammheimlich besprochen, wer auch immer die Kontakte dann hergestellt hat“, so die FWG-Politikerin, die eine Erweiterung des Wochenmarktes aber grundsätzlich begrüßt.
Rüdiger Göbel, Fraktionsvorsitzender der CDU, findet es sehr positiv, dass der Markt in letzter Zeit gut angenommen wird. Noch vor ein paar Jahren habe die Überlegung im Raum gestanden, den Markt komplett zu schließen. Eine Vergrößerung am derzeitigen Standort sei sehr zu begrüßen. Allerdings könne er sich auch vorstellen, den Markt zu erweitern, ohne den Brunnen abzureißen. Man müsse eine Weile beobachten, wie sich die Nachfrage seitens der Beschicker und der Kunden entwickelt. Wenn die VR-Bank sich irgendwann entscheide, den Brunnen auf ihrem Privatgrund zu entfernen, sei dagegen nichts einzuwenden.
Nils Rosenberger von den Grünen sagt: „Wenn man den Markt noch weiter ausbauen kann, ist das sicherlich ein Gewinn für Wachenheim.“ Seine Fraktion begrüße das Engagement Bühlers. Rosenberger spricht sich dafür aus, die Brunnenanlage zu erhalten mit der Möglichkeit, den Schottergarten in eine Grünfläche umzugestalten. Wenn man den Markt vergrößern wolle, könne man auch einen Teil der Bahnhofstraße sperren, um dort weitere Standflächen anzubieten.
Auch Jürgen Rohr von der SPD unterstützt das Engagement Bühlers, wäre aber gern im Vorfeld über die Wochenmarktpläne informiert worden. „Nachdem die RHEINPFALZ über die Pläne berichtet hat, bin ich von vielen Bürgerinnen und Bürgern angerufen worden, die entrüstet waren, dass der Brunnen wegkommen soll“, sagt Rohr, der im Namen seiner Fraktion vorschlägt, zunächst einmal abzuwarten, wie sich das Markttreiben entwickelt. Sollte sich der Markt tatsächlich vergrößern, solle man einen Teil der Bahnhofstraße für mehr Marktbeschicker sperren. Den Raiffeisen-Platz sollte man zu einem schönen Platz umgestalten und nicht als Parkplatz erweitern, sagt Rohr.
Frank Mehlmer von Volt begrüßt die Aufwertung des Marktes ebenfalls, hat aber kein Verständnis dafür, dass „ein Beigeordneter der Stadt Wachenheim versucht, in einem Sololauf private Eigentümer zu beeinflussen“. Dafür hätte es eine gemeinsame Haltung der Stadt und die nötigen Vorgespräche geben müssen. „Die Gremien der Stadt bewusst auszuschließen, ist für mich und mein Politikverständnis ein absolutes No-Go“, so Mehlmer. Den Brunnen würde er erhalten wollen, für die Wochenmarkterweiterung gebe es in Wachenheim durchaus andere Standorte.
Der Erste Beigeordnete Manfred Bühler (FDP) berichtet, dass er den Markt gern hinter die Kirche verlegt hätte. Der Vorstandssprecher der VR-Bank, Thomas Schutt, habe ihm dann aber vorgeschlagen, den Markt an seinem ursprünglichen Platz zu belassen. Dabei sei auch besprochen worden, den Schottergarten samt Brunnen zurückzubauen, um weitere Park- und Standplätze zu schaffen. Gespräche mit den Standbetreibern hätten ergeben, dass sie gern am ursprünglichen Standort bleiben würden. Bühler betont, dass es sich bis dahin lediglich um Vorabgespräche gehandelt habe und er noch keine Veranlassung gesehen habe, die politischen Gremien der Stadt zu informieren.
Thomas Schutt kündigte an, die gesamte Neugestaltung des Platzes mit einer Fachfirma zu besprechen. Dabei stünde auch der Abriss des Brunnens zur Disposition, da dieser in die Jahre gekommen und defekt sei. „Die Brunnenanlage müssen wir in irgendeiner Weise erneuern“, so Schutt, der auch in Betracht zieht, einen neuen Brunnen zu installieren, wenn der alte nicht saniert werden könne und nicht der Gesamtplanung im Wege stehe. Es solle eine Lösung gefunden werde, die konsensfähig ist. Möglich sei auch, den Schottergarten zu verkleinern oder zu Gunsten einer Grünfläche zu entfernen, um die Ein- und Ausfahrt zu vergrößern und eventuell einen neuen Stellplatz zu schaffen, sagt Schutt.
Einwurf: Reizthema Brunnen
In Wachenheim gibt es sehr viele schöne Orte: die Wachtenburg, die Stadtmauer, den Kirchplatz, das Sektschloss, das Piratenschiff nebst Pumptrack oder auch das Poppental. Für manch einen gehört auch der Raiffeisen-Platz mit seinem Schottergarten und der maroden Brunnenanlage auf diese Liste. Das verwundert. Dass der Brunnen verschwinden soll, um mehr Raum für den Markt und weitere Parkplätze zu schaffen, hat hitzige Diskussionen ausgelöst. Respekt gebührt der Haltung des VR-Bank-Vorstands Thomas Schutt: Er möchte nun über andere bauliche Lösungen auf dem Platz, der im Besitz der Bank ist, nachdenken, um eine möglichst konsensfähige Lösung herbeizuführen – und das Reizthema so zu entschärfen.