Bad Dürkheim Lust und Frust des Alters
Seit Dienstag läuft das 7. Europäische Filmfestival der Generationen, das das Älterwerden und den demografischen Wandel in den Mittelpunkt setzt. Auch Einrichtungen aus Bad Dürkheim und Wachenheim machen mit.
Das Festival präsentiert aktuelle deutsche und internationale Spiel- und Dokumentarfilme über das Alter. Dabei steht die Filmauswahl laut Veranstalter unter zwei Prämissen: Erstens sollen die Filme differenzierte Altersbilder vermitteln, die das Alter als eine entwicklungsdynamische Lebensphase zeigt. Die zweite Prämisse: Die Filme sollen Inhalte transportieren, die zur Anschlusskommunikation und zum Dialog mit dem Publikum einladen. Von daher sind die Publikumsgespräche im Anschluss an die Filmvorführungen zentraler Bestandteil des Festivalkonzepts. Diese werden durch Fachexperten aus Praxis, Wissenschaft, Kommune und Politik geführt. Der Film dient sozusagen als Medium, als Kommunikationsmittel, um ins Gespräch zu kommen und Fragen aufzuwerfen. Am Dienstag dient in der Aula das Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums der Film „Die Schüler der Madame Anne“ als Diskussionsgrundlage. Zum Inhalt des Films: Anne Gueguen ist Geschichtslehrerin an einem Gymnasium im Pariser Vorort Créteil, einem sozialen Brennpunkt. Ihre 10. Klasse besteht vorrangig aus demotivierten, sozial benachteiligten Jugendlichen. Statt Lernen bestimmen kulturelle Konflikte, Rassismus und Ausgrenzung den Schulalltag. Doch die engagierte Pädagogin meldet ihre Klasse für einen Wettbewerb zum Thema „Kinder und Jugendliche in Konzentrationslagern“ an und weckt in ihnen den Willen, gemeinsam etwas zu lernen. Dabei entdecken sie in den Erzählungen eines Shoah-Überlebenden über alltägliche Diskriminierung und Stigmatisierung Bezugspunkte zu ihrer eigenen Lebenssituation und erkennen die Notwendigkeit, sich gegen Unrecht politisch zu wehren. Ein packender Film über ein Integrationsprojekt, der auf einer wahren Geschichte beruht. Ab 20 Uhr wird der Film gezeigt. Armin Rebholz leitet die anschließende Diskussion. Was im Alter alles möglich ist, zeigt der Film, den das Wachenheimer Bürgerspital am gleichen Tag, 18.30 Uhr im Andachtsraum, zeigt: In „Sein letztes Rennen“ zeigt Schauspieler Dieter Hallervorden, dass es nie zu spät ist, sich Ziele zu setzen. Der einst berühmte Marathonläufer Paul Averhoff zieht mit über 70 Jahren widerwillig in ein Altersheim. Seine berufstätige Tochter Birgit kann und will sich nicht länger um ihn und seine kranke Frau Margot kümmern. Im Heim fühlt sich Paul nicht wohl und fragt sich, ob es das gewesen sein soll. Er beschließt, für den Berlin-Marathon zu trainieren. Die anderen Heimbewohner halten ihn zunächst für verrückt, doch mit Hilfe seiner Frau trainiert der rüstige Rentner für sein großes Ziel. Dabei muss er nicht nur seinem alternden Körper trotzen, sondern auch gegen die Widerstände der Heimleitung und seiner Tochter ankämpfen. Ähnlich wie Paul zeigt Didi Hallervorden mit 78 Jahren eine bravouröse Leistung, die mit dem Deutschen Filmpreis belohnt wurde. Beim anschließenden Publikumsgespräch berichtet Validation Master Hedwig Neu, Leiterin des Autorisierten Zentrums für Validation, über unser Bild des Alters in der Gesellschaft und wie es unsere Sichtweise prägt. Eine Komödie präsentiert das Mehrgenerationenhaus Bad Dürkheim am darauffolgenden Abend. „Man lernt nie aus “ von Regisseurin Nancy Meyers ist ein Film mit Robert de Niro und Anne Hathaway. Witwer Ben Whittaker fühlt sich in seinem neuen Lebensabschnitt als Rentner nicht ausgefüllt. Es fällt ihm schwer, seine freie Zeit sinnvoll zu gestalten. Daher ergreift er eines Tages die Chance, als Senior-Praktikant bei einer erfolgreichen Mode-Website anzufangen. Deren Chefin Jules Ostin staunt nicht schlecht, als der rüstige Neuzugang zu seinem ersten Tag antritt. Doch während der Rentner anfangs noch ein wenig belächelt wird, erfreut er sich dank seiner charmanten und warmherzigen Art bei seinen neuen Kollegen bald großer Beliebtheit. Und auch für Jules, die sich in ihrer noch immer ungewohnten Rolle als Geschäftsführerin häufig überfordert fühlt, wird Ben schnell zu einer wichtigen Stütze und einem guten Freund, auf den sie nicht mehr verzichten will. Der Film startet um 19 Uhr. MGH-Leiterin Jutta Schlotthauer steht zur Diskussion bereit. Am Donnerstag wird das Maternus Seniorencentrum an den Salinen zum Kino. Ab 16 Uhr wird unter der Leitung von Heike Köppen der Film „Robot & Frank“ gezeigt, der in einer nicht allzu fernen Zukunft spielt: Der eigenwillige ehemalige Juwelendieb Frank weigert sich, mit der Zeit zu gehen. Während um ihn herum alles durch Maschinen ersetzt und durch Technik vereinfacht wird, versucht der Rentner, möglichst alles selber zu machen und ein Leben ohne technische Unterstützung zu führen. Er geht gerne in die Bibliothek – vor allem wegen der Bibliothekarin Jennifer. Franks Kinder, Hunter und Madison, machen sich Sorgen um ihren Vater, und Hunter hat das Gefühl, dass der alte Mann sein Leben nicht mehr alleine meistern kann. Daraufhin besorgt er ihm einen Roboter als Lebenshilfe im Alltag. Zunächst wehrt sich Frank gegen den technischen Unterstützer, jedoch merkt er allmählich, dass ihm der Roboter auch gut tut und ihm zu neuen – kriminellen – Taten verhelfen kann ... |rhp