Bad Dürkheim
Luise Rist behandelt in ihrem Buch ein hochaktuelles Thema
Wenn Luise Rist nun am Mittwoch auf Einladung der Stadtbücherei und des Kunstvereins Bad Dürkheim im Haus Catoir aus ihrem zweiten Jugendroman „Morgenland“ liest, ist das für sie fast eine Erlösung. Zwei Jahre lang ist der Auftritt in der alten Heimat wegen Corona immer wieder verschoben worden. Zwei Jahre, in denen sie auch sonst mit Lesungen fast völlig pausieren musste und ihr bereits 2018 erschienenes Buch daher kaum präsentieren konnte. Dabei sind die darin behandelten Themen Flucht und Ankommen doch gerade im Moment wieder hochaktuell.
Sie freue sich sehr auf das Heimspiel, sagt Luise Rist im Gespräch. Viele Erinnerungen kommen da hoch. Geboren 1970 und aufgewachsen in Wachenheim, hat sie in Bad Dürkheim noch als Schülerin ihre erste Theatergruppe gegründet. „Irrlicht“ hieß die und setzte sich aus Schülern des Werner-Heisenberg-Gymnasiums zusammen. „Wir haben auch auf der Limburg gespielt“, sagt die Autorin, „und haben das auch noch durchgehalten, als ich schon studierte.“ Einige der Mitglieder seien ihrer Leidenschaft fürs Theater bis heute treu geblieben. So wie sie.
Zum Plot kam Rist über ihre Theaterarbeit
Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik in Heidelberg und Berlin arbeitete sie acht Jahre lang als Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen und schrieb auch eigene Stücke. Eines davon, der „Mephisto“, erzählt sie lebhaft, sei erst vor Kurzem in einer neuen Bearbeitung am Linzer Landestheater wieder aufgeführt worden. Das Schreiben allerdings habe sich zeitlich schlecht mit ihrer festen Arbeit vereinbaren lassen, habe sie festgestellt und sich deshalb selbständig gemacht. Sie gründete in Göttingen als freies Theaterprojekt zusammen mit Nina de la Chevallerie 2009 für Kinder und Jugendliche das „Boat People Projekt“, das sich unter anderem mit politischen Fragen und Themen wie Migration und Flucht beschäftigt. Da ist sie weiterhin in der künstlerischen Leitung tätig, schreibt und inszeniert. Regelmäßig betreut sie auch die ebenfalls von ihr mitbegründete Jugendtheatergruppe „Mahala International“ am „Jungen Pfalzbau“ in Ludwigshafen. Auch hier stehen junge Geflüchtete auf der Bühne.
Aus der Arbeit mit jungen Geflüchteten ergaben sich auch die Themen für ihre beiden ersten Romane. Schon in „Rosenwinkel“, 2015 erschienen und bald darauf auch bei einer Lesung beim Kulturverein vorgestellt, hat sie die ihr erzählten Geschichten von Flucht und Vertreibung verarbeitet. „Die Personen haben konkrete Vorbilder“, sagt sie, „aber die Handlung ist erfunden.“ In „Rosenwinkel“ freundet sich Frida, die Hauptperson, nach dem Schulabschluss mit der etwas jüngeren Anita aus der Asylunterkunft „Rosenwinkel“ an. Als Anita und ihre Verwandten eines Tages verschwunden sind, macht sich Frida mit Hilfe eines ehemaligen Kriegsreporters auf die Suche nach ihr und landet in einer ihr völlig fremden Welt bei einer Romafamilie in Bosnien.
Eine Liebe, die auf eine harte Probe gestellt wird
Frida ist nun auch wieder die Hauptperson in „Morgenland. Die Geschichte einer Liebe auf der Flucht“. Darin reist sie an die serbisch-ungarische Grenze, um Flüchtlingen zu helfen. Sie verliebt sich dort in Ali aus Afghanistan. Doch als die beiden schließlich Deutschland erreichen, fällt es Ali schwer, sich einzuleben. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Zwar ist Frida die Protagonistin beider Bücher, und auch die Roma-Familie ist noch ein Thema, doch „Morgenland“ ist keine direkte Fortsetzung von „Rosenwinkel“ und kann auch ohne vorherige Lektüre des ersten Bands gelesen werden.
Die Autorin selbst hat durch die Arbeit an den Büchern und die Theaterarbeit mit Geflüchteten vor allem „tiefe Einblicke in Welt der Roma gewonnen“. Sie habe sich „sehr intensiv, fast schon wissenschaftlich, damit befasst“, erzählt sie, und ist auf Spurensuche sogar nach Indien gereist. Die Roma werden auch Thema ihres dritten Buches sein, an dem sie gerade schreibt. Dieses wird im Gegensatz zu „Rosenwinkel“ und „Morgenland“ kein Jugendbuch, sondern soll die Geschichte der Volksgruppe im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach beleuchten. Luise Rist hat dafür sogar ein Recherche-Stipendium erhalten.
Info
Luise Rist stellt „Morgenland“ am Mittwoch, 16. März, um 19 Uhr im Haus Catoir in Bad Dürkheim vor (Eintritt: 8 Euro). Das bei CBT erschienene Buch ist – das Geschäft ist schnelllebig – inzwischen nur noch als E-Book für 7,99 Euro erhältlich.