Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mandelblüte: Wie Bustouristen aus dem hohen Norden zu Pfalz-Fans werden

Elke und Hans-Jürgen Bleich fotografieren die Freinsheimer Mandelblüte.
Elke und Hans-Jürgen Bleich fotografieren die Freinsheimer Mandelblüte.

Mit dem Reisebus zur Mandelblüte in die Pfalz: Ein Abstecher zum Freinsheimer Mandelhof darf da nicht fehlen. Wie Touristen hier schnell zu Pfalz-Fans werden.

Das Programm klingt vielversprechend. „Mandelblüte in der Pfalz. Ein Traum in Rosa.“ So ist die Eröffnungsreise des Busunternehmens Schmidt aus Westerhorn (Kreis Pinneberg) in Schleswig-Holstein überschrieben. Vom 9. bis 13. März wird den Teilnehmern alles geboten, was die Gegend um die Deutsche Weinstraße um diese Zeit so hergibt. Im Mittelpunkt: die Mandelblüte in all ihrer Pracht.

„Ihr habt aber auch ein Wetterchen hier“, sagt Peter Hintz aus Barmstedt. Er steigt gerade in Freinsheim aus dem Reisebus und klopft Gästeführer Peter Wolf aus Hainfeld anerkennend auf die Schulter. Versprochen wurde den Touristen aus dem hohen Norden im Reiseprospekt, dass sich hier bereits „rosa Blütenwolken durch das Land ziehen, während andernorts noch Wintergrau vorherrscht“.

Begrüßung mit viel Sonnenschein

Das hat schon einmal geklappt. Den ersten Tag nach ihrer zehnstündigen Anreise verbringen die 17 Gäste in Bad Dürkheim und Neustadt bei schönstem Sonnenschein und milden Temperaturen. „Wir hatten ja so lange Winter. Deshalb genießen wir das jetzt richtig“, sagt Hans-Jürgen Bleich aus Glückstadt. Auch die Bekanntschaft mit dem ersten Schluck Pfälzer Wein hat die Gruppe schon gemacht. Auch da herrschte die Farbe Rosa vor: Den Rosé würde seine Frau Elke gerne noch einmal trinken. „Das war Weißherbstschorle“, sagt Gästeführer Peter Mohr und lacht. „Morgen ist Weinprobe in Hambach. Da gibt’s noch genug zu trinken“, verspricht er. Spießbraten von der Rebenglut wird den Nordlichtern danach serviert.

Romy Oberholz (Zweite von links) weiht ihre Gäste in die Geheimnisse der Mandel ein.
Romy Oberholz (Zweite von links) weiht ihre Gäste in die Geheimnisse der Mandel ein.

Heute ist aber erst einmal rosaroter und süßer Tagesausklang im Mandelhof der Familie Oberholz in Freinsheim, wo die 1500 Bäume der Mandelplantage gerade in voller Blüte stehen. 600 Exemplare befinden sich direkt neben dem Aussiedlerhof an der Landstraße Richtung Herxheim am Berg. Die nehmen die Gäste nach dem Empfang durch Mandelhof-Chefin Romy Oberholz genauer unter die Lupe. „Wir sind alle Ü65“, verkünden sie putzmunter und machen gut gelaunt mit Handys und Kameras einige Mandelblüten-Erinnerungsfotos.

Nektar nährt die Bienen nach dem Winter

In die Nähe der sechs Bienenstöcke von Imker Eugen Erhardt aus Ungstein traut sich nur die Barmstedterin Elke Hintz, die selbst Imkerin ist. Mandelhonig wird aus dem gesammelten Nektar aber nicht produziert. „Den brauchen die Bienen nach dem langen Winter als Nahrung“, erklärt Romy Oberholz. Für sie sind die Bienen aus einem anderen Grund wichtiger: „Wir brauchen die Bienen, weil unsere Bäume keine Selbstbestäuber sind“, erklärt sie den Bustouristen. Ein weiterer Imker, der sonst mit seinen Bienen immer auf die Plantage kommt, warte noch auf die Genehmigung zum Aufstellen seiner Völker. Wegen der Amerikanischen Faulbrut, die im vergangenen Jahr bei Bienenvölkern im Landkreis Bad Dürkheim ausgebrochen war, ist alles etwas schwieriger als sonst, bedauert Romy Oberholz.

