Bad Dürkheim „Manche wollen viel Geld für ihre Bruchbude“
Während des Balkankonflikts in den 1990er-Jahren, als die ersten Menschen aus dem zerbrechenden Jugoslawien flohen, begann Marie-Theres Hoppe sich ehrenamtlich zu engagieren. Sie gründete den Verein „Flüchtlinge Deidesheim“, der bis 2007 bestand. „Als uns dieses Elend vor die Füße gefallen ist, haben wir uns drum gekümmert! Vieles lief auf eigene Kosten und auf eigene Faust“, erzählt die 73-Jährige, die inzwischen in Wachenheim lebt und sich hier engagiert. Heute sei vieles einfacher geworden. Zu den Behörden habe sie gute Kontakte aufgebaut. Wenn es um die Abschiebung von Asylbewerbern ging, hat sie sich stark gemacht in der Härtefallkommission. Das örtliche Helfernetzwerk in Wachenheim habe die Aufgaben gut unter sich aufgeteilt. Seit es montags den Flüchtlingsstammtisch gebe, „kommen die Neuen immer gleich dazu. Dann weiß man gleich, wo der Schuh drückt“, erzählt Hoppe. Zurzeit kümmert sie sich um die Organisation von Krankenfahrten. Einige Schwangere müssen regelmäßig zum Frauenarzt gefahren werden. Für die Babys wird Kinderkleidung benötigt. In Wachenheim leben insgesamt etwa 80 Personen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern. Marie-Theres Hoppe hat ein offenes Ohr für deren Probleme und versucht schnell Lösungen zu finden. Wichtig ist ihr, ihnen nach der oft schwierigen Flucht Verständnis und menschliche Wärme entgegenzubringen. Sie wünscht, „dass jede Familie eine Nische findet, wo sie auftanken können und angenommen werden“. Rührend seien die Dankbarkeit und Gastfreundschaft dort. „Sie wollen was zurückgeben, die machen uns reicher!“ Das sei ein starker Kontrast zu ihrer Aufgabe als Gleichstellungsbeauftragte der Verbandsgemeinde, wo sie eher Luxusprobleme zu lösen habe. Problematisch sei die Enge in der größeren Sammelunterkunft. Dort gebe es einfach zu wenig Privatsphäre für die Familien. „Wir bräuchten ganz konkret mehr Wohnungen.“ Sie suche auch händeringend Zimmer für einige junge Frauen ohne Familie. Das alles bedeute viel Lauferei, Inserate aufgeben und Telefonate führen. „Manche wollen die letzte Bruchbude für viel Geld vermieten und brutal Kapital daraus schlagen“ – darüber ärgert sich Marie-Theres Hoppe besonders. Zu etlichen Flüchtlingsfamilien von früher aus dem Kosovo hat sie noch gute Beziehungen. Manchen Älteren habe sie zur Rückkehr geraten, weil es ihnen schwer gefallen sei, hier Fuß zu fassen. Es habe weder mit der Sprache noch mit Jobs geklappt. „Die jungen Kosovo-Albaner dagegen sind voll integriert. Sie sind wirklich bereit, etwas zu schaffen, bauen sich hier eine Existenz auf.“ Zu Weihnachten bekam sie mal einen Rasenmäher geschenkt von jemandem, der wusste, dass sie mit ihrem nicht zurechtkam. Das fand sie rührend! Die Aufgabe als Ehrenamtliche sei anstrengend, aber „Geben und Nehmen halten sich die Waage, das wissen auch alle Helfer. Hier geht es schließlich um was“, meint Marie-Theres Hoppe resolut. (wpe) Die Serie Parallel zum RHEINPFALZ-Report „Asyl vor Ort“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die sich bei uns als Paten oder anderweitig für Flüchtlinge engagieren.