Wachenheim
Lohn der Akribie: Spitzenkoch Benjamin Peifer über den zweiten Stern
Die Einladung zu dem Verleihungsabend vor einigen Wochen kam für Benjamin Peifer und seine Frau zu einem besonderen Tag: ihrem Hochzeitstag. Dass an dem Abend der zweite Stern auf Peifer und sein Team warten würde, war da freilich noch nicht klar.
„Der zweite Stern wird unser Leben verändern“, sagt der Spitzenkoch. 2017 eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Bettina das Intense in Kallstadt, das nur ein Jahr später mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. 2022 bewirtete das neue Intense nach längerer Umbauphase des Alten Pfarrhauses in der Wachenheimer Weinstraße die ersten Gäste. Das Restaurant verteidigte erfolgreich den ersten Michelin-Stern mit einer japanisch inspirierten Küche mit vielen regionalen Pfälzer Zutaten. Das Intense ist dabei als Gesamtkunstwerk konzipiert, denn die Gäste nehmen die unterschiedlichen Gänge in verschiedenen Räumen ein, die alle eine eigene Atmosphäre haben.
Voraussetzung für eine Zwei-Sterne-Bewertung sei, dass der Tester oder die Testerin offen für dieses Konzept sei und Peifers Ideen die Restaurantkritiker „treffen“, wie der Spitzenkoch es formuliert.
Mindestens fünfmal seien die Michelin-Tester vor Ort gewesen. Auf diese Zahl kommt Peifer beim Studium der Website des Restaurant-Guides und dem Abgleich mit den jeweiligen Menüs in seinem Haus. Sicher weiß das außer der Redaktion des Restaurantguides niemand, denn die Besuche finden verdeckt statt. Auch Peifer, der schon 2014 einen Michelin-Stern für das Urgestein in Neustadt erkocht hat, kennt nur wenige Prüfer. Natürlich habe man aber „so eine Idee, wer es sein könnte“.
Ein erlesener Kreis
Wie erlesen der Kreis der Zwei-Sterne-Restaurants ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 47 Zwei-Sterne-Häuser gibt es im neuen Guide Michelin in Deutschland, 282-mal vergaben die Tester einen Stern – erneut wieder dabei: der Admiral in Weisenheim am Berg.
Bereits am Tag nach der Bekanntgabe der Auszeichnung sei die Anzahl an Reservierungsanfragen deutlich gestiegen. Peifer hofft, dass das so weitergeht und beispielsweise auch Gäste aus dem Ausland verstärkt auf sein Restaurant aufmerksam werden. Wie sich der zweite Stern konkret auf den Besuch auswirken werde, dafür müsse man allerdings die kommenden Wochen abwarten.
Schwarmintelligenz im Intense
Den zweiten Stern sieht Peifer als Bestätigung für die detailverliebte Arbeit des Intense-Teams. „Jeder hier ist akribisch. Niemand darf alleine entscheiden, wie etwas schmecken soll, wir setzen da sozusagen auf die Schwarmintelligenz“, erzählt der 38-Jährige.
Trotz der Neubewertung glaube er nicht, dass er die Menüpreise anpassen werde, sagt Peifer. Garantieren könne er es aber nicht. Schließlich kümmerten sich in seinem Restaurant zehn Mitarbeiter um 18 Gäste. Oberstes Ziel sei es, dass das Unternehmen wirtschaftlich funktioniere.
Wobei Peifer und das Intense auf ein perfektes Jahr zurückblicken können: Erst im Frühjahr war Peifer vom Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt worden. „Die Artikel nach dieser Auszeichnung sind noch nicht einmal alle erschienen ...“, sagt Peifer. Ist er nun am Ziel seiner Träume? „Der zweite Stern ist wahnsinnig erfüllend“, betont der Koch. Dieser Erfolg müsse nun bestätigt werden. Aber der große Traum sei der dritte Stern: „So wie es bei manchen Kindern der Traum ist, Feuerwehrmann zu werden, ist es bei mir der dritte Stern“, verrät Peifer, der mit seiner Frau in Deidesheim lebt. Ganze zwölf Drei-Sterne-Häuser gibt es derzeit in Deutschland.
Dass der Umzug des Restaurants nach Wachenheim richtig war, zeigten auch zahlreiche Glückwunsche aus der Stadt zu seinem Erfolg, etwa auf Facebook: „Wir sind froh, dass wir hier so gut angenommen werden. Wir haben auch viele Gäste aus Wachenheim, das war in Kallstadt nicht so“, berichtet Peifer.