Bienen werden für die Bestäubung gebraucht. Imkerin Elke Hintz kennt sich aus.
Bienen werden für die Bestäubung gebraucht. Imkerin Elke Hintz kennt sich aus.

Mit dem Blütenverlauf ist sie aber sehr zufrieden. Kein Frost hat ihn bislang gestört. „Bis in die nächste Woche hinein werden wir die Blüten noch genießen können“, schätzt sie. Durch das warme Wetter sei die Blütezeit aber etwas kürzer. „Sie haben es also gerade sehr gut getroffen“, sagt sie zu den Gästen. Die sind froh, das Naturschauspiel mit eigenen Augen sehen zu können. Deswegen sind sie schließlich hier. „Bei uns zu Hause blühen nur Schneeglöckchen und Krokusse“, erzählen sie. Auch die Narzissen seien in der Pfalz schon so weit, staunt Elke Hintz. „Die brauchen bei uns bestimmt noch zwei Wochen.“

Sorte „Palatina“ lässt sich gut verwerten

Den wissbegierigen Gästen erklärt Romy Oberholz, dass ihre Mandeln von einem aus Italien in die Pfalz gebrachten Baum abstammen. Der habe etwa 90 Jahre im Vorgarten gestanden. Die Sorte hat auch einen Namen: „Palatina“. Sie ist sehr ertragreich und gut zu verwerten. Zusammen mit ihrer Tochter Meike, die gelernte Konditorin ist, wird aus den Ende August bis Anfang September geernteten Mandelkernen allerlei Konfekt, Granola, Marmelade, Pesto oder Rum hergestellt. Die Freinsheimer Metzgerei Appel hat Saumagen mit Mandeln gefüllt. Er wird im Mandelhof in Dosen verkauft. Natürlich gibt es hier auch Mandeln in Reinform. In der Schale sind die Mandelkerne lange haltbar. Für Mitbringsel ist im Hofladen also bestens gesorgt.

Im Hofladen dreht sich alles um die Mandel.
Im Hofladen dreht sich alles um die Mandel.

Den ganzen März über empfängt Romy Oberholz täglich Busgruppen. Manchmal sogar zwei am Tag. Dafür hat sie Verträge mit diversen Reiseveranstaltern abgeschlossen, die wiederum deutschlandweit mit Busfirmen ins Geschäft kommen. Auch aus Luxemburg hat sich in diesem Jahr eine Gruppe angesagt. Es gibt eine Führung über die Plantage und anschließend meist Kaffee und Kuchen. Am Wochenende macht der Oldtimer-Bus auf seiner Tour Station im Freinsheimer Mandelhof. Für die Gäste aus dem Norden hat Meike Oberholz eine Mandeltorte gebacken. Nach der Führung werden sie damit im Hofladen an der gedeckten Kaffeetafel verköstigt. Dass bei einem Urlaub in der Pfalz der Genuss ganz weit oben steht, schätzen die Touristen aus dem hohen Norden besonders.

Weiter bis ins Elsass

Nach einem Besuch in Edenkoben mit der Villa Ludwigshöhe geht es für sie am nächsten Tag nach Landau. Am Tag darauf steht Annweiler mit dem Trifels auf dem Programm. Auch ein Abstecher nach Schweigen zum Weintor ist vorgesehen. Danach wird die Altstadt von Weißenburg im Elsass besichtigt. Einige planen schon den nächsten Pfalz-Urlaub. Gästeführer Peter Mohr hat Tipps parat. Schließlich dürfen die Besucher nach der Mandelblüte die Weinlese nicht verpassen.

x