Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Markthallen-Idee in Krisenzeiten

Viele kleine Läden auf einem Platz: Das ist die Idee, die in der historischen Arminiusmarkthalle in Berlin umgesetzt wird.
Viele kleine Läden auf einem Platz: Das ist die Idee, die in der historischen Arminiusmarkthalle in Berlin umgesetzt wird.

Die Zunft AG aus Wachenheim macht sich für das alte Modell der Manufakturen stark: In Berlin funktioniert ihr Modell seit über zehn Jahren. Jetzt gibt es Zunft-Pläne für Mannheim und die Metropolregion. Eine Antwort für den Handel in Corona-Zeiten?

Christoph Hinderfeld und seine Frau Kira, Alleinaktionäre der Wachenheimer Die Zunft AG, haben eine Vision: eine Markthalle. In Berlin hat das Ehepaar seit dem Jahr 2010 als Eigentümer und Betreiber die Arminiusmarkthalle entwickelt. „Als ein funktionierendes Beispiel für ein gedeihliches Miteinander gewachsener und innovativer innerstädtischer Strukturen. Vom Biobäcker über die Ur-Berliner Erbsensuppe oder das Edelfischgeschäft bis zur großen kooperativen Veranstaltung“, beschreibt es Hinderfeld.

Das Konzept schwebt den beiden nun auch für Mannheim mit einem großen Einzugsgebiet mitten in der Metropolregion und circa zwei Millionen potenziellen Kunden vor. Die Zeit sei auch gerade wegen der durch Corona bedingten Veränderungen nun reif. Ansprechen wollen die Hinderfelds mit ihrem Vorhaben Menschen, die sich interessieren „für spannende und multifunktionale Räume an einem historischen Ort in der Metropolregion Rhein-Neckar, der sich der Konversion stellen muss“.

Und von diesem Vorhaben wollen sie auch die Stadtplaner Mannheims überzeugen. Zur Zeit laufen laut Hinderfeld Gespräche. Im Gepäck habe Die Zunft AG eine Liste von Interessenten an einem solchen Projekt: „Wir sind ja schon 20 Jahre aktiv und kennen viele Namen.“

Bezahlbare Mieten sind ein Grundsatz

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund habe den Zunftgedanken inzwischen entdeckt und gewürdigt, freut sich Hinderfeld. Für einen funktionierenden Marktplatz seien rund 5000 Quadratmeter Fläche nötig. Verwirklichen könne man ein solches Millionen-Projekt in etwa drei Jahren. Corona habe die Welt in eine Krise gestürzt, sagt der Projektentwickler. Und das sei für Die Zunft AG ein Katalysator gewesen: „Wenn es Corona nicht gegeben hätte, wäre ich als 61-Jähriger dieses Projekt wohl nicht mehr angegangen“, resümiert Hinderfeld. Der Einzelhandel und seine bekannten Einkaufszentren in ihrer heutigen Form befänden sich in einer Krise, die Verbraucher wollten etwas anderes, etwas Authentisches.

Einer der Schlüssel für ein Gelingen: bezahlbare Mieten auch für kleine Betriebe. Kalkuliert seien im Schnitt 15 Euro Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter – und „keine 300 Euro wie auf der Zeil in Frankfurt“, verdeutlicht Hinderfeld. Zudem setze Die Zunft AG nicht auf einen Ankermieter, der das gesamte Modell zum Einsturz bringt, wenn er aussteigt: Dass das kleinteilige Konzept funktioniert, konnten die beiden in Berlin gerade in der Krise beweisen: „Wir verlieren keine Mieter, und das ist in der jetzigen Situation ein positives Zeichen.“

Und warum gerade Mannheim? Das Ehepaar hat auch eine persönliche Verbindung zu der kurpfälzischen Stadt. Hinderfeld und seine Frau Kira lernten sich dort beim Studium der Betriebswirtschaft kennen.

Für ihre Ideen wurde die Zunft AG auch schon ausgezeichnet, etwa für das Projekt Zeche Zollverein in Essen. „Zur Zeit führen wir zahlreiche Gespräche mit Städten und Gemeinden, die unser Konzept spannend finden.“

Spannend finden sie selbst das kleine Städtchen Wachenheim. Vor gut 20 Jahren haben sie knapp die Hälfte des Gebäudes Villa Wolf am Stadtrand Wachenheims erworben und waren einer der ersten Miteigentümer. Im Weinort Wachenheim fühlen sich beide wohl. „Die Digitalisierung macht das Arbeiten ja von überall möglich.“

Wollen „innovative innerstädtische Strukturen“ umsetzen: Kira und Christoph Hinderfeld.
Wollen »innovative innerstädtische Strukturen« umsetzen: Kira und Christoph Hinderfeld.
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