Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Markant von oben: Die 333 Meter lange Saline ist das Wahrzeichen von Bad Dürkheim

Seit fast zehn Jahren steht der neue Gradierbau: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach könnte den kompletten Energieverbrauch des
Seit fast zehn Jahren steht der neue Gradierbau: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach könnte den kompletten Energieverbrauch des Wurstmarkts decken. Foto: Altnöder

Der Gradierbau in Bad Dürkheim, der im Volksmund auch Saline genannt wird, ist wohl eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt und wird von vielen Dürkheimern als das Wahrzeichen der Kurstadt bezeichnet. Der Förderverein hat eine Herkulesaufgabe zu meistern.

Das mit einer Länge von 333 Metern und im Sockelbereich 9,30 Meter breite Gebäude wirkt aber auch wirklich imposant und stellt für den Spaziergänger einen krönenden Abschluss seines Rundganges in der Kurstadt dar. Für einen Obolus von 1,50 Euro kann das Bauwerk besichtigt und die gesunde Luft eingeatmet werden.

Der im Jahre 1847 errichtete Gradierbau ist einer von ursprünglich sechs Gradierwerken, die zur ehemaligen Salinenanlage „Philippshall“ gehörten. Da die Salzgewinnung über Salinen in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung verlor, wurde die Salzherstellung 1867 eingestellt. Die Verantwortlichen der Kurstadt hatten damals aber schnell den gesundheitsfördernden Nutzen der Anlage erkannt, da bei der Verrieselung der Sole aus der im Kurpark entspringenden Maxquelle auch große Mengen von Mineralien in Form von feinen Tröpfchen an die Luft abgegeben werden. Deshalb kommen jedes Jahr immer noch Tausende Besucher aus therapeutischen Gründen in die Kurstadt, um bei einem Rundgang auf den Wandelgängen oder auf den Bänken vor dem Gradierbau die für die Bronchien gesunde Luft einzuatmen.

Dieter Petry, Leiter des Dürkheimer Bauamtes und Vorstandsmitglied des Fördervereins Gradierbau, berichtet, dass jedes Jahr eine Familie aus München in die Kurstadt käme, um die salzhaltige Luft aufzunehmen. „So ersparen sie sich die doppelt so lange Fahrt an die Nordsee“, fügt er lächelnd hinzu.

Romantischer Treff zwischen Holzbalken

Vorstandsmitglied Peter Spengler erinnert sich noch gut an seine Jugendzeit, in der er als „Schwarzviertler Bu“ viel Zeit an der Saline verbracht hat. Ganz besonders gut ist ihm noch das „Balkehuppse“ im unteren, dunklen Teil des Bauwerks im Gedächtnis, wo man auf den glitschigen Balken herumgesprungen ist. „Später sind wir dort vor neugierigen Blicken geschützt dann auch der Damenwelt näher gekommen und haben unsere ersten ,Dates’ gehabt“, berichtet er schmunzelnd. Heutzutage ist dieser romantische Ort nicht mehr zugänglich, da der untere Teil des Gradierbaus mit einer Holzverschalung geschlossen wurde.

Zweimal wurde der Gradierbau angezündet und aufgebaut

Der Gradierbau, der seit 1984 unter Denkmalschutz steht und seit 2008 Eigentum der Stadt ist, wurde 1992 durch Brandstiftung zu einem Drittel zerstört und bis 1997 wieder komplett aufgebaut. Durch Brandstiftung ging der Bau am 7. April 2007 erneut in Flammen auf. Der im Dezember 2009 begonnene Wiederaufbau der Saline, die am 9. Oktober 2010 feierlich eingeweiht wurde, enthielt einige wesentlichen Änderungen zum Vorgängerbau. So erhielt der Neubau zwei große Durchbrüche, drei kleine Durchgänge im Umgang und eine großzügige Aussichtsterrasse mit Blick auf die Michaelskapelle. Auf dem Dach wurde eine 4000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die im Jahr mehr als 250.000 Kilowattstunden Strom erzeugen kann und damit den jährlichen Strombedarf von 70 Haushalten oder den kompletten Energieverbrauch des Wurstmarktes decken könnte, installiert. Außerdem wurden Brandschutzmaßnahmen vorgenommen, wozu auch die ganzjährige Berieselung des Reisigs gezählt werden kann. Nach Aussage Petrys werde die Anlage erst bei Temperaturen von minus fünf Grad abgeschaltet, um Frostschäden vorzubeugen.

Historisches Gradieren zum Zehnjährigen

Obwohl sie nach dem Neubau der Saline keine tragende Funktion mehr haben, müssen die 160 Säulen der Saline, die über 170 Jahre Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert waren, nach und nach saniert werden. Diese Herkulesaufgabe, die viele Jahre dauern wird, stellt den Förderverein und die Stadt vor eine große finanzielle Herausforderung. „Wir haben bisher sieben Pfeiler ausgetauscht und pro Stück über 7000 Euro ausgegeben“, berichtet die Vereinsvorsitzende Petra Dick-Walther. Der Austausch der nächsten „Salinengeister“, wie die abgeschliffenen Steine der Pfeiler liebevoll genannt werden, werde noch mehr Geld verschlingen. Der Verein sei deshalb weiterhin auf Spenden seitens der Bevölkerung angewiesen. Aktuell sei die Finanzierung weiterer fünf Pfeiler gesichert.

Für das nächste Jahr hat sich der Förderverein Gradierbau, der 1993 gegründet wurde und etwas über 300 Mitglieder hat, einiges vorgenommen. „Wir wollen auf jeden Fall die Salinenserenade, die in diesem Jahr Premiere hatte und ein voller Erfolg war, wiederholen. Der Termin ist am 19. Juni 2020“, berichtet die Erste Vorsitzende. Außerdem sei geplant, vom 25. bis zum 27. September ein dreitägiges Salinenfest mit dem beliebten RHEINPFALZ-Benefizlauf „Rund um die Saline“ am Samstag zu veranstalten.

Beim Fest, das auch das zehnjährige Bestehen des wiederaufgebauten Bauwerkes feiern möchte, soll das historische Gradieren präsentiert werden. Das dafür erforderliche „Gesiede“ muss noch angefertigt werden. Dabei handelt es sich um ein Gestell, an dem eine Metallpfanne befestigt ist, wo der Sud aufgebracht wird, um das Salz zu erzeugen. „Wer Materialien oder seine Erfahrungen als Metallbauer, Schreiner oder Zimmermann bei der Fertigung des Gesiedes einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, sich beim Verein zu melden“, appelliert Dick-Walther an die Bevölkerung.

Infos und Kontakt

Salinenserenade am 19. Juni 2020, Salinenfest vom 25. bis 27. September 2020, www.foerderverein-gradierbau.de.

Die großen und kleinen Wahrzeichen in der Umgebung mal von einer anderen Seite zeigen – nämlich aus Drohnensicht – soll unsere Serie „Markant von oben“. Wir erzählen in loser Folge Geschichten rund um bekannte und weniger bekannte Bauwerke.

Feiern können die Dürkheimer neben und auch auf dem 333 Meter langen Gradierbau.
Feiern können die Dürkheimer neben und auch auf dem 333 Meter langen Gradierbau. Foto:Altnöder
Der Reisig wird ganzjährig berieselt, außer es ist sehr kalt. Dann wird die Anlage ausgeschaltet, um Frostschäden zu vermeiden.
Der Reisig wird ganzjährig berieselt, außer es ist sehr kalt. Dann wird die Anlage ausgeschaltet, um Frostschäden zu vermeiden. Foto: Franck
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